Protokoll der Juli-Sitzung Fed lässt Experten und Märkte ratlos

Das Protokoll der US-Notenbank hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Ob es im September eine Leitzinserhöhung geben wird, ist weiterhin unklar. Vielmehr spiegelt der Bericht das Dilemma wider, vor dem die Fed steht.

Die stabilsten Banken der Welt
Bank of China Holdings, Hong Kong Quelle: REUTERS
Skandinaviska Enskilda Banken Quelle: REUTERS
Platz 8: Pohjola Bank, FinnlandNeben asiatischen Banken dominieren Institute aus Nord-Europa das Ranking. Die finnische Pohjola Bank kommt mit 28,5 Punkten auf Platz 8. Die Geschäftsbank hat in Finnland einen Marktanteil von fast einem Viertel bei Unternehmenskrediten. In der Untersuchung liegen die Finnen besonders bei der Absicherung von Problem-Krediten international weit vorne.
DBS-Bank Quelle: REUTERS
BayernLB Quelle: dpa
Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor al Thani Quelle: dpa
OCBC-Bank Quelle: Reuters

Zunächst zogen die Aktienkurse an, nachdem die US-Notenbank (Fed) am Mittwoch das Protokoll ihrer Sitzung im Juli veröffentlicht hat. Offenbar waren die Händler erleichtert, dass daraus zumindest kein klares Signal für eine Zinserhöhung im September abzusehen ist.

Aber rund eine Stunde später waren die Märkte am selben Punkt wie vorher. Der Anleihenmarkt zeigte dagegen deutlicher an, dass Investoren weniger als zuvor an einen Zinsschritt im September glauben.
David Kelly von JP Morgan wies allerdings darauf hin, dass seit der Juli-Sitzung positive Zahlen vom Arbeitsmarkt, aus der Einzelhandelsbranche und vom Immobilienmarkt gekommen sind. Er geht daher weiterhin davon aus, dass die Fed im September zur Tat schreitet.

Die Äußerungen der Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss hielten sich so sehr die Waage, dass sie im Endeffekt keinen Aufschluss darüber geben, wie es weitergeht in der Geldpolitik. Harm Bandholz, Chef-US-Ökonom von Unicredit, hob den entscheidenden Satz hervor: „Die meisten urteilten, dass die Bedingungen für eine härtere Geldpolitik noch nicht erreicht seien, aber, dass die Bedingungen sich diesem Punkt nähern.“ Das ist aber genau das, was vorher auch schon bekannt war.

2014 – ein heikles Jahr für die EZB

Seit der Sitzung Mitte Juli gab es keine aufschlussreichen Äußerungen von Fed-Chefin Janet Yellen, ihrem Stellvertreter Stanley Fischer oder Bill Dudley, dem Chef der Fed New York. Diese drei, auch „die Troika“ genannt, gelten als die entscheidenden Figuren. Wenn bis zur nächsten Fed Sitzung Mitte September von dieser Seite keine Hinweise kommen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es noch im September zur ersten Zinserhöhung seit neun Jahren kommt. Denn die Notenbank will Turbulenzen an den Märkten verhindern und wird sie daher auf jede Veränderung vorbereiten.

Das Fed-Protokoll machte erneut das Dilemma deutlich, vor dem die Notenbank steht. Der Arbeitsmarkt würde eine Zinserhöhung nahelegen, die niedrige Inflation spricht dagegen. Hinzu kommt: Die heimische Konjunktur läuft recht gut, aber aus dem Ausland, vor allem aus China, drohen negative Einflüsse.

Was Analysten für 2015 erwarten
Deutsche BankDie Anlagestrategen sind verhalten optimistisch, zumindest was den deutschen Aktienmarkt angeht. Ende 2015 sehen sie den Dax bei 11.500 Punkten. Während die USA mit einem prognostizierten Wachstum von 3,5 Prozent zur Lokomotive werden dürfte, rechnen die Analysten für Deutschland nur mit einem Plus von 0,8 Prozent. Zugewinne könnte es dank des schwachen Euro bei exportorientierten Industrien geben. Ende 2015 sieht die Deutsche Bank den Euro bei 1,15 Dollar. Anleihen werden dagegen nicht mehr so attraktiv sein. Die Renditen bleiben extrem niedrig, Chancen gibt es lediglich bei US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Auch Schwellenländeranleihen könnten für Risikofreudige interessant werden. Insbesondere Indien wird für die Deutsche Bank zur attraktiven Region. Quelle: REUTERS
Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors ist ein Tochterunternehmen der Allianz. Quelle: imago
CommerzbankDie Commerzbank sieht den Dax Ende 2015 bei 10.800 Punkten, ist also nicht ganz so optimistisch wie die Deutsche Bank, was den Leitindex angeht. Einig sind sich beide aber, was mögliche Staatsanleihekäufe der EZB angeht. Mit einem sogenannten Quantitative Easing (QE) rechnen beide Institute in der ersten Jahreshälfte. Anschieben könnten den Dax steigende Unternehmensgewinne dank des schwächeren Euro. Das könnte auch Dividenden begünstigen. Die Bank rechnet für den Dax mit einer Dividendenrendite von knapp über drei Prozent. Besonders hohe Dividendenrenditen erwarten die Analysten bei Medienpapieren wie Freenet und RTL sowie Immobilienkonzernen wie DIC Asset oder TAG. Als negative Einflussfaktoren verweist die Commerzbank nicht nur auf die wahrscheinliche Zinserhöhung der Fed, sondern auch auf niedrigere Wachstumsraten in China. Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)Was den Dax betrifft ist die Landesbank etwas pessimistischer als die Großbanken. Relativ konservativ rechnet sie mit einer Spanne zwischen 8300 und 10.000 Punkten. Zwar erwarten die Analysten eine leichte Erholung der Weltwirtschaft, einen breiten Aufschwung sehen sie allerdings nicht. Lediglich hinsichtlich der USA scheinen sich alle einig zu sein, auch die Helaba erwartet ein Wachstumsplus von rund drei Prozent für die größte Volkswirtschaft. Für Deutschland erwartet die Landesbank ein Plus von 1,3 Prozent - mehr als die Deutsche Bank. Im Portfolio rät die Helaba zu einer leichten Anhebung der Aktienquote. Anleihen sollten dagegen zugunsten von Immobilien leicht reduziert werden. Quelle: dpa
Julius BärDie Schweizer Privatbank sieht die Devisenmärkte und Wechselkursentwicklungen ebenfalls im Fokus der Entwicklungen des nächsten Jahres. Auch die Schweizer sehen die USA als Wachstumsanführer, während die Euro-Zone mit einem Plus von nur 0,8 Prozent eher ein Bremsklotz ist. Die schwächelnde Nachfrage der Euro-Zone sei vor allem für die Schweiz ein Nachteil, heißt es. Für Investoren dagegen gelte es, Kurs zu halten, liquide zu bleiben und nach Wachstumsthemen Ausschau zu halten, so die Analysten. Mögliche Bereiche für Wachstumsthemen sind laut den Privatbankern E-Autos, digitale Technologien, Energieinfrastruktur und Bildung. Quelle: REUTERS
FidelityDie Fondsgesellschaft gibt sich optimistisch, auch für Deutschland.
DZ BankAktuell sei das Gewinnwachstum der Dax-Unternehmen noch zu hoch geschätzt, sagen die Analysten der DZ Bank. Die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben dennoch dank expansiven EZB-Maßnahmen und einem Mangel an Anlagealternativen positiv. Trotzdem erwarten die DZ Banker keine großen Kurssprünge, der Leitindex habe kaum noch Potenzial. Bis zum Jahresende 2015 rechnet die Bank nicht mit einem Anstieg über 9500 Punkte - und auch schwankungsanfälliger könnte der Index werden. Konservativen Anlegern raten die Experten daher zu

Bruce Kasman, Chef-Ökonom von JP Morgan, hatte vor kurzem einen Vergleich zu früheren Zinszyklen gezogen. Das Ergebnis: Wenn die Fed in der Vergangenheit begonnen hat, die Zinsen zu erhöhen, war der Arbeitsmarkt meist schwächer als heute, aber das Wachstum deutlich stärker und die Inflation höher.

Das Fed-Protokoll kam etwas früher an die Öffentlichkeit als geplant. Die Nachrichtenagentur Bloomberg, die den Text wie andere große US-Medien vorab bekam, hatte aus Versehen eine Überschrift zu früh publiziert.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%