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P&R-Pleite „Die Quote für Anleger kann sehr dünn werden“

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Wo ist noch Geld zu holen?

Gegen wen können Anleger von P&R nun ihre Ansprüche richten? Anders formuliert: Wo ist noch Geld zu holen?
Seimetz: Potentielle Haftungsgegner sind sicher die Berater und Vermittler, die eingeschaltet waren. Wir haben auch Fälle, in denen die Verträge von Banken vermittelt wurden. Gerade bei Banken ist die Chance, noch Geld zu holen, relativ groß. Bei Vermittlern wird es davon abhängen, wie gut deren Geschäfte waren und wie viele Anleger sich nun an ihnen schadlos halten wollen. Mögliche Haftungsgegner sind auch die Wirtschaftsprüfer, weil die offenbar nicht gemerkt haben, dass zwei Drittel der Container offenbar gar nicht vorhanden sind. Haften könnten ehemalige Geschäftsführer der Gesellschaften. Sie mussten eigentlich wissen, dass nicht alle Container vorhanden waren, die verkauft wurden.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger noch etwas von ihrem Geld sehen? Und wieviel ist wahrscheinlich?
Seimetz: Das ist eine Frage, die wohl noch nicht einmal der Insolvenzverwalter beantworten kann. Wenn die Angaben des Insolvenzverwalters zutreffen, dass zwei Drittel der verkauften Container nicht existent sind, reduziert das die Quote schon einmal auf maximal 30 bis 40 Prozent. Hinzu kommt, dass die liquiden Mittel der Gesellschaften gegen null tendieren und dass noch Rechtsstreitigkeiten mit ausländischen Unternehmen anstehen. Auch die Frage ob von den Anlegern die zu unrecht an sie ausgezahlten Mieten aus gar nicht existenten Containern zurückverlangt werden können, ist noch nicht geklärt. Angesichts dieser Probleme kann es sehr dünn werden mit der Quote. Wenn man 15 bis 20 Prozent bekommt, kann man schon fast zufrieden sein. Aber für eine endgültige Einschätzung sind die Informationen vom Insolvenzverwalter noch zu dünn.

Müssen sich Anleger vorwerfen, die Warnzeichen bei P&R übersehen zu haben? Wie auffällig waren sie?
Schröder: Es gab bei P&R Strukturen, die schon frühzeitig hellhörig machten. So saß etwa die zentrale Gesellschaft in dem Unternehmensverbund in der Schweiz. Das erschwerte die Transparenz der Gruppe natürlich erheblich. In der Schweiz dürfen Jahresabschlüsse nur mit „berechtigtem Interesse“ von den Anlegern und mit Genehmigung des Verwaltungsrates - vergleichbar mit einer Geschäftsführung in Deutschland - eingesehen werden. Durch diese Strukturen blieben die Probleme bei P&R lange intransparent. Als die Schweizer Gesellschaft 2017 erstmals in einem Verkaufsprospekt von P&R auftauchte und die Verschachtelung klar wurde, läuteten die Warnglocken allerdings schon sehr stark. P&R veröffentlichte 2017 fünf Verkaufsprospekte und wies in diesen Prospekten vorläufige Zwischenbilanzen für das Geschäftsjahr 2017 aus. Diesen Bilanzen konnte bereits entnommen werden, dass die Investorengelder von P&R offensichtlich nicht für den Kauf von Containern verwendet, sondern an Konzerngesellschaften verliehen wurden. Spätestens hier hätte ein Anleger hellhörig werden können.

Nach der Pleite von Magellan und P&R sind die Containeranbieter Solvium Capital, Buss Capital und Boxdirect weiter im Markt. Welche Erfahrungen aus der die P&R-Pleite können auf die Investments in diesen Unternehmen übertragen werden?
Schröder: All diese Investments in Container - und darauf weisen die Anbieter auch in ihren Prospekten hin - enthalten erhebliche unternehmerische Risiken. Der Kauf eines Containers ist ganz sicher nicht mit einem Sparbuch vergleichbar. Dass gerade der Containermarkt riskant ist, zeigt sich immer wieder. Erst letztes Jahr ist zum Beispiel eine große Reederei Pleite gegangen, die Container von einem dieser Anbieter angemietet hatte. Und dann bekommt der Vermieter eben keine Miete. Zudem werden die Container auf US-Dollar-Basis an die Reedereien vermietet, während der Anleger bei der Vermögensanlage in Euro investiert.  Letztlich tragen die Anleger damit das komplette Währungsrisiko, da einige Anbieter sich vorbehalten, weniger Miete an die Anleger auszuzahlen, wenn deren Bonität nicht ausreicht. Bei einem Anbieter von Container Direktinvestments ist der hohe Verlust im Jahr 2017 allein durch den Verfall der Wechselkurse US-Dollars zu Euro begründet worden. Aus unserer Sicht sind die unternehmerischen Risiken bei dieser Geldanlage im Vergleich zur angebotenen Rendite viel zu hoch.

Was sollten die Anleger aus der P&R Pleite für zukünftige Geldanlagen lernen?
Schröder: Die Anleger sollten aus der P&R Pleite lernen, dass sie sich aktiv – und sogar proaktiv - um ihre Vermögensanlagen kümmern sollten. Wie schon gesagt, handelt es sich bei einem Containerinvestment nicht um ein Sparbuch, das man sich beruhigt unter das Kopfkissen legen kann. Die Anleger sollten sich intensiv mit den Emittenten in regelmäßigen Abständen über die wirtschaftliche Entwicklung austauschen. Sie sollten vollkommen transparente Informationen einfordern, um einzuschätzen zu können, ob ihre Geldanlage noch sicher ist. Die Anbieter von Vermögensanlagen im Grauen Kapitalmarkt versuchen dagegen, sich immer noch so intransparent wie möglich darzustellen und den wahren wirtschaftlichen Erfolg des Geschäftsmodells zu verschleiern. Wenn die Anleger diese Informationen nicht freiwillig von den Emittenten zur Verfügung bestellt bekommen, dann können sie sich professionelle Hilfe suchen, bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Meldung einreichen oder sich bei den Verbraucherzentralen melden.

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