Ratenkredit statt Null-Prozent-Finanzierung Kredite, die nichts kosten, können auch nichts

So günstig gab es Ratenkredite noch nie. Aber was ist besser? Der Null-Prozent-Kredit im Möbelhaus oder Angebote wie etwa "Kash Borgen" zu knapp drei Prozent? Die Vor- und Nachteile – und die besten Zinsen.

Was können Gratis-Kredite? Das müssen Sie beachten. Quelle: Fotolia, Montage

Wenn es draußen dunkel und  kalt ist, machen es sich die Deutschen gern zuhause gemütlich: Im Herbst renovieren sie und schaffen sich neue Möbel an. Wie schön wäre doch eine neue Couch oder ein gemütlicheres Schlafzimmer, eine moderne Küche oder größerer Esstisch für die Familientreffen an den Feiertagen. Nur blöd, wenn das Geld gerade mal wieder knapp ist.

Das wissen die Hersteller natürlich auch. In diesen Tagen überschlagen sich deshalb die Möbelhäuser und verstopfen den Briefkasten mit besonderen Angeboten. Es locken Rabatte, Sonderaktionen und günstige Ausstellungsstücke – und immer häufiger auch günstige Finanzierungsangebote. Das verheißungsvolle Versprechen: Nimm es ruhig, das kostet fast nichts. Große Möbelhäuser wie Höffner, Boss, Ikea, Hardeck, Schaffrath und viele andere bieten sogar eine Null-Prozent-Finanzierung – zumindest für eine begrenzte Zeit. Geld leihen und Raten abstottern geht dann ganz ohne Zusatzkosten, das Budget für Weihnachtsurlaub und Geschenke bleibt geschont.

Geld leihen ohne Kosten hat Tücken

Beliebt ist zum Beispiel der Null-Prozent-Kredit für Ikea-Family-Kunden. Ihn gibt es aber nicht immer und nicht in jedem der schwedischen Möbelhäuser. Außerdem ist die Ikea-Family-Kreditkarte Voraussetzung für den Gratis-Kredit, die normalerweise mit einer Mitgliedschaft im Ikea-Family-Club verbunden ist.

Wie die Deutschen mit Schulden umgehen
Mehr Verschuldete Quelle: dpa
Vier von fünf Bundesbürgern (79 Prozent) versuchen, ihre Schulden möglichst niedrig zu halten. Das dürfte auch daran liegen, dass ein Großteil sich verpflichtet sieht, diese auch zu begleichen: 84 Prozent der Deutschen fühlen sich schlecht, wenn sie ihre Kredite nicht abbezahlen können – vor allem, wenn sie bei Familie oder Freunden in der Kreide stehen. Interessant: Die Bundesbürger halten zu 58 Prozent monatliche Belastungen von 300 Euro für vertretbar, allerdings überschreiten nur 39 Prozent überhaupt diese Grenze. Vielleicht liegt es daran, dass es fast zwei Drittel (64 Prozent) belastet, wenn sie Schulden haben. In den USA ist diese Wahrnehmung eine andere: Dort halten nicht nur zwölf Prozent der Bürger ihre Schulden für normal, sie sehen sich auch weniger dadurch belastet (60 Prozent). Quelle: dpa
Die Deutschen wissen sehr genau: Wer sein Konto überzieht oder einen Kredit aufnimmt, der hat Schulden. Die EOS-Studie bescheinigt den Bundesbürgern daher ein „sehr umfassendes“ Verständnis von Schulden. Nur, wenn sie auf Rechnung kaufen oder mit Kreditkarte bezahlen, glauben die Deutschen seltener (39 beziehungsweise 30 Prozent), dass sie gerade Schulden machen. Quelle: dpa
Ob Hauskauf oder die Finanzierung des neuen Autos: Je nachdem, wie langfristig die Anschaffung ist, ist auch die Bereitschaft, sich zu verschulden. Doch längst nicht bei allen Krediten sind die Bundesbürger so gnädig. Schulden für Schönheitsoperationen oder auch Gebrauchsgüter halten die Deutschen am ehesten für unangemessen. Quelle: dpa
Die meisten Deutschen (55 Prozent) haben lediglich einen Kredit, den sie abbezahlen müssen. Gut jeder vierte muss zwei Gläubiger bedienen. Mehr als fünf Kredite haben nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung. Wenn es um die Art der Kredite geht, haben 24 Prozent Ratenkredite bei Banken. 18 Prozent der Verträge dienen hingegen der Immobilienfinanzierung. Andere Ratenfinanzierungen, bei Versandhäusern oder Autohändlern beispielsweise, folgen mit 14 Prozent an dritter Stelle. Quelle: dpa
77 Prozent der Deutschen haben es schon einmal geschafft, einen Kredit zurückzuzahlen. Das klingt viel, allerdings gelingt dies längst nicht jedem: Jeder sechste Schuldner konnte seine Kredite ein- oder mehrmalig nicht zurückzahlen. In den USA und Russland liegt diese Rate deutlich höher (28 beziehungsweise 22 Prozent). Quelle: dpa
Laut der Studie gibt es fünf verschiedene Schuldnertypen: der Schuldenvermeider, der Sorglose, der Gelegenheitsschuldner, der Immobilienschuldner sowie der Schuldenjunkie. In Deutschland ist der Schuldenvermeider, der Schulden als belastend empfindet, am häufigsten vertreten (44 Prozent). Quelle: dpa
26 Prozent der Deutschen sind Immobilienschuldner. Sie fühlen sich besonders schlecht, wenn sie Schulden nicht zurückzahlen können. Noch seltener sind die Sorglosen anzutreffen. Der Sorglose hat keine Probleme damit, Schulden zu machen, und kann gut damit leben. Quelle: dpa
Im Vergleich zu Deutschland leben die meisten Sorglosen in den USA. Dort zählen 20 Prozent der Bevölkerung zu dieser Gruppe. Zu den Schuldenjunkies zählen immerhin noch 15 Prozent der US-Amerikaner. Trotzdem macht auch in den Vereinigten Staaten der Schuldenvermeider den Großteil der Schuldner aus (35 Prozent). Quelle: REUTERS
Mehr als jeder zweite US-Amerikaner (53 Prozent) muss Verpflichtungen von mehr als 750 US-Dollar pro Monat bedienen. Besonders häufig schließen Amerikaner Leasingverträge ab (29 Prozent), erst dahinter folgen der Ratenkredit bei der Bank (17 Prozent) und der Hauskauf (14 Prozent). In Russland sieht das etwas anders aus. Quelle: REUTERS
In Russland sind etwas mehr Menschen verschuldet als in Deutschland und den USA. Bei den meisten Befragten kommen die Verpflichtungen durch einen Ratenkredit bei der Bank (46 Prozent). Die Leasingverträge folgen mit weitem Abstand auf Platz zwei (zehn Prozent). Quelle: dpa
Für 71 Prozent der Russen sind Schulden emotional stark belastend. Interessanterweise wissen 15 Prozent der Befragten aber überhaupt nicht, wie hoch ihre Schulden liegen. Russland ist etwas toleranter, wenn es um Schönheitseingriffe geht. Während Schulden für die Operationen in Deutschland und den USA am wenigsten akzeptiert sind, finden die Russen das Ausgeben von Bargeld, Schmuckkäufe und Freizeitausgaben noch schlimmer als Schönheitseingriffe. Quelle: dpa

Null-Prozent-Kredite gibt es aber vor allem nur für das Geld, das man beim jeweiligen Händler ausgibt. Wer etwa eine neue Couch bei Höffner und eine neue Küche bei Schaffrath kauft, muss dann zwei Kreditverträge abschließen, zweimal die AGB und den Kreditvertrag genau prüfen, zweimal seine Bankdaten rausrücken und sich womöglich zweimal der anschließenden Reklameflut widmen. Aber das ist nur einer der Nachteile, die das Abstottern zum Nullzins mit sich bringt

Generell sind die Null-Prozent-Angebot der Händler eines: eine Werbeaktion. Die Kreditkosten übernimmt der Händler indem er auf seine Vermittlungsprovision verzichtet und noch etwas Geld für die Kreditbank oben drauf legt. Im Gegenzug gestaltet er seine Preise so, dass sich dieser finanzielle Mehraufwand lohnt. Die Kreditkosten bezahlen die Anbieter somit aus ihrem Werbeetat. Gleiches gilt im Prinzip auch für den Null-Prozent-Kredit des Kreditvermittlungsportals Smava.

Wo Verbraucher Kredite aufnehmen

Die Bank im Hintergrund profitiert dabei vom Volumengeschäft der Vermittler, durch das sich auch niedrige Zinseinnahmen rechnen, und das Vermittlerportal von den Kundendaten, die später eine passgenaue Direktwerbung ermöglichen und so Chancen auf Folgeverträge bieten. „Solche Kredite sind reine Werbung ohne Substanz“, meint Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung.

Null Prozent, aber nicht ohne Nachteile

Die Null-Prozent-Finanzierungen beim Händler haben – abgesehen von ihrer verführerischen Wirkung – für die Kunden auch ganz handfeste Nachteile. So sind die Konditionen wie etwa die Anzahl der Raten oft starr oder begrenzt, dem Kunden werden keine weiteren Preisnachlässe gewährt, so dass dessen Verhandlungsspielraum eingeschränkt ist.

Wofür Jugendliche Schulden aufnehmen
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Soll ich sparen? Quelle: dpa
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Je nach Kredithöhe und Art des Produkts – zum Beispiel bei Autos – kann der mögliche Rabatt sogar die Kreditkosten eines normal verzinsten Ratenkredits deutlich übersteigen, so dass der Verbraucher mit einem normal verzinsten Kredit sogar billiger wegkommt, weil er als Barzahler auftritt und den Preis runterhandeln kann.

Verlangt der Null-Zins-Kreditgeber darüber hinaus den Abschluss einer Restschuldversicherung oder zum Beispiel Kontoführungsgebühren, ist der Null-Zins-Kredit auch nicht mehr kostenlos. Darauf sollten sich Kreditkunden nicht einlassen. Vorsicht ist auch bei Krediten geboten, die am Ende der Zinsbindungsfrist noch nicht komplett getilgt sind.

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