Reformierter Anlegerschutz "Lobby-Kritik nicht nachvollziehbar"

Rechtsanwalt Robert Michels hält die Regulierung von Crowdinvesting-Offerten im neuen Kleinanlegerschutzgesetz für angemessen, warnt jedoch vor der Gefahr, dass betrügerische Angebote zunehmen.

Der Bundestag hat heute das Kleinanlegerschutzgesetz und damit auch eine Regulierung von Schwarmfinanzierungen beschlossen. Quelle: Fotolia

WirtschaftsWoche: Herr Michels, der Bundestag hat das Kleinanlegerschutzgesetz und damit auch eine Regulierung von Schwarmfinanzierungen, im Fachjargon Crowdinvesting genannt, beschlossen. Werden es Start-ups künftig schwerer haben an Geld zu kommen?

Robert Michels: Nein. Die Crowdinvesting-Lobby hat sich weitgehend mit ihren Forderungen durchgesetzt. So wurde der Betrag, ab dem für den Anbieter eine Prospektpflicht gilt, von einer auf 2,5 Millionen Euro raufgesetzt. Ich kann daher die Kritik aus der Branche nicht nachvollziehen und halte die neuen Spielregeln für angemessen.

Zur Person

Was bringt das Gesetz aus Anlegersicht?

Bisher spielte sich ein Großteil des Crowdinvesting im grauen Kapitalmarkt ab. Die meisten Anlageprodukte, mit denen für Crowdinvesting Geld eingesammelt wurde, waren sogar komplett unreguliert. Dazu gehören beispielsweise partiarische Darlehen, eine spezielle Form des Kredits, bei dem den Anlegern in der Regel eine erfolgsabhängige laufende Verzinsung und ein Bonuszins zum Ende des Darlehensvertrags zusteht.

Schützt das Gesetz vor Anlagebetrug?

Es verbessert den Anlegerschutz, aber es schließt Betrug nicht aus. Je erfolgreicher Crowdinvesting sein wird, desto mehr unseriöse Anbieter werden sich nach geeigneten Plattformen umschauen, um Geld einzusammeln. Auch die Pflicht, einen Prospekt veröffentlichen zu müssen, wird sie nicht davon abhalten. Das gilt allerdings nicht nur für Crowdinvesting.

Fragen & Antworten zum Kleinanlegerschutz

Wenn Anleger mehr als 1000 Euro anlegen, müssen sie nachweisen, dass sie über ein Vermögen von mindestens 100.000 Euro verfügen. Wer überprüft das?

Laut Gesetz ist eine Selbstauskunft der Anleger erforderlich, die die Plattform jedoch nur formal überprüfen muss. Übrigens gibt es für institutionelle Anleger, die sich beim Crowdinvesting beteiligen, kein Limit nach oben, was ich für sinnvoll halte. Ich gehe allerdings davon aus, dass es eher die Ausnahme sein wird, dass sich professionelle Anleger regelmäßig beteiligen werden.

Werden vom Gesetz alle Anlageprodukte, die bei Crowdinvesting eingesetzt werden, gleich behandelt?

Keineswegs und das ist die größte Schwäche des Gesetzes. Ein Beispiel: Wenn ein Anbieter mit Aktien Geld einsammelt, dann muss er schon ab einem Betrag von 100.000 Euro einen Prospekt veröffentlichen, genau wie bei allen Vermögensanlagen, die bereits vor dem Kleinanlegerschutzgesetz reguliert waren. Das ist also deutlich weniger als beispielsweise bei partiarischen Darlehen und damit eine klare Benachteiligung.

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Es gibt auch auf europäischer Ebene Pläne, Crowdinvesting zu regulieren. Was erwarten Sie?

Das, was bisher bekannt ist, deutet darauf hin, dass Crowdinvesting ähnlich stark reguliert werden könnte wie Wertpapiere. Wenn das tatsächlich umgesetzt würde, müsste sich die Crowdinvesting-Szene komplett umstellen. Kleine Projekte ließen sich wahrscheinlich kaum noch kostendeckend finanzieren. Da jedoch die Anlageprodukte von Land zu Land sehr unterschiedlich sind, kann es noch Jahre dauern, bis eine europäische Regelung in Kraft treten könnte, wenn es denn überhaupt gelingt.

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