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ARCHIV - 05.12.2011, Bayern, München: Hände wühlen in einer Kiste mit Zwei-Euromünzen «Neuschwanstein» im Bayerischen Hauptmünzamt. Das Geldvermögen der privaten Haushalte ist zum Jahresbeginn auf einen Rekordwert gestiegen. (zu dpa «Private Haushalte in Deutschland in der Summe so vermögend wie nie») Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa

Wohin mit dem Geld?

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Die Anlagewelt ist aus den Fugen. Klassisches Sparen lohnt nicht. Und es gibt immer weniger Alternativen – weil Regulierer ihre Fürsorge übertreiben.

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Die Sache scheint klar. Ein Kind kommt in die Schule, bekommt sein erstes Taschengeld und ein Sparbuch. Künftig hat es die Wahl. Eis und Cola jetzt oder das Fahrrad später. „Spare, lerne, leiste was – dann haste, kannste, biste was“, schrieb die Volksbank früher über das Sparbuch. Das klingt miefig, nach Sekundärtugenden, aus der Zeit gefallen. Aber auch wenn Sparen weniger cool wirkt, als Kohle locker rauszuhauen, so steckt darin doch Wahrheit.

„Je geduldiger die Menschen sind und je mehr sie sparen, desto mehr investieren sie in Sachkapital und Bildung – und umso produktiver und reicher sind sie“, sagt der Verhaltensökonom Armin Falk. Das gelte nicht nur für Einzelne, sondern auch für Völker.

Einem Kind demnächst klar zu machen, es solle sich in Sachen Konsum in Geduld üben, dafür müsse es auf sein Erspartes auch nur ganz wenig Strafzinsen zahlen, wird eine pädagogische Herausforderung.

Nicht weniger herausfordernd ist es, sein Geld anderswo anzulegen. Die Auswahl ist bescheiden. In Deutschland gehen nur noch wenig Unternehmen an die Börse, gleichzeitig nehmen Finanzinvestoren immer mehr Firmen vom öffentlichen Marktplatz herunter – weil sie ungestört Schulden draufpacken und Gewinne nicht mit Aktionären teilen wollen. Die Parfümeriekette Douglas und WMF sind nur die prominentesten deutschen Abgänge, demnächst könnten zum Beispiel Axel Springer und Osram verschwinden.

Den Rest besorgt dann übereifrige staatliche Regulierung. Politiker wollen Bürger über-fürsorglich vor Schaden bewahren. Und greifen daneben. So fällt neuerdings auf, dass Privatanleger viele Anleihen, gängige Schuldpapiere, für die es noch etwas Zins gibt, nicht mehr kaufen können.

Der Grund: Die Europäische Union hat verfügt, dass komplexere Wertpapiere ein Basisinformationsblatt haben müssen, das über Chancen und Risiken aufklärt. Unternehmen wie Apple, denen Investoren ohnehin das Geld nachwerfen, scheuen den bürokratischen Aufwand – und verzichten. Die Banken, die ohnehin lieber anderes verkaufen, sperren die Anleihen dann für Private. Am Ende, so scheint es, bleibt nur noch Gold – oder Bargeld.

Deutsche Versicherer denken schon laut darüber nach, sich ein paar Milliarden Cash in die Tresore zu packen. Viele Privatanleger dürften es ihnen nachmachen. Bis die fürsorglichen Staaten dann auch noch das Bargeld abschaffen. Weil es so unhygienisch ist – und unkontrollierbar.

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