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Geldanlage: Zu viel unverkäufliches Zeug Quelle: imago

Zu viel unverkäufliches Zeug in der Geldanlage

Hauke Reimer
Hauke Reimer Stellvertretender Chefredakteur WirtschaftsWoche

Fonds, Versicherungen und Pensionskassen kaufen immer mehr Anlagen, die schwer handelbar sind. In der nächsten Krise wird sich das rächen.

Es herrscht Anlagenotstand. Notenbanken haben die Welt mit Geld geflutet. Profis wissen nicht, wohin damit. Klassische Anleihen bringen zu wenig, deshalb kaufen Versicherer Schuldscheine oder vergeben Kredite gleich selbst – für eine Handvoll Renditepünktchen mehr. Pensionskassen stecken Altersvorsorgegeld in Hedgefonds, Windparks, Autobahnen – alles riskant und schwer verkäuflich.

Der Fondsgigant Blackrock findet zu wenig Aktien und investiert deshalb in Private-Equity-Fonds, die Unternehmen komplett kaufen. Diese Investments haben eins gemeinsam: Sie können nicht sofort zu Geld gemacht werden. Billionen Euro stecken auf Jahre fest.

Und das ist das Problem. Damit ein Markt gut funktioniert, sind zwei Punkte wichtig: Liquidität und Transparenz. Es muss viele Marktteilnehmer mit Geld geben, die handeln können. Und jeder muss annähernd wissen, was ein Papier wert ist. An regulierten Börsen gibt es beides.

Vor der großen Finanzkrise 2008 aber waren viele Papiere weder liquide noch transparent. Niemand wusste, was in den Papieren drinsteckte, die US-Investmentbanker konstruiert und dem „stupid german money“ angedreht hatten. Lange ging das gut. Die Papiere warfen schöne Zinsen ab. Kursverluste gab es nicht. Wie auch, es existierten ja keine Börsenkurse.
Im Lehman-Crash, als Geld knapp wurde und das Vertrauen im Markt erodierte, fanden die deutschen Banken für die Papiere dann keine Käufer – der intransparente Schrott wurde final illiquide. Die Banken mussten vom Steuerzahler gerettet werden, ihre Papiere wanderten in Bad Banks.

Scharen von Experten versuchen seither, was an der Börse jede Sekunde passiert: den Wert der Papiere zu bestimmen. Längst nicht alles, was unverkäuflich war, ist wertlos. Bloß hat dies 2008 keiner gesehen. Es gab ja keine transparenten Preise.

Das Gleiche gilt heute für die Beteiligungen und exotischen Kreditpapiere, die Altersvorsorge-Profis so gerne kaufen. Wenig Transparenz, null Liquidität.
Betrüger werben ängstliche Käufer gern mit dem Argument, ein Papier sei nicht an der Börse, „deshalb drohen keine Kursverluste“. Das ist Dummenfang. Natürlich verlieren Beteiligungen auch dann an Wert, wenn Anleger nicht dauernd einen Preis sehen. Mehr Rendite ist Schmerzensgeld dafür, dass ein Papier nicht schnell verkauft werden kann.
Profis, die Milliarden managen, sollten sich ihren Job nicht zu leicht machen – und sich aus dieser Falle befreien.

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