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Renditeperlen für Zocker Heuschrecken entern Griechenland

Die ersten Hedgefonds wittern ihre Chance am griechischen Markt und wollen von den niedrigen Preisen für Aktien und Anleihen profitieren. Warum solche Investments nur für Anleger mit Zockermentalität geeignet sind.

Anleger wittern ihre Chancen bei griechischen Aktien und Anleihen - Doch beim Investment in die Pleite-Hedgefonds gilt es, Vorsicht walten zu lassen Quelle: dpa

Risikobewusstsein ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Während der durchschnittliche Investor zurzeit einen großen Bogen um Griechenland macht, wittern die ersten Hedgefonds ausgerechnet in dem südeuropäischen Pleitestaat ihre Chance auf hohe Gewinne.

Denn die Preise für griechische Aktien und Anleihen sind am Boden. Allein innerhalb der letzten drei Jahre hat der Athener Aktienindex Athex rund 75 Prozent seines Wertes verloren. Griechen-Bonds haben schon seit langem von den Ratingagenturen den Ramsch-Status verpasst bekommen, dementsprechend niedrig ist ihr Preis. Zuletzt drehten sich allerdings die Kurse, Preise kletterten in lange vergessene Höhen.

Denn Hedgefonds wie Dromeus Capital wollen diesen Discount-Status ausnutzen. Wie die „Financial Times“ vor kurzem berichtete, gründeten die auf Investments in Emerging Markets spezialisierten Spekulanten einen extra Fonds, mit dem in griechische Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen investiert werden soll.

Ideales Umfeld

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Achilles Risvas, Chef des Fonds, sprach von einem “idealen Umfeld” für Schnäppchenjäger. Nektarios Papagiannakopoulos, leitender Analyst bei Dromeus Capital, ist in seinem Urteil noch deutlicher: Für ihn sind griechische Aktien derzeit einfach zu preiswert, um sie zu ignorieren. “Die griechischen Kapitalmärkte bieten mit ihren Bewertungen hervorragende Risiko-Gewinn-Gelegenheiten”, sagte Papagiannakopoulos der Nachrichtenagentur Bloomberg. Insgesamt 200 Millionen Euro wollen die Macher des von Athen und Genf aus gesteuerten Fonds von ihrem Kunden einsammeln.

Immerhin räumt Fonds-Chef Risvas selber ein, dass die Gewinnchancen eigentlich nur bestehen, solange Griechenland in der Eurozone verbleiben darf. Dann könne sich das eingesetzte Kapital demnach verdoppeln. Bei einem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion müsse allerdings mit einem Verlust von bis zu 50 Prozent gerechnet werden.

Dennoch: Nicht nur Griechenland lockt Investoren an, auch in andere Krisenstaaten der Eurozone kehren Geldgeber und Renditejäger zurück. Die US-Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments mit ihrem bekannten Fondsmanager Michael Hasenstab kaufte zuletzt große Bestände an irischen Staatsanleihen, allein im dritten Quartal soll das Portfolio von Franklin Templeton auf Irland-Bonds in Wert von mindestens 8,4 Milliarden Euro aufgestockt worden sein.

Griechenland und Co. profitieren dabei von der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), im Ernstfall uneingeschränkt Staatsanleihen eines Euro-Staates kaufen zu wollen. Das gibt den Investoren die Sicherheit, dass die Länder nicht über Nacht aus der Währungsunion ausscheiden werden und bringt die Krisenstaaten zurück an die Finanzmärkte.

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