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Repression Wo Sparer noch sparen können

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Ein Kind der Siebziger

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

Die Banken etwa haben in den vergangenen Monaten ihr Angebot bei Tagesgeld deutlich reduziert und gehen mit Lock-Aktionenwesentlich sparsamer um. Auch mit Festgeld lässt sich nur mit Mühe die Inflation von derzeit gut zwei Prozent (Jahresrate) ausgleichen. Bei Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sieht es noch gruseliger aus – ihre Rendite liegt, rechnet man die Inflation heraus, sogar unter null.


Die Politik der niedrigen Zinsen hat ihre Ursache in der Bankenkrise: Um die Finanzinstitute zu retten, mussten sich einige Staaten über Gebühr verschulden. Nun versuchen sie seit einigen Jahren ihre Finanzierungskosten nach unten zu schrauben. Sie senken den Zinssatz, was sie über massive Käufe von Staatsanleihen durch ihre Notenbanken erreichen. Einen ähnlichen Effekt könnten sie zwar auch damit erzielen, dass sie einfach die Ausgaben in bestimmten Bereichen senken oder die Steuern erhöhen. Gerade Letzteres birgt aber eine Gefahr: Es dürfte den Bürgern weniger gefallen – bei der nächsten Wahl könnten die Politiker die Quittung bekommen. Und so drehen die Staaten lieber klammheimlich an der Zinsschraube. Eine solches Vorgehen hat sogar einen Namen: finanzielle Repression – ein Terminus, der aus dem Anfang der Siebzigerjahre stammt und den Wirtschaftswissenschaftlern McKinnon und Shaw zugeschrieben wird.

Sparer werden enteignet

Für diejenigen, die gerne etwas Geld auf der hohen Kante haben und dieses auch vorzugsweise vermehren, schafft diese finanzielle Unterdrückung ein katastrophales Umfeld. Die „Welt“ hat jüngst errechnet, dass deutsche Sparer bereits jetzt pro Kopf 3125 Euro für die Bankenkrise haben bezahlen müssen. In der Rechnung wird die durchschnittliche inflationsbereinigte Rendite deutscher Sparer der Jahre seit 2007 (1,1 Prozent) derjenigen der vergangenen vier Jahrzehnte (3,4 Prozent) gegenübergestellt. Diese Differenz macht bei einem durchschnittlichen Betrag von 27.000 Euro, den statistisch jeder Deutsche auf Tagesgeldkonto oder Sparbuch packt, besagte 3125 Euro aus. Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund in den vergangenen Wochen im Zusammenhang mit finanzieller Repression die Begriffe „Enteignung“ und „Zinsraub“ die Runde machten.


Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, erkennt allerdings die Notwendigkeit dieser Maßnahmen der Notenbanken: „Finanzielle Repression wird zunehmend wichtiger, um den Staat finanziell handlungsfähig zu halten“, sagt Halver im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Er glaubt in diesem Zusammenhang auch an eine Fortsetzung: „Ich bezeichne die finanzielle Repression als 3-Phasen-Reiniger. In der ersten Phase werden die Zinsen künstlich niedrig gehalten, in der zweiten Phase wird die Inflation geschürt und in der dritten Phase – wenn sich keine Entspannung der Staatsschuldenkrise eingestellt hat – werden die institutionellen Anleger durch regulatorische Auflagen angehalten, Staatspapiere zu kaufen. Schauen Sie sich doch heute schon Pensionskassen und Rentenversicherungen an – sie sind gefüllt mit Staatsanleihen, Staatsanleihen und Staatsanleihen“, so Halver.

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