Reserven werden aufgelöst Goldmarkt reagiert nervös auf Zyperns Verkäufe

Zypern muss als Teil des Rettungsabkommens auch den größten Teil seiner Goldreserven verkaufen. Die Nachricht führte zu einem Preisverfall an den Märkten. Anleger fürchten ein Überangebot.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Zypern und seine internationalen Kreditgeber schicken den Goldpreis auf Talfahrt: Nachdem am Mittwoch bekannt wurde, dass Zypern als Teil der Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern den größten Teil seiner Goldreserven verkaufen muss, ging der Kurs in den Keller. Aus dem abschließenden Text des Rettungsabkommens geht hervor, dass Zypern Goldbestände im Wert von 400 Millionen Euro verkaufen soll. Am Mittwoch verzeichnete der Goldpreis auf Tagesbasis den größten Verlust seit fast zwei Monaten. Das Edelmetall verlor 1,7 Prozent an Wert und lag damit nahe eines Zehnmonatstiefs.

Die Feinunze verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 1577,50 Dollar. Händler begründeten die starken Verluste mit der Furcht von Anlegern, dass auch andere von der Schuldenkrise besonders betroffene Staaten wie Griechenland oder Portugal zu Verkäufen von Goldreserven gezwungen werden könnten, was zu einem großen Angebot auf den Märkten führen würde.

Die zyprische Gold-Vereinbarung markiert den ersten größeren Goldverkauf eines Eurozonen-Staates seit Frankreich 2009 rund 17,4 Tonnen des Edelmetalls abgestoßen hatte. Zu aktuellen Preisen entspräche ein Wert von 400 Millionen Euro mehr als 10 Tonnen des Metalls.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Die schlechte Stimmung hing Händlern zufolge auch mit der erneuten Senkung der Goldpreisprognose durch die Analysten von Goldman Sachs zusammen. Sie rechnen nun zum Jahresende mit einem Preis von 1545 Dollar je Feinunze. Erst Ende Februar hatten sie ihre Prognose auf 1610 Dollar von 1810 Dollar gesenkt. Für Ende 2014 rechnen die Analysten nun mit einem Preis von 1350 Dollar nach zuletzt 1490 Dollar.

Die Überzeugung, Gold zu halten, schwinde zusehends, erklärten die Analysten. Dies sei vor dem Hintergrund der wieder aufgeflammten Schuldenkrise in der Euro-Zone und den enttäuschenden US-Konjunkturdaten der jüngsten Zeit umso erstaunlicher. Einen starken Preisverfall halten sie aber nicht für sehr wahrscheinlich. Seit Monaten sinken die ETF-Bestände. Per Dienstagabend wies der weltgrößte ETF-Fonds SPDR Gold Trust einen erneuten Abfluss von fast fünf Tonnen Gold aus. Damit haben sich die Bestände des SPDR seit Jahresbeginn um mehr als 150 Tonnen verringert.

Der Edelmetallausblick 2013 der Commerzbank

Auch die Preise für Silber, Platin und Palladium gaben nach. Vor allem Palladium, das beim Autobau für die Herstellung von Katalysatoren benötigt wird, geriet unter die Räder. Eine Feinunze verbilligte sich um bis zu 2,84 Prozent auf 702,97 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit Mitte Januar nicht mehr. Händler machten dafür vor allem charttechnische Faktoren verantwortlich. Viele Anleger hätten im Unterschreiten der 707-Dollar-Marke ein Verkaufssignal gesehen, erklärte ein Händler in London.

Am Donnerstag beruhigte sich der Goldmarkt wieder, und der Preisverfall ist erst einmal gestoppt: Das Edelmetall kostete mit 1557 Dollar je Feinunze am Donnerstag so viel wie im Schlussgeschäft vom Vortag. Die zunehmenden Spannungen zwischen Nordkorea und den USA und die Unsicherheit über die weitere Geldpolitik der Fed bremsten den Preissturz bei dem gern als sicheren Hafen gefragten Edelmetall, sagten Händler.

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