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Rezension Cosmopolis Panoptikum des Verfalls

Robert Pattinson Quelle: PR

Nur wenige Romanciers verdienen das Attribut ‚visionär’. Der amerikanische Autor Don De Lillo ist einer davon. 2003 erschien „Cosmopolis“, die parabelhafte Odyssee eines Vermögensverwalters, der in einer Stretch-Limousine durch ein apokalyptisches New York fährt, dessen Chaos er zunächst aus sicherer Distanz wahrnimmt, um dann doch langsam darin unterzugehen.

Handlung aus Einzelepisoden

Doch literarische Visionen eignen sich nicht zwangsläufig für die Umsetzung in cineastische Bilder. Zumindest versuchte sich der Kanadier David Cronenberg an der Filmversion. Ein ausgewiesener Experte, alptraumhafte Szenarien in einer ganzen Vielfalt von Genres und Stilrichtungen einzufangen - von „Die Fliege“ bis „Tödliche Versprechen“. Doch auch wenn er den surrealen Ton seiner Vorlage vermittelt, deren Struktur und Dramaturgie eignen sich nur bedingt für den Spannungsbogen eines Kinostücks.

Die besten Streifen über Wirtschaft und Geld
"The Wolf of Wall Street"Auf den letzten Drücker bringt Martin Scorsese nach Weihnachten daher noch den Wall-Street-Thriller „The Wolf of Wall Street“ in die Kinos. Am 16. Januar läuft das dreistündige Epos über Betrug, Geiz und Exzesse an der Wall Street an. Leonardo DiCaprio spielt den US-Börsenmakler Jordan Belfort, der wegen illegaler Finanzgeschäfte in den 90er Jahren fast zwei Jahre hinter Gittern verbrachte. Der Film reiht sich ein in eine lange Historie von Filmen über Gier und Geld... Quelle: Screenshot
Trading Places (dt. Glücksritter, 1983)An der Börse in Chicago gehen zwei ultrareiche Broker eine Wette ein: Ein reicher Händler aus gutem Hause soll zu einem armen Obdachlosen verwandelt werden, und ein armer Obdachloser in einen reichen Händler. Der Wetteinsatz: ein Dollar. Die zwei Opfer rächen sich. Das reiche Opfer sagt Sätze wie: “Denke immer groß, denke positive, zeige nie ein Zeichen von Schwäche. Gehe immer an die Gurgel. Kauf billig, und verkaufe teuer. Angst? Das ist das Problem der Anderen!” Eddie Murphy, Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis machen diesen Streifen zu einem perfekten 80er-Jahre-Abend.
Die Oceans Trilogie (2001-2007)Kasinos ausrauben macht Spaß. Dabei auch noch eine gute Figur machen – das hat der Regisseur Steven Soderbergh mit seiner glänzenden Trilogie immer wieder aufs Neue inszeniert. Das Publikum bedankte sich artig bei ihm und füllte die Kinos und die Kasse von Soderbergh, der damit seine Independent-Filme drehte.
21 (2008)Etwas ernster geht es in diesem Film zu: Studenten vom Massachusetts Institute of Technology wenden mathematische Strategien an, mit denen sie mit Blackjack in Kasinos weltweit ganze Millionengewinne einheimsen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Quelle: PR
Ri$iko - Der schnellste Weg zum Reichtum (2000)Ben Affleck spielt hier Jim Young, der direkt nach der Uni bei einem Börsenbroker anheuert. Gewissenhaft und schnell arbeitet sich Young ein. Bald beherrscht er die Kunst des Verkaufens so gut, dass er aufpassen muss, nicht auch seine Mutter zu verkaufen. Quelle: PR
Casino (1995)„Ein Kasino zu betreiben, ist wie ein Banküberfall, aber ohne das die Bullerei anrückt. Las Vegas wäscht mich von meinen Sünden frei. Es ist wie eine Moral-Waschanlage“ sagt Ace Rothstein (Robert de Niro). Er und Nicky Santoro (unvergesslich: Joe Pesci) sitzen am Ruder des Tangiers, ein fiktives Kasino in Las Vegas. Beide kommen aus der Mafia-Unterwelt, Rothstein macht Wetten, Santoro kümmert sich um das schmutzige Geschäft. Beide kennen sich in ihrem Metier wie keine Zweiten aus. Erzählt wird: Aufstieg und Fall einer skrupellosen Mafiatruppe, die in Las Vegas einfällt, um im Kasino-Geschäft Fuß zu fassen. Nur in wenigen Streifen kann man so gut verfolgen, was Geld bedeutet und was Geld mit den Menschen anstellt. Die Szenen in „Casino“ sind garniert mit Sätzen wie: „Es hätte alles perfekt sein können. Ace hatte mich, Nicky Santoro, der auf seinen Arsch aufgepasst hat. Er hielt Ginger, die Frau, die er liebte, in seinen Armen. Am Ende haben wir es alle verschissen.“ Es ist vielleicht der beste Film von Martin Scorsese. Viele kritisieren den Regisseur dafür, er hätte mit diesem Film gleich den Vorgänger „Goodfellas“ nochmal gedreht. Auch wenn der Vorwurf stimmen sollte: Es gibt nur wenige Filmemacher, denen solche eine Chuzpe gelingt. Quelle: Screenshot
Der große Crash - Margin Call (2011)Ein Risikomanager wird aus einer großen Bank gefeuert. Sein vermeintliches Vergehen: Er hat herausgefunden, dass die Aktienpapiere nichts wert sind und dass die Bank sofort Pleite gehen könnte, wenn es geringe Marktbewegungen geben könnte. In 24 Stunden muss die Bank gerettet werden. Ein sehr gut besetzter Film (Kevin Spacey, Demi Moore,..), der den Beginn der Finanzkrise am besten seziert. Quelle: PR

Die Handlung besteht aus Einzelepisoden – Business-Meetings, erotische Eskapaden, ärztliche Untersuchungen – die sich weitgehend in den vier Wänden der Limousine abspielen. Das macht „Cosmopolis“ zum theaterhaften Kammerspiel samt absurd stilisierten Monologen und Dialogen, nicht aber zu einer filmischen Tour de Force. Immerhin ist dieses Panoptikum des Verfalls kunstsicher inszeniert, und Cronenberg holte sich dafür auch brillante Charakterdarsteller, insbesondere Juliette Binoche, Paul Giamatti und Samantha Morton.

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Gespaltene Reaktionen

Für die Hauptfigur ging er das Wagnis ein, das Teenageridol Robert Pattinson zu engagieren, der indes unter seiner Regie die ideale Kombination aus Blasiertheit, Charme und Affektleere vermittelt. In der Gesamtheit ergibt dies strenge Kinokunst, die eher intellektuelle Faszination denn emotionale Resonanz hervorruft. Das erklärt auch die gespaltenen Reaktionen bei der Filmkritik, die von begeisterter Zustimmung bis entnervter Ablehnung reichen.

Ist „Cosmopolis“ zumindest eine Geschichte, in der sich Geist und Stimmung der Zeit verdichten wie im „Wall Street“ der 80er? Wenn ja, dann fängt er nur den Nachhall aller Exzesse der letzten Jahre ein. Was bleibt, ist blanke, benommene Ratlosigkeit.

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