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Richtig investieren Wohin mit dem Geld?

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Die Zinsen bleiben unten

Eins vorweg: Einfacher wird es nicht werden. Um in der Finanzkrise seit 2008 eine Depression mit Banken- und Staatspleiten zu verhindern, haben die Notenbanken die Märkte mit Geld geflutet und die Zinsen auf nahe null gesenkt. „Damit haben sie damals Schlimmeres verhindert, doch nun haben wir die Folgen dieser Geldpolitik zu tragen“, sagt Daniel Stelter, Ex-Berater bei Boston Consulting und Gründer des Krisen-Thinktanks BTO.

„Tagesgeld und Lebensversicherungen werden durch die unter der Inflationsrate liegenden Zinsen entwertet, und für Aktien und Immobilien müssen Anleger so hohe Preise bezahlen, dass die Renditeaussichten auf Jahre mau sind.“ Denn die Geschäftsbanken nutzten das Notenbankgeld weniger, um damit Kredite an Start-ups oder Mittelständler zu vergeben.

Sie verliehen es weit großzügiger an Großinvestoren wie Hedgefonds. Die kauften davon Anleihen, Aktien, Immobilien. Folge: Alles ist teuer. Privatanleger, die nicht früh mit auf den Trend sprangen, haben das Nachsehen.

Dass die Zinsen bald wieder substanziell steigen, ist sehr unwahrscheinlich. Schuld daran sind die noch immer viel zu hohen Schulden der Staaten; sie wurden seit Beginn der Krise keineswegs abgebaut. Würden die Zentralbanken jetzt die Zinsen erhöhen, riskierten sie einen Rückfall in schlimmste Krisenzeiten.

„Die derzeitige Ruhe trügt; die Schulden können nach wie vor nicht auf normalem Wege zurückgezahlt werden“, sagt Schäfer. Der anormale Weg wären galoppierende Inflation oder ein Schuldenschnitt, die Zinspapiere entwerten.

Nur keine Panik

Viele fallen nun von einem Extrem ins andere: „Im Moment fließt viel in Immobilien“, weiß Uwe Wiesner vom Vermögensmanager Hansen & Heinrich, „die Risiken blenden viele komplett aus.“ Dort, wo Menschen Wohnraum weiter nachfragen, sind die Preise oben: In München etwa kletterten sie seit 2008 um 56 Prozent. Zinshäuser in guten Lagen kosten 25 Netto-Jahreskaltmieten – zu viel.

Ein anderer Vermögensverwalter berichtet von einem Kunden, Abteilungsleiter bei einem Dax-Konzern, der aus einem Depot von 500.000 Euro 100.000 machte, weil er 2012 fast alles in Gold und Goldminenaktien investierte – in der festen Überzeugung, der Euro gehe kaputt, und nur Gold rette Vermögen.

Mehr Schub fürs Depot

Besser als solche Hauruck-Umschichtungen ist es, das Depot zu streuen und regelmäßig an die für die einzelnen Anlageklassen festgelegten Quoten anzupassen. Den Kern sollten Aktien, Anleihen, Cash und Gold bilden. Sie sind schnell verfügbar, ihre Preise sind transparent, und Gebühren halten sich im Rahmen.

Akzeptable Renditen sind ohne Aktien kaum zu schaffen. „Nur die Privatwirtschaft geht genügend unternehmerische Risiken ein, um Renditen zu erzielen, die auf Dauer über der Inflation liegen“, sagt der Finanzmarktforscher Andreas Beck.

Der Aktienanteil am langfristig angelegten Depot sollte mindestens 30 Prozent betragen. Schwankungen müssen Anleger in Kauf nehmen. Aktuell liegt die Befürchtung nahe, dass der Dax schon zu weit gelaufen sein könnte. Mehr als 9100 Punkte scheinen angesichts von eskalierenden Krisen in aller Welt, rekordhoher Verschuldung der Staaten und schwächelnder Konjunktur ambitioniert, vor allem, weil die meisten Unternehmen zuletzt kein Gewinnwachstum mehr erzielt haben und die Kurse ihrer Aktien nur dank des renditesuchenden Anlegergeldes weiter stiegen.

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