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Richtig investieren Wohin mit dem Geld?

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Langer Atem zahlt sich aus

„Aktien sind nicht mehr billig, aber ihr Preis muss relativ zu den anderen Anlageklassen gesehen werden“, sagt Maik Bolsmann, Co-Chef des Kölner Geldmanagers B&K Vermögen. Berechnet man – analog zur häufigsten Preisfindungsgröße für Aktien, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – das Preis-Gewinn-Verhältnis von Anleihen oder Immobilien, sind Aktien immer noch günstig. Das KGV der 30 Konzerne im Dax liegt aktuell bei 13,7, über dem langjährigen Durchschnitt von 11,5.

Wie die Deutschen ihr Geld investieren

Ein Sechs-Parteien-Mietshaus in guter Lage Hamburgs kostet gut drei Millionen Euro und wirft jährlich Mieteinnahmen von knapp 97.000 Euro netto ab, Nebenkosten abgezogen. Damit hat es ein Preis-Gewinn-Verhältnis von 32. Und deutsche Staatsanleihen mittlerer Laufzeit bringen 0,2 Prozent Rendite, ihr KGV beträgt mehr als 500.

Die Crash-Gefahr lässt sich minimieren: Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlstarts wird kleiner, je länger man investiert. Seit 1949 endeten laut Wirtschaftsprofessor Max Otte nur 16 von 64 Börsenjahren in Deutschland mit Verlust.

Wer fünf Jahre durchhielt, konnte mit Pech seit 1949 neun Mal mit Verlust aus der Börse gehen, dem stehen 50 Perioden gegenüber, nach denen Anleger ihre Aktien mit Gewinn verkauft hätten. Bei zehn Jahren Haltedauer sind es nur noch drei Verlustphasen, bei 15 Jahren gab es keine Anlageperiode mehr mit einem negativem Ergebnis. Selbst wer kurz vor dem Jahrtausendcrash in Aktien gegangen wäre, läge heute wieder im Plus.

Anleihenkurse laufen oft umgekehrt zu denen von Aktien, sodass Kursgewinne einen Teil der Aktienverluste ausgleichen. Wichtiger noch ist ihre Pufferfunktion: So hätte ein Depot aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent kurz laufenden Anleihen sicherer Schuldner auch im Jahrtausendcrash von 2000 bis 2002 schlimmstenfalls ein Drittel an Wert verloren; ein reines Aktiendepot bis zu 75 Prozent.

Anleihen werden oft falsch eingesetzt: Ihre primäre Aufgabe ist es nicht, den Rendite-Kick fürs Portfolio zu liefern, sondern Verluste zu begrenzen. „Viele Anleger verlieren, je länger das Niedrigzinsumfeld anhält, den Sinn für den Zusammenhang von Chancen und Risiken; sie kaufen riskante Papiere, etwa von Mittelständlern mit nur einem Produkt, nur weil die zwei Prozentpünktchen mehr Rendite bieten als die Papiere seriöser Schuldner“, sagt Portfoliomanager Wiesner.

Wie ein Vermögen von 50 000 Euro angelegt werden sollte

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese ausfallen, ist aber unkalkulierbar höher als bei Anleihen seriöser Schuldner. „Privatanleger sollten den Fokus auf die Bonität des Schuldners legen und nicht auf die – derzeit ohnehin schwache – Rendite“, so Wiesner.

Gute Schuldner erkennen Anleger an den Noten der Ratingagenturen und am Kurs: Normalerweise werden Anleihen zum Ende ihrer Laufzeit zu 100 Prozent ihres Ausgabepreises zurückgezahlt. Viele Anleihen sind derzeit teurer, was die jährliche Rendite (Verzinsung/Kurs) drückt.

Sind Anleihen trotzdem weit unter 100 Prozent zu haben, signalisiert das sehr hohes Risiko. „Wo viel Rendite ist, ist auch viel Risiko, jeder, der Anlegern etwas anderes erzählt, der lügt“, sagt Schäfer.

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