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Ripple (XRP) Dienstleister der Wall Street: Was taugt ein Ripple-Investment?

Vor allem Banken und Finanzdienstleister nutzen das Ripple-Netzwerk. Quelle: REUTERS

Die Finanzindustrie arbeitet seit Jahren mit Ripple. XRP ist quasi die Kryptowährung des Establishments. Doch lohnt sich auch ein Einstieg für Anleger?

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Als Satoshi Nakamoto, der geheimnisumwobene Erfinder des Bitcoins, die Kryptowährung vor etwa zehn Jahren ins Leben rief, wollte er ein Geldsystem fernab von staatlicher Kontrolle und der mächtigen Finanzindustrie initiieren. Doch mit Ripple stieg eine Kryptowährung in die Top 10 der Digitaldevisen auf, die ausgerechnet mit der Finanzbranche paktiert.

Mit einer Marktkapitalisierung von 53 Milliarden Dollar rangiert der Ripple-Coin aktuell auf dem sechsten Platz der größten Kryptowährungen. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung beim Bitcoin, der bekanntesten und größten Kryptowährung, beläuft sich auf über eine Billion Dollar. Der Ripple-Kurs notiert aktuell bei etwa 1,14 Dollar (Stand: 14. Oktober 2021). Lohnt sich ein Investment? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Prognose, Chancen & Vorteile - was taugt Ripple (XRP)?

Was ist Ripple (XRP)?

Ripple selbst ist keine Kryptowährung, sondern ein Unternehmen. Ripple verkauft Softwarelösungen, zum Beispiel an Banken, mit denen sich Geld transferieren lässt. Die Digitalwährung selbst heißt XRP. Die Transaktionen werden auf der XRP-Blockchain gespeichert, mit der sich weltweit Zahlungen abwickeln und Währungen tauschen lassen. Ripple übernimmt dabei die Rolle eines Mittelsmanns zwischen zwei Parteien. Vor allem Banken und Finanzdienstleister nutzen Ripple. Das Netzwerk wurde 2012 gegründet.

Wer steckt hinter Ripple?

Ursprünglich wurde das Ripple-Konzept im Jahre 2004 von Ryan Fugger gegründet. Er wollte damit ein dezentralisiertes Geldsystem schaffen, indem eigenes Geld kreiert werden kann, und gründete die Plattform RipplePay.com. Chris Larsen und Jed McCaleb arbeiteten in dieser Zeit an einer Plattform für digitale Währungen. Sie wurden auf RipplePay aufmerksam und schlugen Fugger eine Kooperation vor. 2012 wurde dann das Unternehmen OpenCoin gegründet, welches 2015 in Ripple Labs umbenannt wurde. Der Programmierer McCaleb war bis 2013 im Unternehmen, schied dann jedoch aus nach großen Streitigkeiten. Er erhielt weit über 400 Millionen XRP als Entschädigung, die er nach und nach verkauft. Mittlerweile erschuf er seine eigene Kryptowährung „Stellar“, die ebenfalls unter den 25 größten Kryptowährungen liegt. 
Chris Larsen blieb deutlich länger im Unternehmen und war einige Jahre als CEO tätig. Zudem beteiligte er sich an der Gründung des Finanzdienstleisters E-Loan oder der Online-Plattform Prosper Marketplace. Larsen hat ein Vermögen in Milliardenhöhe und war im Jahr 2018 sogar reicher als Mark Zuckerberg.
Der aktuelle CEO von Ripple Labs ist der 46-jährige Brad Garlinghouse. Vor seinem Eintritt bei Ripple Labs im Jahr 2015 war er bei Unternehmen wie Yahoo!, AOL und Hightail tätig. Auch Garlinghouse hat, aufgrund seiner Firmenanteile, ein Vermögen in Milliardenhöhe.

Welche Vorteile hat Ripple (XRP) gegenüber dem Bitcoin?

Einer der größten Vorteile von Ripple ist die schnelle Abwicklung. Transaktionen über das Netzwerk können innerhalb weniger Sekunden durchgeführt werden. Herkömmliche Banküberweisungen, gerade über Ländergrenzen hinweg, können einige Tage in Anspruch nehmen.

Überweisungen mit Ripple sind schneller als Bitcoin-Transaktionen. Dort kann es einige Minuten – je nach Nachfrage auch mal mehrere Stunden – dauern, bis die Transaktion abgeschlossen ist. Das Ripple-Netzwerk eignet sich nicht nur für Transaktionen mit dem XRP-Token, sondern kann auch für Fiatwährungen wie Dollar oder Euro, andere Kryptowährungen und Rohstoffe verwendet werden.

Außerdem sind die Gebühren bei Ripple sehr niedrig. Eine Transaktion kostet bloß den Bruchteil eines Cents, nämlich 0,00001 Dollar. Weil Transaktionen schnell durchgeführt werden und günstig sind, nutzen immer mehr Banken das Ripple-Netzwerk – Santander und UniCredit zum Beispiel. Für sie fungiert Ripple quasi als Wechselstube, um global Überweisungen zu tätigen. Manch Krypto-Fan der ersten Stunde dürfte mit der Verbandelung zwischen Ripple und der Finanzindustrie fremdeln. Doch dieser konkrete Anwendungsbereich bietet aus Anlegersicht Wachstumsmöglichkeiten – und damit Hoffnung auf Kurssteigerungen.

Welche Nachteile hat Ripple (XRP) gegenüber dem Bitcoin?

Die größte Gefahr für Ripple: die US-Börsenaufsicht. Die SEC hat gegen Ripple im Dezember 2020 Klage eingereicht. Die Finanzaufseher wenden ein, dass das Unternehmen den Token XRP als Wertpapier hätte registrieren müssen. Bis die Angelegenheit geklärt ist, besteht für Investoren und Finanzdienstleister Ungewissheit.

Ist XRP dezentral?

Die Szene diskutiert schon seit langem, ob die Kryptowährung von Ripple nun zentral oder dezentral ist. Kritiker werfen den Ripple-Entwicklern vor, großen Einfluss auf das Netzwerk zu haben und somit zentral organisiert zu sein. Anders als der Bitcoin beruht XRP nicht auf einem Peer-to-Peer Netzwerk, sondern auf dem Unternehmen Ripple. Das Unternehmen selbst betrachtet das System aber als dezentral. Ripple trage zwar zum Netzwerk bei, habe aber die gleichen Rechte wie andere Teilnehmer. Es gibt 150 Validierer im Netzwerk, die die Transaktionen überprüfen und so einen Konsensmechanismus herstellen. 35 Validierer – sogenannte Prüfer – sind Teil der sogenannten Unique Node List, in der vertrauenswürdige und verifizierte Validierer enthalten sind. In der Regel werden diese Validierungsserver etwa von einzelnen Nutzern oder von Banken betrieben. Sechs der Server betreibt Ripple selber. Eine Transaktion wird verarbeitet, wenn mindestens 80 Prozent des Netzwerks diese genehmigt haben.

An welchen Börsen ist Ripple (XRP) handelbar?

Ripple-Anlegern stehen einige Wege offen, um in die Kryptowährung zu investieren. Über die Handelsplätze Binance, Bison, BSDEX, Justtrade und Etoro zum Beispiel können Anleger die Kryptowährung kaufen. Einige Kryptobörsen haben allerdings Ripple aus ihrem Angebot entfernt. Coinbase und Kraken – zwei der größten Handelsplätze – haben den Handel vorübergehend ausgesetzt. Hintergrund ist die laufende Klage der SEC gegen Ripple.

Wie funktioniert das Ripple-Mining?

Anders als Bitcoin oder Ethereum entstehen Ripple-Token nicht durch Mining-Prozesse. Die Transaktionen werden von Mitgliedern des Netzwerkes bestätigt. Während beim Bitcoin-Mining die Zahl der Digitalmünzen stetig wächst, haben die Erfinder des XRP-Tokens hingegen alle Coins direkt erschaffen. Es gibt insgesamt 100 Milliarden Ripple-Münzen.

Was hat die amerikanische Finanzaufsichtsbehörde SEC mit dem Ripple-Kurs zu tun?

Gerade die Klage der amerikanischen Finanzaufsichtsbehörde SEC hat den Kurs stark schwanken lassen. Allerdings stehen die Chancen Ripple Labs aktuell gut, da im Moment davon auszugehen ist, dass das Unternehmen den Streit gewinnt. Die SEC wirft Ripple Labs bzw. Christian Larsen und Brad Garlinghouse vor, XRP über Jahre hinweg mit falschen Informationen verkauft zu haben, da die SEC Ripple als Wertpapier sehe. Ripple Labs hingegen hätte nie eine Genehmigung dafür eingeholt. Nach Bekanntwerden im Dezember 2020 fiel der Kurs der digitalen Währung deutlich.

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Mittlerweile sieht es aber so aus, dass Mitarbeiter der SEC selbst XRP kauften. Allerdings weigert sich die Aufsichtsbehörde weiter, die Daten offenzulegen. Demnach könnte sich eine große Blamage für die SEC anbahnen.

Prognose: So könnte sich der XRP-Kurs bis 2025 entwickeln

Natürlich gibt es keine verlässlichen Kursprognosen. Weder für XRP noch für andere digitale Währungen. Berücksichtigt man allerdings die bisherigen Kursverläufe von Ripple, hat XRP primär einen großen Vorteil. Es ist ein zentrales Netzwerk für Banken. Trotz der Klage der SEC könnte die Kryptowährung einen besonderen Kurs einschlagen. Bisher sind alle Klagen gegen Kryptowährungen gut ausgegangen. Möglicherweise kommt eine Strafzahlung auf Ripple Labs zu, was aber nicht zwingend ein Problem für den XRP-Kurs werden muss. 
Viele Analysten sind aktuell der Meinung, dass sich der XRP-Kurs verzehnfachen wird. Hier sind insbesondere die nächsten drei bis sechs Monate von großer Bedeutung. Dennoch sollten Anleger nicht vergessen, dass Kryptowährungen sehr volatil sind. Die Prognosen können daher in eine ganz andere Richtung gehen. Denn auch hier sind die Meinungen sehr unterschiedlich. Während einige Analysten davon ausgehen, dass sich der Ripple-Kurs verzehnfacht, gehen andere Experten davon aus, dass der Kurs von XRP im Jahre 2025 nur noch bei unter 1 Dollar liegt. 

Hinweis: In einer ursprünglichen Version des Artikels stand, dass Ripple zentral organisiert sei. Dies ist allerdings umstritten. Wir haben diesen Part entsprechend korrigiert und den Konsensmechanismus bei XRP-Transaktionen erklärt.

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