WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Risiko-Anleihen Wetten auf Firmenpleiten

Seite 6/7

Nemax-Urgestein braucht Geld

Air Berlin Quelle: dpa

Auch Maschinenbauer Singulus – seit 1997 an der Börse und neben Aixtron eines der ersten Unternehmen am damaligen Neuen Markt – hat schon bessere Zeiten gesehen. Singulus litt in den vergangenen Jahren schwer unter dem Rückgang des DVD- und CD-Geschäfts; die Franken stellen Maschinen zum Pressen der Rohlinge her. Weil immer mehr Filme und Musik online konsumiert oder als Downloads auf den Festplatten der Kunden gespeichert werden, sind die CD- und DVD-Absätze weltweit seit Jahren rückläufig. Singulus, das zwei Drittel seines Umsatzes mit DVD- und CD-Maschinen und ein Drittel mit Solarmaschinen macht, bescherte dies drei Verlustjahre in Folge.

Während die Solarmaschinensparte nach wie vor defizitär ist, arbeitet das Unternehmen insgesamt dank des Geschäfts mit dem Blu-ray-Format wieder profitabel: Sehr große Datenmengen wie Spiele oder 3-D-Filme packen die Medienunternehmen dann doch lieber auf eine Scheibe mit schneller Lesezeit und großem Speichervolumen. Nach einigem Hickhack hat sich die Blu-ray-Disc gegen Konkurrenzformate durchgesetzt. Singulus hatte früh auf diese Technik gesetzt und fährt die Ernte ein. Dank inzwischen preisgünstiger Blu-ray-Abspielgeräte soll der Bedarf an Blu-ray-Discs bis 2015 um 65 Prozent auf 2,8 Milliarden Scheiben pro Jahr weltweit steigen, hofft man bei Singulus. Eine Prognose für 2012 wagt der Vorstand nicht, geht aber davon aus, dass er den Gewinn (Ebit) von knapp sieben Millionen Euro aus 2011 steigern kann. 2010 war nach Abschreibungen ein Verlust von über 80 Millionen Euro bei rund 120 Millionen Euro Umsatz angefallen; 2011 waren es bereits wieder 160 Millionen Euro Umsatz. Das Management will die Geschäftsbasis verbreitern und „rund um unsere Kernkompetenz Vakuum-Beschichtung weitere Branchen erschließen“, so Vorstandschef Stefan Rinck. Neben der Halbleiterbranche hat er dabei etwa Automobilzulieferer und die optische Industrie im Blick.

Die Anleihe mit einem jährlichen Zinskupon von 7,75 Prozent war stark überzeichnet. Binnen Stunden hatte Singulus im März 60 Millionen Euro eingesammelt. Trotzdem fiel das Papier bis auf 94,20 Prozent und bietet rund 9,4 Prozent Rendite.

Singulus hat noch rund 140 Millionen Euro an Eigenkapital auf der Bilanz; Anfang 2011 glückte den Franken eine Kapitalerhöhung. Die Eigenkapitalquote liegt bei gut 50 Prozent. Da Singulus keine Verluste mehr schreibt, sollte die Rückzahlung der Anleihe klappen.

Geld vom Billigflieger

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat gleich drei Anleihen über insgesamt 450 Millionen Euro ausgegeben. Die Renditen liegen bei 9,5 bis 11,2 Prozent pro Jahr. Attraktiv erscheint vor allem die Anleihe mit Laufzeit bis 2014. Das Risiko einer Pleite steigt naturgemäß mit der Anleihelaufzeit. Hinzu kommt im Fall Air Berlin, dass kurz nach Fälligkeit der 2014er-Anleihe zwei weitere, hohe Rückzahlungen anstehen. Somit ist die erste Tranche im Hinblick auf die Ausfallsicherheit sicherlich die am wenigsten riskante.

Es ist nicht auszuschließen, dass der Fluggesellschaft die Luft ausgeht. Aus dem laufenden Geschäft kann sie ihre Kapitalkosten derzeit jedenfalls nicht verdienen. Unter der Ägide des Gründers und langjährigen Vorstandschefs Joachim Hunold ist die Airline zu schnell gewachsen und hat es versäumt, sich eine der Größe angemessene Organisationsstruktur zu geben. Nachfolger Hartmut Mehdorn muss aufräumen. Keine leichte Aufgabe.

Die Mitte März vorgelegten Zahlen für 2011 waren verheerend. Den Verlust hat Air Berlin im abgelaufenen Geschäftsjahr glatt verdreifacht (auf 272 Millionen Euro) und die Hälfte des Eigenkapitals aufgezehrt; nur noch 254 Millionen Euro stehen davon in den Büchern. Zugleich erhöhten sich die Schulden auf 813 Millionen Euro. Helfen soll der neue Großaktionär, Etihad, eine Airline aus Abu Dhabi. Etihad macht zwar auch Verluste, hat aber das Herrscherhaus des Emirats im Rücken und zählt damit zu den kapitalkräftigsten Airlines der Welt. Im Dezember sicherten sich die Araber ein 29-Prozent-Paket an Air Berlin; auch wollen sie 255 Millionen Dollar an Krediten in das Unternehmen stecken. Mit Etihad haben sich die Überlebenschancen erhöht. Für die Anleihen mit Laufzeit bis 2014 und 2015 sollte es reichen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%