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Risiko-Anleihen Wetten auf Firmenpleiten

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Totalverlust ist möglich

DAX Quelle: dapd

Die hohe Rendite soll für das hohe Risiko entschädigen. Denn die Spekulation auf eine Erholung kann natürlich auch schiefgehen: Jüngst erlitten Anleihegläubiger etwa bei den Solarwerten Solon und Q-Cells und bei dem Windenergiezulieferer Siag Schaaf Verluste von bis zu 99 Prozent. Die Unternehmen reichten vor Gericht Insolvenzanträge ein – das Geld der Anleihegläubiger ist zum Großteil weg.

Solange das Unternehmen nicht Bankrott macht oder in einer akuten finanziellen Notlage umschulden muss, bekommen die Anleihekäufer ihre jährlichen Zinsen (den Kupon) und zum Ende der Laufzeit den vollen Nennwert zurück. Von Solarworld bekämen Anleger, wenn alles gut geht, für rund 350 Euro Einsatz (Anleihekurs plus Stückzins) am 13. Juli 2016 insgesamt 1255 Euro (vier Mal den Kupon von 63,75 Euro und am Ende 1000 Euro Rückzahlung). Das entspricht einer jährlichen Rendite von rund 48 Prozent.

Statistisch fallen die wenigsten Unternehmensanleihen aus, weil ihre Emittenten Zins und Tilgung nicht mehr leisten können. Selbst in der Weltwirtschaftskrise der Dreißigerjahre wurden gut 70 Prozent zurückgezahlt; Unternehmensanleihen waren eine weit bessere Anlage als etwa US-Aktien, die von 1929 bis 1932 rund 90 Prozent verloren.

Laut der Ratingagentur Fitch ist in den vergangenen zwölf Monaten per Ende März 2012 rechnerisch nur jede 50. Hochzinsanleihe in Europa ausgefallen. Über mehrere Jahre müssen Anleger deutlich mehr Pleiten einkalkulieren: Die Ratingagentur Standard & Poor’s erwartet, dass im Hochzinssegment zwischen 5,5 und 7,5 Prozent der Schuldner bis 2012 ihre Anleihen nicht mehr werden bedienen können. Das wäre keine ungewöhnlich hohe Rate: Im Krisenjahr 2009 mussten Investoren jeden zehnten Euro abschreiben.

Dax-Anleihen: Kein Inflationsausgleich
UnternehmenISINKursKuponRenditeLaufzeit
BMWXS0729046051102,39 %2,125 %1,27 %13.1.2015
DaimlerDE000A1MLSR4101,32 %1,750 %1,40 %21.5.2015
Deutsche TelekomXS0210318795106,90 %4,000 %1,44 %19.1.2015
E.OnXS0385754733112,95 %5,250 %1,36 %8.9.2015
Merck KGaAXS0497185511105,43 %3,375 %1,50 %24.3.2015
MetroDE000A0XFCT5115,48 %7,625 %1,95 %5.3.2015
RWEXS0412842428110,10 %5,000 %1,31 %10.2.2015
VolkswagenXS0731679907102,24 %2,125 %1,33 %19.1.2015
Quelle: Bloomberg, Stand: 3. Mai 2012

Dax-Papiere bringen wenig

Anleger, die einen Totalausfall im Depot vermeiden wollen, greifen zu Papieren solider Schuldner aus dem Dax – müssen sich aber mit Niedrigrenditen von unter 1,5 Prozent begnügen; deutlich weniger als die aktuelle Inflation von zuletzt 2,0 Prozent. Netto, nach Steuern und Preissteigerung, vernichten Anleger damit also einen Teil ihrer Kaufkraft.

Zwar ist es unwahrscheinlich, dass ein Dax-Konzern, der derzeit ein Rating im sicheren Investmentbereich hat, binnen der nächsten Jahre pleitegehen wird, doch bieten die Niedrigrenditen keinen Ausgleich für die Bilanzrisiken vieler Dax-Konzerne. Die Telekom etwa hat gut 42 Milliarden Euro Nettoschulden; beim Versorger E.On, der 2011 in die roten Zahlen rutschte, türmt sich inklusive Entsorgungs- und Pensionsrückstellungen eine wirtschaftliche Verschuldung von gut 36 Milliarden Euro auf.

Volkswagen zum Beispiel hat eine Nettoverschuldung von derzeit gar 73 Milliarden Euro. Der Großteil davon stammt aus dem Finanzierungsgeschäft, ist also ein mehr oder weniger durchlaufender Posten. So lange zumindest, wie kreditfinanzierte Autos von den Käufern auch bezahlt werden können. Fazit: Anleihen von großen Dax-Konzernen dürften in den nächsten Jahren voll zurückgezahlt werden. Die Renditen bieten aber weder einen Risikoausgleich noch Kapitalerhalt.

Wer in diesem bescheidenen Zinsumfeld mehr herausholen will, muss höher verzinsliche Bonds kaufen. Bei einigen der im Folgenden vorgestellten Papiere erscheint ein Investment chancenreich. Die Gefahr, bei einer Pleite all sein Geld zu verlieren, besteht dennoch.

Die Alternative ist, eine Wette über zehn bis zwölf dieser Anleihen zu streuen. Die Idee dahinter: Wer sich für 10 000 Euro ein Depot aus abgestürzten Anleihen zusammenstellt, muss mit ein bis zwei Pleitefällen rechnen. Im Gegenzug hat er die Chance auf Gewinne weit über den derzeit erzielbaren Durchschnittsrenditen.

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