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Risiko-Anleihen Wetten auf Firmenpleiten

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Verhageltes Ergebnis

IKB Quelle: AP

Mit schwächeren Geschäften hat auch die vor elf Jahren gegründete SiC Processing zu kämpfen. Das Bautzener Unternehmen stellt mit seinen 900 Mitarbeitern Sägesuspension her, ein Gemisch aus Glykol und Siliziumcarbid, das in der Fotovoltaik und der Halbleiterindustrie verwendet wird. Mitte März stuften die Bonitätswächter von Creditreform das SiC-Rating von BBB+ auf BBB- herab. Damit liegt SiC so gerade noch in der als recht sicher geltenden Investitionsklasse. Nach den letzten Zahlen vom ersten Halbjahr 2011 schrieb SiC noch schwarze Zahlen.

Bei 90,9 Millionen Euro Halbjahresumsatz blieb ein Überschuss von 9,5 Millionen Euro hängen. Die Bilanzsumme war per 30. Juni 2011 zu einem Drittel mit Eigenkapital gedeckt. Kurzfristige Finanzschulden machten 12,8 Millionen, langfristige 101,5 Millionen Euro aus – addiert 35 Prozent der Bilanzsumme. In der Bilanz ist demnach Luft, die Schwierigkeiten der Solarindustrie einige Zeit lang durchzustehen.

Auch die Anleihe von 3W Power mit einer Restlaufzeit von knapp drei Jahren verspricht ebenso wie der SiC-Bond zwölf Prozent Rendite. 3W Power ist die Holding der AEG Power Solutions (AEG PS). Das Unternehmen bietet Lösungen in der Solarenergieerzeugung an, etwa Software für die Überwachung und Steuerung von Fotovoltaikanlagen und Systeme für die kontinuierliche Energieversorgung in kritischen Industriebereichen wie etwa auf Öl- und Gasplattformen. Mitte März warnte das Unternehmen, dass die Ergebnismarge vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisation von 12,4 Prozent 2011 in diesem Jahr auf 9,0 bis 11,0 Prozent zurückgehen dürfte. Der Umsatz soll 2012 zwischen 430 und 460 (Vorjahr: 428) Millionen Euro liegen. Der Kurs der Anleihe stürzte jüngst um zehn Prozent, nachdem die deutsche Finanzaufsicht BaFin dem Private-Equity-Fonds Nordic Capital Fund VII mit 4,3 Milliarden Euro Volumen wegen etlicher Fehler in den Angebotsunterlagen untersagte, über seine Tochter Andrem 3W Power ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. AEG PS kann aber allein überleben. Der Auftragseingang im ersten Quartal 2012 lag mit 91,1 Millionen Euro um immerhin 14,6 Prozent höher als im Schlussquartal 2011 und um zehn Prozent höher als der Umsatz in den Monaten Januar bis März 2012. Die Nettofinanzschulden summierten sich per Jahresende 2011 auf recht überschaubare 32 Millionen Euro.

Wem zwölf Prozent Rendite pro Jahr nicht reichen, der kann sich in Griechenland nach mehr umsehen. Der Bond des Glasherstellers Yioula Glassworks war 2011 bis auf 38 Prozent des Nennwertes abgestürzt. Aktuell notiert er wieder bei 50 Prozent. Die Finanzlage bleibt sehr angespannt. Per Ende 2011 kam Yioula auf 287 Millionen Euro Nettofinanzschulden bei 79 Millionen Euro Eigenkapital. Standard & Poor’s stuft die Anleihen mit CC (sehr hohes Kreditrisiko) ein, der drittschlechtesten Note.

Brüchiges Glas

Die Überlebenschancen von Yioula hängen vor allem an den griechischen Banken, die wiederum vom Euro-Rettungsfonds EFSF gestützt werden. Die größte griechische Privatbank, National Bank of Greece, hält sechs Prozent an Yioula. Bislang hat Yioula es immer geschafft, auslaufende Kredite zu verlängern – wenn auch oft in letzter Minute. Zuletzt wollte Yioula mit der Piräus Bank vereinbaren, dass ein im Oktober 2011 auslaufender Kredit über 14 Millionen Euro erst 2015 zurückgezahlt werden muss, er wurde aber nur bis Ende 2013 verlängert. Die Anleihe über 133 Millionen Euro läuft 2015 aus. Sie wird in Deutschland selten gehandelt. Ein Kauf ohne Limit ist riskant, Anleger müssen zudem 25 000 Euro in die Hand nehmen.

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Nicht mehr lange müssen Anleger zittern, die sich in einem Papier der einstigen Düsseldorfer Skandalbank IKB engagieren. Binnen eines Jahres lassen sich knapp 15 Prozent Rendite erzielen. Allerdings trägt das Papier das Siegel „nachrangig“. Sollte die IKB, wie 2007, erneut in Schwierigkeiten geraten, erhalten Anleihegläubiger erst nach einer langen Kette anderer Kreditgeber ihr Geld. Meistens ist nach deren Befriedigung dann nichts mehr übrig. Richtig gut geht es den Düsseldorfern, die zu gut 90 Prozent der US-Private-Equity-Gesellschaft Lone Star gehören, nicht. Die Staatsschuldenkrise verhagelte das Ergebnis der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2011/12: 431 Millionen Euro Miese fielen an. Mit einer Kernkapitalquote von zehn Prozent liegt die IKB zurzeit im Schnitt deutscher Banken.

Daran gemessen sind 15 Prozent Rendite für die Nachranganleihe ein Schnäppchen.

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