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Rohstoffe China setzt auf Äpfel

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Chinas neues In-Obst

Ein Arbeiter legt einen Apfel der Sorte

Hanver Li, Vorstandsvorsitzender des Marktforschungsunternehmens Ja Intelligence prognostiziert, dass China im Jahr 2012 zwischen sieben und zehn Millionen Tonnen Mais importieren wird. Bis 2015 rechnet er mit einer jährlichen Einfuhr von 15 Millionen Tonnen. Lis Vorhersage deckt sich mit der Schätzung des US-Getreiderats. "Langfristig sollte das einen ziemlich großen Einfluss auf die weltweiten Preise für Mais haben", sagt Li. Und der ist durch die Dürreperioden in den USA ohnehin schon heftigen Schwankungen unterworfen.

Doch der wachsende Wohlstand der Chinesen treibt nicht nur die Nachfrage nach Fleisch und Futtermittel, sondern auch nach Früchten. Gerade die Einwohner von Großstädten haben es auf Obst abgesehen - das neue Objekt der Begierde ist der Apfel. Ähnlich wie beim Fleischkonsum steigt auch der Verbrauch von Obst mit zunehmendem Wohlstand. So aßen die Chinesen im letzten Jahr 80 Prozent mehr Äpfel als noch vor vier Jahren. Weltweit stieg der Verbrauch im gleichen Zeitraum um 36 Prozent. Der wachsende Appetit auf Äpfel hat allerdings keine Auswirkung auf das Geschäft der internationalen Konkurrenz: China ist der größte Apfelproduzent der Welt, allein im Jahr 2010 wurden dort 33,26 Millionen Tonnen Äpfel geerntet und verkauft. Die Nummer zwei, die USA, bringen es dagegen nur auf rund vier Millionen Tonnen. Deutsche Obstbauern ernteten im letzten Jahr 898.400 Tonnen Äpfel und landet damit im internationalen Vergleich auf Platz 14. Die Konsequenz: Die einzige Nation, die Chinas wachsende Nachfrage befriedigen kann, ist China selbst - so lange es seine Äpfel auf dem Binnenmarkt verkauft, statt sie zu exportieren.

Äpfel essen statt Konzentrate verkaufen

Das ruiniert allerdings den Saftproduzenten und Rohstoffhändlern die Margen. Mittlerweile werden in China nur noch rund 15 Prozent der produzierten Äpfel zu Saft beziehungsweise Saftkonzentrat verarbeitet, vor vier Jahren war es noch etwas mehr als ein Drittel der Ernte. Und das bekommen nicht nur chinesische Händler zu spüren. 70 Prozent des in den USA verkauften Saftkonzentrats kommen aus China, im Jahr 2009 produzierte das Land 51 Prozent der weltweiten Gesamtmenge an Apfelsaftkonzentraten. Dementsprechend müssen Verbraucher für ihren Saft tiefer in die Tasche greifen. So berichtet der chinesische Hersteller Haisheng Juice Holdings von einem Preissprung von vier auf zwölf Dollar pro Gallone Apfelsaftkonzentrat.

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Auf die deutschen Kunden dürfte sich die Entwicklung vorerst nicht auswirken - vor allem, da der deutsche Apfelsaftkonsum stetig sinkt. Im Jahr 2003 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch noch 13,1 Liter, 2010 waren es nur noch 8,1 Liter. Als Absicherung gegen chinainduzierte Preisschwankungen bleibt sonst nur - entgegen dem Trend, Bioprodukte aus aller Herren Länder einzufliegen - der Verbrauch von Direktsäften beziehungsweise Produkten aus der Region. Das schont dann nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die CO2-Bilanz.

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