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Roundtable zur Börse "Kaufchancen bei Aktien erst später im Jahr“

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"Wenn die Währung abwertet, landen wir in der Rezession"

Wenn die Währung massiv abwertet, brechen die Importe ein und die Preise für Exportgüter fallen. Das bedeutet für die Weltwirtschaft einen starken deflatorischen Impuls. Umsätze und Gewinne außerhalb Chinas schrumpften, Unternehmen wären zu Kostensenkungen gezwungen. Die Weltwirtschaft landete in der Rezession. Darauf steuert die ganze Situation zu.

Gundlach: Die Leute glauben, Chinas Regierung könne, nur weil es sich um ein autokratisches Regime handelt, jedes Mal, wenn ssich das Wachstum verlangsamt, auf einen Knopf drücken und schon steige das Wachstum wieder auf sieben bis acht Prozent.

Warum rühmen wir alle die Vorzüge der freien Marktwirtschaft? Holen wir uns doch einfach einen autokratischen Herrscher und lassen ihn die US-Konjunktur auf acht Prozent Wachstum jährlich ankurbeln. China wächst wesentlich langsamer als zugegeben wird.

Die Anlageideen von Jeff Gundlach für 2016

Das ist die Botschaft, die wir am Markt ablesen. Auf China entfallen fast 50 Prozent der globalen Nachfrage nach Kupfer, Stahl und Aluminium sowie 70 Prozent der Nachfrage nach Kohle. Die Rohstoffpreise fallen von Tag zu Tag. Die einzige plausible Erklärung dafür ist die schwache chinesische Nachfrage.

Meryl Witmer: Der Ölpreis ist eingebrochen, weil das Ölangebot stark ausgeweitet wurde.

Vita von Meryl Witmer

Meryl Witmer Quelle: Brad Trent

Abby Joseph Cohen: Der Trend der Rohstoffpreise zeigt seit Jahrhunderten fast immer abwärts. Dafür sorgt technologischer Fortschritt und der Aufbau von Kapazitäten. Die Risiken für die globale Konjunktur liegen nicht so sehr an den chinesischen Wirtschaftsdaten selbst.

Bedeutender sind deren psychologische Wirkung auf Portfoliomanager und Unternehmenslenker. Nur ein Prozent der Umsätze von US-Unternehmen hängt ab von China. Im Jahresverlauf werden die Anleger ein klareres Bild von der US-Konjunktur erhalten, verglichen mit anderen Volkswirtschaften.

Wir haben die bessere Demografie, wir haben unserer Finanzsystem rascher wieder in den Griff bekommen, die Konsumenten haben ihre Budgets in Ordnung gebracht – abgesehen von zu hohen Auto- und Studentenkrediten.

Ihre BIP-Prognose?

Cohen: Irgendwo zwischen zwei und zweieinhalb Prozent. Einige Negativfaktoren fallen weg. Wir hatten eine sehr starke fiskalische Bremse in den vergangenen Jahren. Dieser Faktor dreht auf neutral bis leicht positiv. Auch der Einbruch der Investitionen im Energiesektor drückte auf das Wachstum.

Vita von Abby Cohen

Abby Joseph Cohen Quelle: Brad Trent

Wenn die Investitionen nicht weiter zurückgeschraubt werden, ist der Nettoeffekt definitionsgemäß positiv. Die Gewinne der S&P 500-Unternehmen litten im Vorjahr unter Währungsverlusten und dem scharfen Verfall der Energiepreise.

Der Dollar hat seit Mitte 2014 handelsgewichtet um etwa 30 Prozent aufgewertet. Wird er weitere 30 Prozent steigen? Wahrscheinlich nicht. Auch die Erträge im Energiesektor werden kaum noch einmal im gleichen Ausmaß sinken.

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