WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Schmierlappen im Netz Der zweifelhafte Kleinkrieg zwischen Fairvesta und S&K

Bis zu ihrem Zusammenbruch war die Frankfurter Immobiliengruppe S&K der Hauptkonkurrent von Fairvesta. WirtschaftsWoche-Recherchen zeigen, mit welchen fragwürdigen Methoden beide Unternehmen sich bekriegten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Bilder aus dem Leben der S&K-Chefs
Eine große weiße Limousine
S&K-Chef Jonas Köller posiert mit einer Waffe und einer unkenntlich gemachten Frau vor einer Tür, über der steht "Get rich or die tryin´"
Teure Autos
Ein Hubschrauber mit S&K-Logo
Einer der S&K-Chefs und Mark Medlock
Jürgen und S&K
Ein Elefant und eine unkenntlich gemacht junge Frau vor teuren Autos

Der Fairvesta-Handlungsbevollmächtigte Otmar Knoll musste einiges ertragen. Namentlich nicht genannte Autoren beschimpften ihn im Internet aufs Übelste. Er würde Mitarbeiterinnen auf der Toilette beobachten, hieß es. Knoll weist dies von sich. An anderer Stelle hieß es: „Hauptsache, es merkt keiner, wie ich die Anleger verarsche“, denke sich „Otti“.

Wer in der Finanzbranche Erfolg haben will, muss das Vertrauen der Anleger gewinnen, damit diese in seine Fonds investieren. Veröffentlichungen, die Zweifel an der Seriosität eines Emittenten wecken, haben gravierende Folgen. Knoll beziffert den entstandenen Schaden auf mindestens acht Millionen Euro.

Besonders intensiv verfolgt wurde er von Günther S.*, der etwa Verbraucherzentralen und Journalisten mit Faxen über Knoll bombardierte. Er alarmierte auch mal die Polizei, erstattete Strafanzeige oder stellte ins Blaue hinein einen Insolvenzantrag für Fairvesta. S. ist seit Kurzem in Haft, wegen Erpressung in einem anderen Fall.

Was S. zu den Attacken trieb, ist unklar. Briefe an ihn und seinen Anwalt blieben unbeantwortet. Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, zeigen jedoch, dass sich S. mit einem Ex-Fairvesta-Sprecher, der das Unternehmen im Streit verließ, austauschte und mit ihm gemeinsam einen Termin bei einem Journalisten wahrnehmen wollte. Dass der Ex-Sprecher die Attacken gegen Knoll beauftragt hat, geht daraus allerdings nicht hervor. Er verneint dies auch.

Knoll behauptete kürzlich in einer Pressemitteilung, dass sein früherer Hauptkonkurrent – die Unternehmensgruppe S&K – den Faxschreiber Günther S. beauftragt habe. Die S&K-Geschäftsführer werden des bandenmäßigen Betrugs verdächtigt und sitzen seit Februar in Untersuchungshaft. Sie hatten bei Anlegern über 100 Millionen Euro eingesammelt, die sie angeblich in Immobilien investieren wollten. Stattdessen sollen die beiden einen Teil des Geldes jedoch privat verprasst haben.

Mit einem der Geschäftsführer stand S. in Kontakt. Aus E-Mails geht hervor, dass er Stephan Schäfer im Sommer vergangenen Jahres anbot, S&K bei Finanzvertrieben ins Gespräch zu bringen, bei denen er Fairvesta zuvor in Misskredit gebracht hat. Zudem bat er Schäfer um mindestens 3000 Euro. „Bitte helfen Sie mir nochmals“, schreibt S. am 16. Oktober 2012. „Wenn Knoll verschwindet, haben Sie es leichter am Markt.“ Schäfer zahlte. Dass er dafür den Fax-Terror forderte, geht daraus aber nicht hervor. Schäfer schreibt: „Sie sind mir sympathisch. Ihnen helfe ich auch einfach so.“

Schlammschlacht bei Schmierlappen.net

Die Möbel aus der S&K-Villa
An der S&K-Villa in der Kennedyallee hängt ein riesiger Banner, der auf die Online-Pfandversteigerung des S&K-Mobiliars aufmerksam macht. Noch bis zum kommenden Freitag können Kaufinteressenten für die Möbel der Frankfurter Immobiliengruppe Gebote abgeben.
Das alte Schiffs-Modell hat bei der Online-Auktion schon einige Gebote eingeheimst. Es soll für mindestens 30 Euro unter den Hammer.
Pompös und staatsmännisch, so war die Einrichtung von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Nicht kleckern, sondern klotzen...
Ein Kunstwerk mit den Initialen wird genauso versteigert...
...wie ein Gemälde mit Dollar-Zeichen.
Bereits geöffnete Getränkedosen mit aufgedrucktem S&K-Logo - Überbleibsel der Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller.
Von solchen Sofas können Interessierte gleich mehrere ersteigern.

Schäfer selbst wurde im Netz nicht minder mit Dreck beworfen. Auf verschiedenen Seiten wie etwa Schmierlappen.net ließen sich Unbekannte über das ausschweifende Leben von Schäfer und seinem Kompagnon Jonas Köller aus. Einem ehemaligen Fairvesta-Mitarbeiter zufolge soll der Inhalt indirekt auf Knoll zurückgehen.

Der Mitarbeiter erklärte an Eides statt gegenüber der WirtschaftsWoche, dass er mehrere Telefonate zwischen Knoll und dem Publizisten Christian M.* verfolgt habe. „In diesen Gesprächen war Inhalt die mir bekannte Internet-Seite Schmierlappen.net.“ Es sei darum gegangen, welche Veröffentlichungen dort zum Nachteil von S&K erfolgen sollten. „Eindeutig war, dass Herr M. in der Lage war, auf dieser Seite entsprechende Artikel“ einzustellen. Außerdem „besprach sich Herr Otmar Knoll mit Herrn M. über den entsprechenden Inhalt und auch über die Vorgehensweise.“ Zu Hause habe er die heute gelöschte Seite Schmierlappen.net aufgerufen und festgestellt, dass die besprochenen Inhalte dort „genau umgesetzt und nachzulesen“ waren.

M. erklärt hierzu: „Ein Schmierlappen.net ist mir nicht bekannt.“ Er habe auch nie mit Knoll darüber gesprochen. Knoll bestreitet ebenfalls, mit M. über die Seite gesprochen zu haben.

Geldanlage



Hinzu kommt ein weiterer eigenartiger Vorfall: Eine Person, die von Fairvesta der Weitergabe von Interna verdächtigt wird, erhielt eine scheinbar von der WirtschaftsWoche stammende E-Mail. Die Nachricht täuschte vor, dass der Anhang einen Recherchefragebogen enthalte. Tatsächlich versteckte sich dort ein Computervirus, durch den Unbefugte Zugriff auf den Computer des Empfängers erhalten sollten. Verschickt wurde die Mail über einen anonymen tschechischen Server. Abgegriffene Daten sollten an einen Server auf den Seychellen gehen. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt. Knoll sagt, er sei es nicht.

Fakt ist allerdings, dass Knoll mit einer Gegenoffensive gedroht hat. So schreibt er Mitte vergangenen Jahres an eine der S&K-Gruppe nahestehende Publizistin: „Wenn es darum geht, Auftragsarbeiten zu vergeben, um negative Berichte über Mitbewerber zu lancieren, dann können wir das auch.“ Sollte ein negativer Artikel, erscheinen, müsse er davon ausgehen, dass S&K dahinter stecke. „Ich kann dir versichern, dass ich mir das nicht gefallen lasse und Leute kenne, die das große Repertoire der negativen Berichterstattung“ beherrschen. Knoll sagt hierzu heute, er habe nur reagiert: „Nachdem erneut diffamierende Inhalte über meine Familie und insbesondere meine Kinder sich im Internet fanden, habe ich emotional erregt diese Mail geschrieben.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%