WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Schock für Anleger Star-Fondsmanager flüchtet in den Vorruhestand

Der vielfach verehrte Fondsmanager Graham French tritt mit 47 Jahren ab. Er fühle sich zu alt für kommende Herausforderungen. Die Konkurrenz kann jetzt die Jagd auf fünf Milliarden Euro eröffnen.

Deutsche fürchten die Inflation
Die Deutschen sind fleißige Sparer. Nur verhalten sie sich bei der Geldanlage oftmals irrational. "Deutsche Haushalte wetten bei ihrer Geldanlage auf Deflation"– sagte Tobias Graf von Bernstorff, Leiter der Düsseldorfer Niederlassung des Bankhauses B. Metzler seel. Sohn & Co. Viele Deutsche legten ihr Vermögen überwiegend in Bargeld, Sichteinlagen und Anleihen an. In Aktien legen nur gut fünf Prozent der Deutschen an (direkt) beziehungsweise zehn Prozent, wenn man indirekte Investments über Fonds und Versicherungen miteinbezieht. Quelle: REUTERS
Dabei ist eine der größten Ängste der Deutschen die Preissteigung. Nur ihrer Anlagestrategie merkt man das nicht an. 75 Prozent haben ihr Geld schlicht auf der Bank liegen oder investieren in Anleihen. Kommt eine Inflation, wäre der Wert des Geldes futsch. Quelle: dpa
Auf den ersten Blick sei Inflation ein Krisenaspekt, von dem die Deutschen bisher weitgehend verschont geblieben seien. Die harmonisierte deutsche Inflationsrate sank seit Herbst 2011 von 2,9 Prozent auf 1,6 Prozent im September 2013. Die Ängste vor einer "Geldschwemme" scheinen somit weitgehend unbegründet. "Wir zweifeln jedoch daran, dass die niedrigen Raten der Vergangenheit auch für die Zukunft angenommen werden können", so von Bernstorff vom Bankhaus Metzler. Quelle: dpa
Das Wachstum des Kapitalstocks habe sich in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren infolge der geringen Investitionen verlangsamt, die Arbeitskräfte würden knapp, und die Löhne stiegen. Der Preisdruck zeichne sich bereits in der sogenannten Kerninflationsrate ab. Deshalb sollten Anleger ihr Geld aus dem Sparstrumpf holen und es lieber inflationssicher anlegen. Quelle: dpa
So ließe sich angesichts des erwarteten Weltwirtschaftswachstums besondere mit deutschen Aktien profitieren. "Die Bewertung deutscher Aktien ist nicht so hoch, wie der Indexstand glauben machen will. Denn beim DAX fließen die Dividendenzahlungen in die Indexberechnung mit ein, sodass er schneller steigt als ein ausschließlich auf Aktienkursentwicklung beruhender Index", erläutert Frank Naab, Leiter Portfoliomanagement Metzler Private Banking. "Auf reiner Kursbasis gerechnet liegt der DAX noch ca zehn Prozent unter seinem alten Höchststand von 2007 – und das bei vergleichbaren Nettoergebnissen der Unternehmen." Quelle: dpa
Daneben eigneten sich US-Aktien als defensives Basisinvestment. US-Titel seien mit einer Dividendenrendite von zwei Prozent und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,5 gegenüber ihren europäischen Pendants zwar ambitionierter bewertet, hierin drücke sich aber auch eine generelle Vorliebe der Anleger für US-Titel aus. Quelle: dpa
Rentenanleger stünden im Hinblick auf das aktuelle makroökonomische Umfeld dagegen vor einem Dilemma: Angesichts der historisch niedrigen Zinsen sei es kaum möglich, einen positiven Realzins zu erwirtschaften. Durch den Kauf langlaufender Anleihen ließe sich diesem Problem der Realzinsfalle zwar mit höheren Laufzeitenprämien und so mit einer insgesamt höheren Rendite begegnen, jedoch seien gerade Anleihen mit langer Laufzeit im Falle steigender Zinsen besonders von Kursverlusten bedroht. Quelle: dpa

Auch einige Milliarden aus Deutschland stecken in dem M&G Global Basics, einem weltweiten Aktienfonds mit insgesamt 5,1 Milliarden Euro Volumen. Jetzt tritt der Starfondsmanager Graham French mit nur 47 Jahren zurück und übergibt das Management an seinen unbekannten Stellvertreter. Der Brite hat offenbar einfach genug nach 25 Jahren Fondsmanagement und 13 Jahren als Fondsmanager vom Global Basics. Und er hat einfach in der Zeit auch genug Geld verdient, wenn er mit Ende 40 einen Job aufgibt, nach dem viele in der Londoner City streben.

Neue Generation kommt

Den Rückzug rechtfertigt er damit, dass er sich nicht in den Themen fit fühlt, die künftig eine wichtige Rolle spielen könnten an den internationalen Börsen wie etwa Technologie, Pharma oder Finanzen. Graham French war der Mann für Rohstoffe, Nahrungsmittel und andere Basisgüter, die den langjährigen Erfolg des Fonds ausmachten, aber zuletzt nicht mehr die erhoffte Performance brachten.

Randeep Somel Quelle: Presse

Sein Nachfolger ist Randeep Somel, Brite mit indischen Wurzeln und Anfang dreißig, der ganz klug reden kann, aber längst nicht das Charisma von French hat. Wenn der in Deutschland sprach, füllte er große Hallen und begeisterte seine Zuhörer. Er vermittelte Geschichten wie diese glaubhaft: Als er eine australische Mine besuchte, deren Zahlen stimmten, aber die vergammelten Duschen der Bergleute sah, forderte er die Manager der Mine auf, die Duschen zu streichen, sonst werde er alle Aktien des Unternehmens verkaufen. Dabei war French kein wachsweicher Gutmensch und auch kein Spinner. Hinter dem Engagement steckt ökonomisches Kalkül gepaart mit Fingerspitzengefühl und Menschlichkeit. French brachte lange eine Glaubwürdigkeit rüber, die sonst im Finanzgewerbe selten ist. Für die Finanzkrise fand er folgende Worte in einem Interview mit der WirtschaftsWoche: „Es war reine Gier und es ist für mich, der ich Teil der Finanzindustrie bin, schmerzlich, zu sehen was da passiert ist. Eine einzelne US-Bank hat ihren 18.000 Mitarbeitern vergangenes Jahr mehr gezahlt, als fünf Millionen Menschen aus fünf afrikanischen Staaten im vorigen Jahr verdient haben. Das ist absurd.“

Nachdem der M&G-Fonds im Jahr 2008 um die 40 Prozent Verlust gebracht hatte, antwortete er in dem Interview auf die Frage, ob er 2008 das Geld wert war, was er verdient hatte, so: Denke ich dabei an meinen Vater, der als Buchdrucker wenig verdient hat, obwohl er auch sehr leidenschaftlich und hart gearbeitet hat, dann muss ich sagen, dass die gesamte Finanzbranche überbezahlt ist. Wenn es Sie beruhigt, habe ich auch eigenes Geld mit dem Fonds verloren, weil ich die Verluste mitgemacht habe.

French hat immer wieder betont, wie sehr er bei seiner Arbeit die Interessen der Anleger im Blick habe. Nur hat er die jetzt zu schnell im Stich gelassen.

Neue Investmentthemen dominieren

Hier ist die Luft raus
ChinaChinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent, das war weniger als im Vorquartal und blieb auch unter der Analystenprognose von acht Prozent. "Die allseits erhoffte Beschleunigung der wirtschaftlichen Aktivität in China blieb trotz großzügiger Kreditvergabepolitik aus", sagten Experten. Nun mehren sich die Sorgen, dass die asiatische Konjunkturlokomotive an Schwung verliere, erklärten die Analysten der National-Bank die Reaktion an den Finanzmärkten. Das schwächere Wirtschaftswachstum Chinas hat bereits die Anleger an den Finanzmärkten vergrault, Verschärfungen im Immobiliensektor und eine höhere Inflation führten zu einem Kursrückgang chinesischer Aktien. Moody's senkte den Ausblick für die Chinas Kreditwürdigkeit von positiv auf stabil, woraufhin sich Kupfer und Öl deutlich verbilligten, da Investoren eine schwächere Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt fürchteten. Quelle: Reuters
BrasilienBrasilien war 2012 ein beliebtes Investitionsziel: Anleger brachten insgesamt 65,3 Milliarden Dollar in das lateinamerikanische Land. Trotzdem nahm das Wachstum über das gesamte Jahr 2012 um 0,9 Prozent ab. Nur im letzten Quartal stieg das Wachstum um -1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den ersten beiden Monaten 2013 gingen daraufhin die Zuflüsse von neun Milliarden Dollar im selben Zeitraum des Vorjahres auf 7,5 Milliarden Dollar zurück. Auch die Kurse brasilianischer Aktien gingen wegen des schwächeren Real, der höheren Arbeitslosigkeit, der Inflation und des relativ geringeren BIP-Wachstums auf Talfahrt. Quelle: dpa
IndienDie Reserve Bank of India (RBI) hat ihre Wachstumsprognose für 2013 von 5,8 Prozent auf 5,5 Prozent gesenkt. Behalten die Experten Recht, wäre das die niedrigste Wachstumsrate seit 2003. Schon 2012 hatte das Bruttoinlandsprodukt unter der schwächelnden Landwirtschaft und der Schwäche im Dienstleistungssektor zu leiden. Das BIP-Wachstum Indiens ging von 5,3 Prozent im dritten auf 4,5 Prozent im vierten Quartal zurück. Hoffnung ruht jetzt auf dem Vorhaben der Zentralbank, die Richtlinien für Banklizenzen an private und öffentliche Gesellschaften zu vereinfachen. Dadurch könnten weitere Banken gegründet werden. Quelle: AP
Südafrika2012 ist die südafrikanische Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, nach 3,5 Prozent im Jahr 2011. Die Kapitalzuflüsse ausländischer Investoren (foreign direct investments) nahmen im Jahr 2012 sogar um 24 Prozent ab. Mit Kapitalzuflüssen in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar war das das schlechteste Ergebnis seit dem Jahr 2010. Grund für das rückläufige Wachstum und die daraus resultierende Investorenflucht sollen hohe Treibstoffpreise, Inflation, eine Abwertung des Rand sowie eine schwächere Auslandsnachfrage nach südafrikanischen Exporten sein. Dementsprechend senkte die südafrikanische Regierung auch für 2013 die Prognose: Statt 3,0 Prozent soll das BIP nur um 2,7 Prozent wachsen. Quelle: dpa
TürkeiIn der Türkei schwächelt die Binnennachfrage. Das Wirtschaftswachstum im Jahr 2012 betrug nur noch 2,2 Prozent - das ist der niedrigste Wert seit 2009. In den Jahren 2010 und 2011 erzielte die Türkei noch Wachstumsraten von neun Prozent. Quelle: AP
RusslandAuch in Russland fiel das Wirtschaftswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2009 zurück: 2012 erreichte das BIP-Wachstum nur 3,4 Prozent. 2011 waren es noch 4,3 Prozent Wachstum gewesen. Analysten hoffen auf die rund 30 Wirtschaftsabkommen, die die russische Regierung mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping geschlossen hat. Energielieferungen und Militärtechnologie könnten die Wirtschaft beider Länder ankurbeln. Quelle: AP
SüdkoreaInsgesamt ist das südkoreanische BIP im Jahr 2012 um zwei Prozent gewachsen - das ist das schlechteste Ergebnis seit 2009. Schuld an der vergleichsweise mauen Entwicklung sind die schwachen Exportzahlen, der unerwartet schwache globale Aufschwung und geringere Investitionen. Auch 2013 soll es nicht viel besser werden: Das Finanzministerium senkte seine Wachstumsprognose von 3,0 auf 2,3 Prozent. Quelle: AP

Der riesige Erfolg des Fonds hing mit der interessanten Investmentstrategie zusammen: French hat in der Vergangenheit viele Trends wie den Aufstieg der Schwellenländer und die Rohstoffhausse erkannt und zu Geld für Anleger gemacht. Mit seiner Idee, vor allem Unternehmen in den Fonds zu stecken, die Produkte herstellen, mit denen Menschen ihre Alltags- und Grundbedürfnisse in den Schwellenländern befriedigen, lag er lange goldrichtig. Rohstoffe, Nahrungsmittel- und Konsumgüterhersteller brachten hohe Kursgewinne und konnten vom Wachstum in den Schwellenländern profitieren. Doch in den vergangenen Jahren zogen Finanzwerte sowie Technologieaktien die Indizes nach oben und French lag abgeschlagen im hinteren Feld. Damit kam er nicht mehr zurecht. Vielleicht gab es intern einen enormen Wettbewerb. Aber die Anleger standen wohl noch zu French, denn mit fünf Milliarden Euro blieb der Fonds sehr groß – trotz der schwachen Performance. Anleger blieben ihm treu, weil sie ihn schätzten. Und machten Durststrecken mit, weil sie auf bessere Zeiten hofften. Sie investieren langfristig, weil ihnen das jahrelang von Experten gepredigt wurde. Aber diejenigen, die sie dabei begleiten sollten, nämlich die Fondsmanager, werfen bei Schwierigkeiten gleich das Handtuch.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Weihnachten für die Konkurrenz

Für die Konkurrenz ist der Rücktritt ein Weihnachtsgeschenk. Denn Finanzverkäufer nutzen diese Chancen gerne, um den Anlegern den Umstieg in andere Fonds schmackhaft zu machen und die fünf Milliarden Euro könnten schon bald neu verteilt werden.

Denn über den Nachfolger ist wenig bekannt und die Strategie des Fonds dürfte sich ändern. Dann wird er mitunter einer von vielen und austauschbar. Wer einen Sparplan hat, sollte sich einen neuen Fonds aussuchen, in den er seine Einzahlungen leistet. Für Mittelabflüsse hat M&G nach eigenen Angaben genug liquide Aktien im Portfolio, um die Anleger auszuzahlen. Die Kassenhaltung wurde nicht hochgefahren, um nicht die Performance in einem steigenden Markt zu schwächen.

Wer feststellt, dass das Portfolio nicht mehr ins Depot passt, sattelt um. Das Investmentthema einer wirtschaftlichen Entwicklung in den Schwellenmärkten, von der westliche Unternehmen profitieren, bleibt intakt. Wohlmeinende geben dem Nachfolger die Gelegenheit, aus den Fußstapfen des Vorgängers zu treten.

Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%