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Schufa Menschen in Deutschland haben ihre Finanzen im Griff

Die Deutschen haben ihre Finanzen im Griff. Quelle: dpa

Die meisten Deutschen zahlen Verbraucherkredite pünktlich zurück und haben kaum negative Auskünfte. Auch Niedrigzinsen verlocken offensichtlich kaum jemanden zum Schuldenmachen in großem Stil.

Deutschlands Verbraucher erweisen sich als verantwortungsbewusste Schuldner: Ihre Zahlungsmoral ist so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurden 97,9 Prozent der Konsumentenkredite vertragsgemäß zurückgezahlt, wie aus dem an diesem Freitag veröffentlichten „Kreditkompass“ der Auskunftei Schufa hervorgeht. Es war den Angaben zufolge ein leichter Anstieg gegenüber 2017 und der beste Wert seit zehn Jahren.

„Die Menschen haben ihre Finanzen im Griff. Eine Rückzahlquote von fast 98 Prozent belegt, dass das Kreditsystem in Deutschland funktioniert und Verbraucher vor Überschuldung bewahrt werden“, sagte Schufa-Vorstandschef Michael Freytag der Deutschen Presse-Agentur. „Bei den zwei Prozent, die ihre Kredite nicht zurückzahlen, gibt es drei wesentliche Gründe: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit“, erläuterte Freytag.

Die niedrigste Rückzahlquote haben Verbraucher im Alter zwischen 25 und 34 Jahren, doch selbst hier sind es noch 97,3 Prozent. Mit zunehmendem Alter steigt der Wert – bei Verbrauchern zwischen 55 und 59 ist er am höchsten.

Trotz historisch niedriger Kreditzinsen schlagen die Verbraucher nicht über die Stränge. Den Daten der Auskunftei zufolge sank die Zahl der neu abgeschlossenen Verbraucherkredite 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,6 Prozent auf rund 7,9 Millionen. Die aufgenommene Summe ist jedoch über alle Altersklassen hinweg um 8,5 Prozent auf 11.140 Euro gestiegen. Im Vorjahr stieg die Zahl nur um 0,5 Prozent. Ein Grund dafür könnte das Zinstief sein: Für die gleiche monatliche Belastung leihen sich Verbraucher mehr Geld.

Hoch ist auch die Anzahl der positiven Kreditbiographien: über 90,8 Prozent der bei der Schufa verzeichneten Personen liegen nur positive Auskünfte vor. Bei den Negativmerkmalen unterscheidet die Schufa zwischen weichen und harten Merkmalen. Weiche Merkmale sind beispielsweise Forderungen, die fällig und nicht bestritten sind. Zu harten Merkmalen zählen Informationen aus öffentlichen Bekanntmachungen wie Informationen zu einem Verbraucherinsolvenzverfahren. Die Zahl der Personen mit harten Merkmalen ist mit 4,8 Prozent relativ gering. Vor allem Verbraucher in den 30ern haben Negativmerkmale vermerkt.

Am häufigsten nehmen Verbraucher einen Ratenkredit den Angaben zufolge für den Kauf von Autos, Möbeln sowie elektronischen Geräten in Anspruch. Am stärksten nachgefragt wurden erneut Darlehen von mehr als 10.000 Euro. Rund 39 Prozent aller 2018 neu abgeschlossenen Kredite fielen in diese Kategorie. Ende vergangenen Jahres verzeichnete die Schufa in ihrem Datenbestand insgesamt gut 18,4 Millionen (Vorjahr: rund 18 Millionen) laufende Ratenkredite.

Bei der Aufnahme eines Konsumentendarlehens handeln Verbraucher aus Sicht der Schufa zunehmend überlegt: Bevor sie sich für einen Kreditvertrag entscheiden, vergleichen viele die Bedingungen verschiedener Anbieter genau. Die Zahl der Anfragen nach Kreditkonditionen stieg im vergangenen Jahr nach Beobachtung der Schufa um 30 Prozent auf rund 34,8 Millionen. Im Schnitt holten Verbraucher zwei bis drei Angebote ein.

Zuletzt hatte sich die Konsumlaune der Menschen in Deutschland allerdings etwas eingetrübt. Vor allem die Entwicklung des eigenen Einkommens beurteilten Verbraucher nach Angaben der Konsumforscher der Nürnberger GfK im Juni skeptischer als im Vormonat. Die Furcht vor einem Jobverlust sei bei einer Reihe von Arbeitnehmern gestiegen, erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl jüngst.

Dennoch ist Schufa-Chef Freytag zuversichtlich, dass der private Konsum die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland vorerst weiter stützen wird: „Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Kreditnachfrage sinken wird.“

Verbraucher, die im Internet shoppen, kaufen einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Schufa zufolge weiterhin am liebsten auf Rechnung (88 Prozent). „Die alte Rechnung gilt immer noch als das sicherste Zahlungsmittel“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Mit einigem Abstand folgt die Nutzung des Zahlungsdienstes Paypal (52 Prozent). Bezahlen mit sogenannten Kryptowährungen wie Bitcoin kommt für die große Mehrheit (75 Prozent) der befragten Internetnutzer dagegen nicht in Frage.

Die von der Schufa und anderen Auskunfteien gesammelten und bewerteten Daten sind für Millionen Menschen wichtig, die Kredite aufnehmen oder Mietverträge abschließen wollen. Die Schufa-Statistik erfasst keine Dispokredite und Verbindlichkeiten zum Beispiel aus Verträgen mit Mobilfunkanbietern.

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