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Schwächelndes Edelmetall Warum die Gold-Nachfrage so niedrig ist

Eigentlich gilt Gold als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Dennoch kaufen große Investoren immer weniger: Trotz Krisen in der Ukraine oder im Nordirak kommt der Goldpreis nicht vom Fleck. Woran liegt das?

Sicherer Hafen Gold? Quelle: dpa

Krisenzeit ist eigentlich Gold-Zeit. Je unsicherer die Lage in der Welt und an den Finanzmärkten, desto lieber greifen Investoren beim Edelmetall zu. Gold gilt als Wertgarant und Inflationsschutz. Eigentlich müsste also auch jetzt die Nachfrage nach Gold boomen. Ukraine-Krise, Unruhen im Nordirak und Teilen Syriens - Anlass zur Sorge gibt es genug. Dennoch steigt der Goldpreis nicht merklich. Im Gegenteil: laut dem letzten "Commitments of Traders"-Report haben sich vor allem größere Investoren weiter aus dem Goldmarkt zurückgezogen.

Der Report wird wöchentlich in den USA veröffentlicht. Darin geht es um die Entwicklung an den wichtigsten Future-Märkten. Demnach waren es vor allem die Großspekulanten, die ihr Gold-Engagement reduzierten. Bei Kleinspekulanten dagegen gab es einen leichten Zuwachs.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Auch der Goldpreis spiegelt die Zahl der Krisenherde in der Welt nicht wider. Innerhalb des letzten Monats legte das Krisenmetall eine Seitwärtsbewegung hin. Zwar stieg der Preis kurzfristig auf über 1300 Dollar je Feinunze, hat sich mittlerweile aber erneut bei rund 1290 Dollar je Feinunze eingependelt.

Warten auf die EZB

Zünglein an der Waage für die Entwicklung könnte mal wieder die Geldpolitik der Notenbanken sein. Einerseits ist gerade die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin auf einem sehr expansiven Kurs unterwegs. In dieser Woche kommt der Rat der Notenbank erneut zum Zinsentscheid zusammen. Seit dem letzten Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi beim jährlichen Notenbankertreffen in Jackson Hole ist die Unsicherheit groß. Viele Beobachter erwarten, dass der Italiener in Kürze weitere expansive Maßnahmen ankündigen könnte. Dazu gehören die Wiederbelebung des Marktes für Kreditverbriefungen oder sogar ein Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing).

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Sollte die Geldpolitik tatsächlich weiter gelockert werden, spricht das eigentlich für Gold als Inflationsschutz. Gleichzeitig sehen einige Marktbeobachter den Grund für die sinkende Goldnachfrage bei den niedrigen Inflationsraten. Die Sicherheit vor Preissteigerungen scheint kaum nötig, da die Inflationsraten in der Euro-Zone mit 0,3 Prozent im August den niedrigsten Stand seit Oktober 2009 erreichten. Damit ist die Rate vom Zielwert der EZB bei knapp unter zwei Prozent weit entfernt. Allerdings ist die Kernrate, welche ohne Energie- und Lebensmittelpreise berechnet wird, überraschend von 0,8 auf 0,9 Prozent gestiegen.

Nicht nur die EZB könnte den Preis in den kommenden Wochen beeinflussen. Grundsätzlich ist der September für den Goldmarkt eine Zeit mit steigender Nachfrage. Experten erwarten, dass indische Händler und Juweliere in den kommenden Wochen ihre Bestände erhöhen werden, was sich treibend auf die Preise auswirken könnte. Der Schmuckmarkt in Indien spielt traditionell eine wichtige Rolle für den Goldpreis.

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