Sicherer Hafen Gold "Der Goldpreiscrash war keine Manipulation"

Der Goldcrash kam mit Ansage, sagt der Rohstoffexperte Eugen Weinberg und wundert sich über die Abflüsse aus dem weltgrößten Goldfonds.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd
Platz 3: Italien Quelle: REUTERS
Platz 2: DeutschlandOffizielle Goldreserven: 3.381 Tonnen Stand: Februar 2016 Quelle: dpa
Platz 1: USA Quelle: REUTERS
Neben den Staaten hält auch der Internationale Währungsfonds (IWF) Goldreserven in Höhe von 2.814 Tonnen. Damit würde der IWF an dritter Stelle kommen, nach Deutschland und vor Italien. Stand: Februar 2016 Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Weinberg, Banken haben es geschafft, den Referenzzinssatz Libor zu ihren Gunsten zu manipulieren. Warum sollte ihnen das nicht beim Goldpreis gelingen?

Weinberg: Ausschließen kann man zwar nichts mehr. Ich behaupte auch, dass der Goldpreiscrash im April bewusst herbeigeführt wurde. Aber das war keine Manipulation.

Was war es dann?

Der Einbruch kam mit Ansage. Überall war zu lesen und zu hören, dass die Unterstützung bei 1520 Dollar pro Unze auf keinen Fall unterschritten werden dürfe. Negative Kommentare von Analysten und die Gerüchte über Goldverkäufe Zyperns hatten den Preis dann in diese Richtung gedrückt. Und als George Soros und Goldman Sachs nachlegten, war es dann so weit. Wenn aber jemand nur sagt, dass der Preis fallen wird, ist das ja noch keine Manipulation. Wenn Leute auf die vermeintlichen Gurus hören und ihr Gold verkaufen, würde ich das eher als Dummheit bezeichnen.

Eugen Weinberg

In der Rückschau ist ja eigentlich nicht viel passiert.

Richtig, aber als es in Richtung 1300 Dollar ging, war die Stimmung am Boden. Der Schreck sitzt einigen noch in den Gliedern. Der Status von Gold als sicherer Hafen hat darunter gelitten.

2008 gab es auch einen starken Einbruch. Damals wie heute ging der Preiseinbruch von den Terminmärkten aus.

Es gibt gewisse Parallelen, wenn auch die Gründe andere waren. Damals wurde Liquidität knapp, heute eigentlich nicht. Aber wie 2008 standen auch jetzt wieder die spekulativen Finanzinvestoren auf der Verkaufsseite.

Also sorgte der Crash für eine gesunde Bereinigung?

Ja, das spekulative Element ist raus aus dem Markt. Es haben auch ungewöhnlich viele Kleinspekulanten, von denen möglicherweise viele auf Kredit gezockt hatten, ihre Kaufpositionen geschlossen. Per saldo setzen sie jetzt gar auf fallende Notierungen.

In den USA werden über 90 Prozent der ausstehenden Goldderivate von nur vier Großbanken gehalten. Da liegt ein Manipulationsverdacht nahe.

Vergessen Sie nicht, dass der überwiegende Teil dieser Derivate von den Banken im Kundenauftrag gehalten wird. Außerdem gibt es Positionsobergrenzen für jeden Marktteilnehmer. Diese werden von den Aufsichtsbehörden überwacht, damit eben keine Manipulation stattfinden kann.

Gewaltige unlimitierte Verkaufsorders haben den Goldpreis in die Knie gezwungen.

Auch am Goldmarkt wird ein großer Teil des Handels emotionslos durch Computer erledigt. Fällt eine Unterstützung, wird automatisch liquidiert. Am 15. April wurden an der Comex in New York Lieferansprüche über 2300 Tonnen Gold gehandelt, also gut 80 Prozent der Jahresfördermenge. Das war kein normaler Tag.

Ein Gold-Flash-Crash also?

Sozusagen. Überrascht hat mich aber, dass die Investoren nicht sofort realisiert haben, dass es eigentlich keinen fundamentalen Auslöser gab für den Crash.

Der Krügerrand-Käufer liegt richtig

Die bekanntesten Goldmünzen
Beliebte Geldanlage Quelle: fotolia.com
Lunar Serie 1
Lunar Serie 1 - Hund
Lunar Serie 1 - Hahn
Panda Quelle: fotolia.com
Krügerrand
Maple Leaf Quelle: fotolia.com
American Eagle
Wiener Philharmoniker
Maple Leaf 2007 mit Nennwert von 1.000.000 Dollar

Vielleicht fürchteten sie, dass das Modell Zypern Schule machte und auch andere Zentralbanken in der Euro-Zone von der EZB zu Goldverkäufen genötigt werden könnten?

Die Notenbanken sind unabhängig in der Verwaltung der Goldreserven. Freiwillig wird keine von ihnen Gold verkaufen. Zumal die Erlöse daraus die Schuldenquoten der Krisenländer kaum senken würden. Goldverkäufe wirkten wie ein Offenbarungseid. Die Notenbanken wären blank, hätten keine Basis zur Rückkehr zu einer eigenen Währung.

Wenn keiner aus dem Euro mehr rauskäme, wäre das doch ganz im Interesse der EZB.

So gesehen schon. Sinnvoller nutzen könnten die Südländer ihre Goldreserven aber als Sicherheit bei der Ausgabe von neuen Staatsanleihen.

Goldpreis

Gäbe es dafür Nachfrage?

Davon gehe ich stark aus. Investoren bekommen Gold als Sicherheit plus Zinsen, und die Länder reduzierten ihre Finanzierungskosten und können ihr Gold behalten.

Werden die Schwellenländer den Goldanteil an den Währungsreserven weiter erhöhen?

Mit Blick auf den Husarenritt, den die Bank of Japan gerade unternimmt, werden die Schwellenländer ihre Goldquoten eher noch ausweiten. Für sie ist Gold die einzige Alternative, ihre wachsenden Währungsreserven zu diversifizieren. Zumal der Zinsverzicht der Goldhaltung im Vergleich etwa zu amerikanischen, deutschen oder japanischen Staatsanleihen kaum eine Rolle spielt.

Der Goldbedarf der Schwellenländer

Goldhändler berichten von starker physischer Nachfrage, die mit physischem Gold besicherten Fonds melden starke Abflüsse. Wer liegt am Ende richtig, der Krügerrand-Käufer oder der ETF-Verkäufer?

Ich tippe auf den Krügerrand-Käufer.

Wer steckt hinter den Verkäufen bei den ETF?

Das ist auch mir gegenwärtig noch ein Rätsel. Zumal die Verkäufe größtenteils den SPDR Gold Shares betreffen. Andere Anbieter melden kaum Abflüsse. Das ist nebulös.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben. Quelle: gms
Senioren sind Top-AnlegerDer Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren. Quelle: gms
Freud und Leid bei den AnlegernTrotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte ( 48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden. Quelle: dpa
Festgeld und Tagesgeld besonders beliebtIm laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen. Quelle: gms
Frauen mögen Festgeld und meiden AktienWährend Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar. Quelle: dpa
Potenzial für Immobilien und GoldNeben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen. Quelle: obs
Geringe Risikobereitschaft bei der AnlageTrotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit. Quelle: gms
Männer etwas risikofreudiger als FrauenSicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen. Quelle: dpa

Zweifeln Investoren daran, dass ihre Anteile dort komplett mit Barren besichert sind?

Das ist Spekulation, wäre aber eine Erklärung.

Dann bedeuteten die Abflüsse nicht zwingend den Abschied der Anleger vom Gold?

Zumindest ein Teil davon könnte umgeschichtet worden sein in Gold, auf das Anleger direkten Zugriff haben. Auch die hohen Abflüsse aus den Lagerhäusern der Comex führe ich auf starke physische Nachfrage aus Asien zurück.

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