Sicherer Hafen Gold "Die Notenbanken sitzen auf einem Pulverfass"

Geopolitische Krisen, riskantere Börsen, negative Realzinsen – Kult-Investor Felix Zulauf sieht wachsende Gefahren für Anleger, die verbreitete Sorglosigkeit sei trügerisch. Warum Gold wieder wichtiger werden dürfte.

Goldmünzen für die Geldanlage Quelle: Proaurum Presse

Gold übt seit mehr als 5000 Jahren eine Wertaufbewahrungsfunktion aus und hat seither alle Krisen, Kriege und Papierwährungsexperimente überlebt. Deshalb könnte das Edelmetall für Anleger bald wieder sehr wichtig werden, sagt der berühmte Schweizer Vermögensmanager Felix Zulauf.

Furore machte Zulauf, als er 1987 als Leiter des institutionellen Portfolio-Managements bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS) seine Kunden ungeschoren durch den damaligen Crash führte. Rechtzeitig vor dem Absturz der Kurse hatte er die Aktienquote in sämtlichen Kundendepots konsequent auf null reduziert. Seine Bewunderer sagen ihm seither nach, er gehöre zu den Leuten, die aus einem Tal über den nächsten Berg ins dahinterliegende Tal blicken können.

Für die Weltwirtschaft sieht Zulauf dort die nächste Rezession aufziehen und geopolitisch weitere Krisen: Die bipolare Ordnung, so Zulauf, das Machtgleichgewicht zwischen den Atomsupermächten USA und Sowjetunion, sei ebenso Geschichte wie die „Pax Americana“, die Periode der US-Vorherrschaft nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. In vielen Regionen sei dadurch ein geopolitisches Machtvakuum entstanden.

Gold werde als Anlage wieder interessant, wenn die Aktienmärkte unter Druck geraten. „Dann werden sich Anleger wieder gegen den Kursverfall bei Aktien schützen wollen und mit einem Teil ihres Vermögens in Gold umsteigen“, sagt Zulauf. Noch gehen die Börsen, trotz aller geopolitischen Spannungen, von einem robusten weltweiten Aufschwung aus und fürchten sich nicht vor einer Normalisierung der Geldpolitik.

Den Rückzugsplan aus der unkonventionellen Geldpolitik der US-Notenbank Fed legte deren Chefin Janet Yellen jetzt vor. Weitere Zinsanhebungen und ein Abbau der Notenbankbilanz wären tendenziell schlecht für Gold, das keine Zinsen abwirft.

Das billige Notenbankgeld wird nicht gebraucht

Doch der Optimismus und die Sorglosigkeit an den Börsen könnte trügerisch sein. Die Notenbanken haben die Welt überflutet mit Liquidität. Doch das Geld wird in der Realwirtschaft nicht gebraucht, weil die Weltwirtschaft mit Blick auf Demografie, Verschuldung, Überregulierung und Kapazitätsüberhängen kaum mehr wachsen kann. „Nun sitzen die Notenbanken auf einem Pulverfass und fragen sich, wie sie da wieder runter kommen sollen“, sagt Zulauf: „Wir werden sehen, wie lange die Fed ihren Normalisierungskurs durchhalten kann, wenn dies im zweiten Halbjahr zu Rückschlägen an den Aktienmärkten führen wird.“

Diese Fehler sollten Anleger beim Goldkauf unbedingt vermeiden
Goldbarren vor einer Tresortür. Quelle: REUTERS
Goldbarren Quelle: REUTERS
Goldbarren und Goldmünzen Quelle: dapd
Kleinere Goldbarren Quelle: dpa
Kleinere Goldbarren Quelle: dpa
Goldbarren Quelle: REUTERS
Goldbarren Quelle: dapd
Fehler Nr. 8: Steuerregeln ignorierenFür Münzen und Barren gilt eine Spekulationsfrist von zwölf Monaten. Wer erst danach verkauft und Kursgewinne erzielt, muss diese nicht versteuern. Anders bei den meisten Goldfonds: Bis auf wenige Ausnahmen werden Verkaufsgewinne mit der 25-prozentigen Abgeltungsteuer belegt. Um beim Verkauf kein böses Erwachen zu erleben, sollten sich Goldkäufer über die steuerliche Behandlung erkundigen. Quelle: dpa
Fehler Nr. 9: Sammler- statt AnlagemünzenGrundsätzlich müssen Sammlermünzen von Anlagemünzen unterschieden werden. Bei Sammlermünzen beeinflussen neben dem Goldgehalt auch Motiv, Zustand und Seltenheit eine wesentliche Rolle für den Preis. Auch sind Verkaufserlöse unabhängig von der Haltedauer (keine Spekulationsfrist) zu versteuern. Anlagemünzen sind hingegen Massenware, deren Preis allein vom Goldgehalt bestimmt wird und steuerlich bevorzugt werden. Typische und fast überall erhältliche Anlagemünzen sind etwa Krügerrand, Wiener Philharmoniker oder American Eagle. Im Bild: Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf", die auf der Rückseite ein Ahornblatt zeigt. Quelle: dpa
Fehler Nr. 10: Auf Goldschmuck vertrauenGoldschmuck ist keine wirklich brauchbare Alternative für Anlagemünzen oder Barren. Der Goldgehalt ist meist vergleichsweise gering, zudem muss man beim Kauf auf für Design und Handwerk bezahlen. Trifft der Schmuck aber nicht den Geschmack der Käufer, gibt es dafür nicht einmal den vollen Materialwert. Schließlich kostet Schmelzen und Gießen auch etwas. Quelle: dpa

Der US-Anleihemarkt scheint die Prognose des Schweizer zu bestätigen. Die Renditen von Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit drehen schon wieder nach unten. Offenbar glaubt der Anleihemarkt nicht an einen Aufschwung und signalisiert damit ebenfalls Risiken für eine Börsenkorrektur. Weil die Weltwirtschaft überschuldet ist und nicht genügend wächst, können es sich die Notenbanken ohnehin nicht erlauben, die Realzinsen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation, über Null zu heben.

Negative Realzinsen bedeuten Kaufkraftverluste für Sparer, die Bargeld oder kurzfristige Zinsanlagen halten. Die rasantesten Aufwärtsbewegungen erlebte der Goldpreis bisher immer dann, wenn die Zinsen Sparern keine Vermögenszuwächse mehr ließen. 

Die Risiken an den Börsen nehmen zu, die Märkte sind mit Notenbankgeld geflutet, die Aktienmärkte auf einem Hoch. Anleger, die ihr Vermögen schützen wollen, sollten Gold als sicheren Hafen ins Visier nehmen. Mehr erfahren Sie in der neuen WirtschaftsWoche (Ausgabe 27). Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die neue Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

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