Sicherer Hafen Gold Epochale "Draghi-Blase"

Dank weltweit steigender Schulden klettern die Vermögenspreise immer weiter. Gold bleibt im Umfeld einer zum Scheitern verurteilten experimentellen Geldpolitik die ultimative Hartwährung.

Goldbarren Quelle: obs

Wenn es eines letzten Beweises für eine völlig aus den Fugen geratene Finanzwelt bedurfte, so wurde dieser von der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen im März eindrucksvoll erbracht. Auf ihre völlig sinnfreie Aussage, dass die Fed im Bezug auf die von ihr seit Mitte 2013(!) dauerangekündigte Zinsanhebung nicht mehr „geduldig“, aber eben auch ... nicht „ungeduldig“ sein werde, reagierte die Weltleitwährung US-Dollar binnen Sekunden mit einem vierprozentigen Ohnmachtsanfall („flash crash“), während die Aktienkurse zeitgleich neue Rekordhöhen erklommen.

Zwar mögen die seit nunmehr bereits über sechs Jahren steigenden Vermögenspreise den Eindruck eines erfolgreichen Überwindens der Krise des Weltfinanzsystems erwecken, doch zeigt allein nur das Lavieren der Fed bezüglich einer Zinsnormalisierung, dass in Wirklichkeit genau das Gegenteil der Fall ist!

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Mit Blick auf den seit Ende 2007 um 8,9 Billionen Dollar auf aktuell 18,2 Billionen Dollar explodierten staatlichen Schuldenberg der USA und den weltweit bis Mitte 2014 um 50 Billionen Dollar auf 154 Billionen Dollar gestiegenen Gesamtschuldenvolumens respektive des darauf krönend aufgesetzten 563-Billionen-Dollar-Zinswetten-Casinos kann man – politisch gewollte – Zinserhöhungen getrost ausschließen, denn deutlich steigende Zinslasten wären für das gesamte Schuldgeldsystem nicht mehr verkraftbar. Der Internationale Währungsfonds errechnete im Oktober 2014 knapp vier Billionen Dollar an Verlusten, sollten die Zinsen nur um ein Prozentpunkt steigen!

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

Zuletzt versprühte die Fed-Chefin mit ihren Zinsausblick zwar Konjunkturoptimismus, doch wird dieser von den sich in den vergangenen Monaten immer stärker eintrübenden US-Konjunkturdaten – unter anderem rückläufige Einzelhandelsumsätze, schwache Auftragseingänge - allerdings nicht bestätigt.

Der aktuelle Abschwung könnte gar auf einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession hindeuten, so dass die kolportierte Straffung der US-Geldpolitik »völlig überraschend« in einer neuerlichen geldpolitischen Lockerungsrunde münden könnte!

Welche Länder sich im Club der Negativzins-Zahler befinden Quelle: RBS Credit Strategy

Wie zerstörerisch die von den großen Notenbanken verfolgte Nullzins- und Gelddruckpolitik für das Währungssystem am Ende allerdings sein wird, deutete EZB-Chef Mario Draghi zum Start seiner "open-end"-Billionen-Euro-Geldschwemme schon selbst an: „Mit unseren Maßnahmen könnten einige Risiken für die Finanzstabilität verbunden sein.“

Welche enorme Marktverwerfung das neueste "Rettungs"-Experiment der EZB bereits zum Start produzieren konnte, offenbaren die von Fundamentaldaten nunmehr völlig entkoppelten europäischen Anleihemärkten, die sich in eine epochale "Draghi-Blase" verwandelt haben! Rentierte noch vor Jahresfrist "lediglich" ein Staatsanleihevolumen im zweistelligen Milliarden-Euro-Volumen im negativen Bereich, so notieren von den in der EU ausstehenden etwa 6,7 Billionen Euro – niemals rückzahlbaren Staatsschulden – bereits heute etwa 1,7 Billionen Euro im Negativzinsbereich!

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Während die europäischen Anleihemärkte trotz dieser absurden Entwicklung noch stabil aussehen, straften die internationalen Devisenmärkte die letzte Tabus brechende europäische Inflationspolitik im Jahresvergleich schon deutlich ab. So wertete die Gemeinschaftswährung Euro nicht nur im Vergleich zu den direkten »Druckerpressen-Konkurrenten« wie Dollar oder Yen deutlich ab, sie erfuhr selbst gegen nunmehr "ehemalige" Dritte-Welt-Währungen im Jahresvergleich einen drastischen Wertverlust!

Einmal mehr sahen sich die Edelmetalle Gold und Silber im Monatsverlauf trotz der zunehmenden Verwerfungen im Finanzsystem mit neuerlichen Preisabschwüngen konfrontiert. Dennoch genügte der Druck der Papiergold-Trader letztlich nicht, um die seit nunmehr fast zwei Jahren ausgerufenen 1000-Dollar-und-tiefer-Preisprognosen der Bankanalysten in greifbare Nähe zu rücken. Unabhängig aber von den kurzfristigen Preisschwankungen bleibt Gold im Umfeld einer zum Scheitern verurteilten experimentellen Geldpolitik die ultimative Hartwährung.

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