WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Sicherheit fürs Vermögen Neue Kaufgelegenheiten beim Gold

Während sich Finanzanleger aus Gold weiter zurückziehen, steht charttechnisch beim Goldpreis eine Richtungsentscheidung an. Die aktuelle Preisschwäche können Sparer zum Aufbau von Goldreserven nutzen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Gold ist bei Anlegern nach wie vor ein geschätztes Edelmetall. Die aktuelle Preisschwäche könnte Sparern zugute kommen. Quelle: dpa

In der Geschichte brachten Gruppen, die meinten, das Werk Gottes zu verrichten, das größte Unheil über die Menschheit. Banken würden "Gottes Werk" verrichten, sagte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein einst in einem Anflug von Hybris. So gesehen ist höchste Vorsicht geboten, wenn Goldman Sachs jetzt den Goldboom für tot erklärt. Zumal die Begründung dünn ist: Die Wirtschaft in den USA erhole sich schneller als erwartet. Entsprechend erwarten die Anleger steigende Realzinsen am Kapitalmarkt. Und weil Gold keine Zinsen bringt, werde es unattraktiv, so Goldmans Goldexperten.

Preiseinbruch: Verkauft Euer Gold!
Ein kleiner Plastikbär, Symbol für den Abschwung an den Börsen, steht am Donnerstag (15.01.2009) in der Börse in Frankfurt am Main vor der DAX-Kurve. Quelle: dpa
A woman holds 100 euro (pink banknotes at bottom) and 100 Swiss francs (blue banknote at top) she withdrew from an ATM in a bank in Geneva Quelle: AP
A man looks at Sony and Panasonic TV sets at an electronics shop in Tokyo Quelle: REUTERS
 U.S. Federal Reserve Chairman Ben Bernanke Quelle: REUTERS
Eingangsbereich eines Geschäftes für Münzhandel, Gold- und Schmuckankauf Quelle: dpa
Erdöl wird mit Hilfe eines Tiefpumpenantriebes ("Pferdekopf") gefördert Quelle: dpa
A South Korean bank clerk stands behind a pile of U.S. dollar bills Quelle: REUTERS

Abgesehen davon, dass die USA auch in Sachen Gold nicht mehr der Nabel der Welt sind - die wichtigsten Märkte sind Indien und China -, lassen die Goldmänner auch offen, wie die Realzinsen spürbar steigen sollen. Die großen Zentralbanken in den USA, Japan und Europa können es sich nicht erlauben, die Zinsen zu erhöhen, wenn sie keinen Zusammenbruch ihrer überschuldeten Volkswirtschaften riskieren wollen. Im Gegenteil. Sie drücken die Marktzinsen und kaufen immer größere Mengen Anleihen auf mit frisch gedrucktem Geld. Sollten sie ihr Ziel erreichen, und die Wirtschaft zieht tatsächlich an, und es geschieht ein Jobwunder, dann steigt das Inflationsrisiko. Das löste eher zusätzliche Goldnachfrage aus. Tatsache ist, dass mehr und mehr Papiergeld geschaffen wird. Das Währungsmetall Gold lässt sich dagegen nicht im gleichen Tempo aus dem Boden holen. Steigende Realzinsen könnten den Goldboom gar befeuern - falls sie das Ergebnis von drohender Zahlungsfähigkeit von Schuldnern sind. Gold geht nie pleite.

"Das Gold-Comeback kommt"

Der aktuelle Rücksetzer ist keine Folge einer stark sinkenden physischen Goldnachfrage in China und Indien oder einer plötzlichen Angebotsschwemme aus den Goldminen. Finanzanleger haben zuletzt ihre spekulativen Kaufpositionen an der Terminbörse Comex in New York geräumt - einige, weil sie liquidieren mussten; andere freiwillig, weil bei ihnen das Interesse an dem sicheren Hafen wegen der vorübergehenden Ruhe an den Anleihemärkten und mit Blick auf steigende Aktienmärkte nachgelassen hat. Aus dem gleichem Grund verzeichneten auch die mit physischem Gold besicherten Goldfonds (ETF) seit Mitte Februar Abflüsse von 100 Tonnen. Sie waren aber Folge der Preisschwäche, nicht deren Auslöser.

Technisch nicht K.O.

Taugt Gold als Krisenwährung?
1980Zu Beginn des Jahres 1980 steigt der Goldpreis erstmalig auf 850 US-Dollar (inflationsbereinigt 2.100 US-Dollar). Steigende Ölpreise und die damit verbundene hohe Inflation, der sowjetische Einmarsch in Afghanistan und die Revolution in Iran sorgen weltweit für Verunsicherung. Goldpreis am Ende des Jahres:589,8 US-Dollar 392,4 Euro 119.823,1 Yen 246,7 Pfund 1.047,8 Schweizer Franken Quelle: ap
1997Die Finanz- und Wirtschaftskrise der Tigerstaaten von 1997-1998 (Asienkrise) ließ einen Großteil Asiens in eine Rezession verfallen. Gründe für die Krise waren exzessive Kreditaufnahme und maßlose Investitionen der Tigerstaaten. Die asiatischen Banken nahmen Kredite in US-Dollar auf und vergaben Kredite in inländischen Währungen. Das ging aber nur so lange gut, so lange der Dollar gegenüber dem Yen und anderen asiatischen Währungen schwach war. Als der Dollar ab 1995 anfing aufzuwerten, hatten die asiatischen Institute Probleme ihre Schulden zurückzuzahlen. Als die Gläubiger dies witterten zogen, sie ihr Kapital im großen Stil aus Asien ab, was wiederum die asiatischen Währungen schwächte. Eine sich selbst verstärkende Kapitalflucht ließ die Wirtschaft der Tigerstaaten einknicken. Goldpreis am Ende des Jahres:290,2 US-Dollar 266,1 Euro 37.733Yen 176,4 Pfund 423,3 Schweizer Franken Quelle: ap
1998Wirtschaftliche Probleme kamen in Russland bereits nach der Asienkrise 1997 auf. Doch als dann 1998 massiv Kapital, unter anderem auch von asiatischen Investoren, abgezogen wurde, brach die Wirtschaft Russlands endgültig ein. Der Rubel geriet massiv unter Druck und Unternehmen konnten ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, weil sie für die Waren kein Geld mehr bekamen. Der Großteil der Bürger konnte keine Steuern mehr zahlen. Folge: Russland wurde zahlungsunfähig. In den USA erholt sich dagegen die Wirtschaft und die Inflation des US-Dollars lässt nach. Dies drückte in den vorangegangenen Jahren den Goldpreis deutlich nach unten. Goldpreis am Ende des Jahres:287,8 US-Dollar 245,1 Euro 32.463,8 Yen 173,0 Pfund 395,3 Schweizer Franken Quelle: Reuters
1999Gordon Brown verkaufte von 1999 bis 2002 systematisch einen Großteil der Goldbestände Großbritanniens - und das obwohl der Goldpreis bei einem 20-Jahres-Tief lag. Zu der Zeit war er noch Schatzkanzler. Als er später Premierminister wurde, holte ihn die Vergangenheit ein: er erntete viel Kritik wegen der Goldverkäufe. Doch eine Schädigungsabsicht konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Großbritannien sind durch die Auktionen, verglichen mit dem heutigen Goldpreis, mehr als sieben Milliarden Dollar entgangen -der Goldpreis hat sich seit dem vervierfacht Brown wird deshalb vorgeworfen Großbritannien bewusst geschädigt zu haben. Zumal er die Verkäufe im Vorfeld ankündigte, was den Preis bereits vor der Auktion fallen ließ und ihm eine schlechte Verhandlungsposition einräumte. Es gibt Gerüchte, dass Brown vor der Einführung des Euro mithelfen wollte den Goldpreis zu drücken. Diese These konnte aber bisher niemand beweisen. Insgesamt verkaufte Gordon Brown 395 von 715 Tonnen. Die Zeit wird in England als „Gordon Bottom“ bezeichnet. Bis heute ist dieses Kapitel nicht endgültig durchleuchtet - die Motivation Browns bleibt damit ein Rätsel. Goldpreis am Ende des Jahres:290,3 US-Dollar 289,6 Euro 29.708 Yen 180,1 Pfund 464,6 Schweizer Franken Quelle: dapd
2000Im März des neuen Jahrtausends platzte die Dotcom-Blase. Anleger waren die Jahre zuvor nahezu versessen in Aktien von Internetunternehmen. Firmen mit nur einem PC und einem Büro hatten plötzlich einen höheren Börsenwert, als Firmen mit ganzen Lagerhallen, die materielle Güter produzierten. Grund war die Annahme, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei: die New Economy. Man dachte, dass Produktion und Material weniger wert würden und Ideen das Gut der Zukunft seien. Aktien von Internet-Start-Ups waren deshalb teurer, als die von Traditionsunternehmen. Doch der Irrtum flog auf, als die ersten Internetfirmen Insolvenz anmeldeten und Anleger scharenweise aus Internetaktien flüchteten und die Blase zum platzen brachten. Der Goldpreis fiel in den Neunzigerjahren stetig. Vor allem wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung (auch dank der New Economy) der USA von 1994 bis 2001. Anleger misstrauten Aktien nach der Dotcom-Blase und begannen in ein altbewährtes Gut zu investieren: Gold. Der Goldpreis wird seitdem rapide steigen. Goldpreis am Ende des Jahres:274,5 US-Dollar 292,3 Euro 31.342 Yen 183,7 Pfund 444,7 Schweizer Franken Quelle: ap
2001Am 11. September 2001 stürzten wegen eines Terroranschlags die Zwillingstürme des World-Trade-Centers ein. Die westliche Welt wurde grundlegend erschüttert und das Sicherheitsgefühl vieler Menschen zerstört. Die wachsende Unsicherheit schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seit 2001 nur noch eine Richtung kannte: aufwärts. Für den ständig ansteigenden Goldpreis ist auch die Geldpolitik der USA verantwortlich, die mit ihrer Politik des billigen Geldes seit 2000 die Finanzmärkte mit Geld überflutete. Grund war der Versuch das Leistungsbilanzdefizit durch eine Entwertung des Dollars zu reduzieren. Folge des billigen Geldes war, dass Finanzinstitute exzessiv (Immobilien-)Kredite vergaben und diese Privatschulden schließlich an Investoren weiterverkauften - die perfekte Blase wuchs und wuchs, bis sie schließlich 2007 platzte. Goldpreis am Ende des Jahres:276,5 US-Dollar 310,5 Euro 36.238 Yen 190 Pfund 459,1 Schweizer Franken Quelle: dpa
2008Am 15.September 2008 beantragte die US-Bank Lehman Brothers das Insolvenzverfahren. Da die US-Regierung vorher bereits drei großen Banken geholfen hatte, tat sie dies bei Lehman nicht mehr. Die Pleite blieb nicht ohne Folgen: Banken fingen an sich gegenseitig kein Geld mehr zu leihen, Anleger zogen ihr Geld von Banken ab. Die Finanzkrise, die 2007 als Immobilienkrise begann, spitzte sich daraufhin weiter zu. Goldpreis am Ende des Jahres:869,8 US-Dollar 625,7 Euro 78.842 Yen 604,9 Pfund 925,7 Schweizer Franken Quelle: dapd

Weil sich die Papiergeldmenge der wichtigsten Reservewährungen mit noch höherer Geschwindigkeit erhöhen wird, wird auch der in Papierwährungen ausgedrückte Preis für Gold wieder steigen. Der langfristige Bullenmarkt für Gold ist intakt.

Chartgrafik zum Goldpreis Spätestens bei 1.500 bis 1.550 Dollar muss der Goldpreis wieder nach oben drehen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Charttechnisch ist das Bild nicht ganz so klar: Nach 600 Prozent Plus in zwölf Jahren ist die Aufwärtsbewegung im Gold schon weit fortgeschritten. Innerhalb des großen Trends fanden bisher drei mittelfristige Konsolidierungen statt (Punkte 1, 2, 3 in der Chartgrafik, zum Vergrößern anklicken), das kennzeichnet einen reifen Markt. Ein Warnsignal ist der Bruch des von 2009 bis 2011 bestehenden steilen Aufwärtstrends (4). Alle drei Konsolidierungen dauerten jeweils etwa 18 Monate; genau 18 Monate sind auch jetzt wieder verstrichen seit dem Hoch im September 2011. Eine Entscheidung über den Trend dürfte also bevorstehen.

Allerdings, noch hat der Goldpreis nach klassischen Chart-Regeln keine Abwärtsformation gebildet (spiegelbildlich zur Bodenformation, 5). Bisher sind die Schwankungen seit 2011 nur eine weitere mittelfristige Konsolidierung im langfristigen, intakten Aufwärtstrend.

Der Edelmetallausblick 2013 der Commerzbank

Viel tiefer als beim jüngsten Ausrutscher auf 1.550 darf der Goldpreis aber nicht mehr fallen. Zum einen verläuft hier die untere Parallele (6) zur Dachlinie der Hochspitzen (7); zum anderen wäre bei einem nachhaltigen (um mehr als drei Prozent) Bruch der entscheidenden Unterstützung bei 1.550 (8) eine obere Wende in Form eines Abwärtsdreiecks abgeschlossen. Ein solches Verkaufssignal könnte einen schnellen Rückgang auf den seit 2005 bestehenden Trend einleiten, der momentan bei gut 1.400 verläuft (9). Mittelfristig könnte es dann sogar bis auf die letzte, seit 2001 bestehende Trendlinie gehen, die bis Ende des Jahres etwa 1.200 erreichen wird (10).

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Charttechnisches Fazit: Es ist knapp, aber bei Goldpreisen über 1.550 ist der große Trend in Ordnung. Damit das so bleibt, muss Gold nun bald steigen und in den nächsten Monaten den Widerstand bei 1.800 überspringen (11). Dann steht eine neue Phase der Gold-Hausse zur Debatte.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%