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Soziale Ungleichheit Wie reich sind die Reichen?

Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Reichen offenbar noch reicher sind als gedacht. Wie vermögend die Superreichen wirklich sind, weiß aber niemand. Braucht es offizielle Daten?

Menschen posieren auf der Amsterdamer Millionärsmesse neben einem Bugatti Veyron. Quelle: dpa

Die Vermögenden in Deutschland sind noch reicher als bisher angenommen. Wie reich sie aber genau sind, dass wissen wir nicht so genau. So lautet die Botschaft einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, welche im Auftrag der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung erstellt wurde.

Demnach ist das Vermögen in Deutschland noch ungleicher verteilt als es bisher den Anschein hatte. Den neuen DIW-Berechnungen zufolge besitzt das reichste Prozent der deutschen Bevölkerung sogar ein Drittel statt dem bisher angenommenen Fünftel des gesamten Privatvermögens.

Auch das gesamte Vermögen der Bundesbürger ist durch die neuen Schätzungen demnach von 6,3 auf bis zu 9,3 Billionen Euro 2012 gestiegen. Nach alten Schätzungen besaßen die reichsten 0,1 Prozent der deutschen Haushalte rund fünf Prozent des Gesamtvermögens, nun sind es sogar bis zu 16 Prozent.

Das sind die reichsten Frauen Deutschlands
Das „Manager Magazin“ erstellt alljährlich eine Liste der 500 reichsten Bundesbürger – wir konzentrieren uns auf die Damen. Als reichste Frau Deutschlands gilt die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten (geborene Quandt). Sie ist die Tochter von Herbert Quandt und seiner dritten Ehefrau Johanna. Zusammen mit ihrem Bruder Stefan, sowie Mutter Johanna Quandt gehört Klatten zur reichsten Familie Deutschlands. Das Forbes Magazine listet Susanne Klatten 2014 auf Platz 50 der reichsten Menschen der Welt. Quelle: AP
Bis zu ihrem Tot galt Johanna Quandt als Teil des Quandt-Imperiums nach ihrer Tochter Susanne Klatten als zweitreichste Frau Deutschlands. Die drei Quandts halten 46,7 Prozent am Weltkonzern BMW. Dazu kommen der Chemiekonzern Altana , sowie Anteile an den Industriekonzernen SGL Carbon und Nordex. Ihr Vermögen wird auf 31 Milliarden Euro geschätzt. Quelle: dpa-dpaweb
Beate Heister heißt die Frau beim Konzern Aldi Süd: Sie ist die Tochter von Karl Albrecht, der im Juli 2014 verstorben ist. Die Familien Albrecht und Heister belegen mit einem Vermögen von 18,3 Milliarden Euro Platz zwei der Liste des Manager Magazins. Quelle: dpa
Maria-Elisabeth Schaeffler (geboren 1941 im Prag) ist zusammen mit ihrem Sohn Georg Gesellschafterin der Schaeffler AG. Die beiden übernahmen den Reifen- und Autoteilekonzern Continental Chart. Maria-Elisabeth Schaeffler hält 20 Prozent der Holding, ihr Sohn die restlichen 80 Prozent. Im Sommer hat sie den Ex-BDI-Präsidenten Jürgen Thumann geheiratet. Quelle: REUTERS
Auf Platz vier der reichsten Deutschen setzt das Manager Magazin die Eigner der zweiten Hälfte des Aldi-Imperiums - Aldi Nord. Babette Albrecht spielt hier eine wichtige Rolle: Sie ist die Witwe des 2012 verstorbenen Aldi-Nord-Erben Berthold Albrecht. Das Vermögen des Familien-Zweigs wird auf 16,5 Milliarden Euro geschätzt. Quelle: dpa
Auch auf Platz fünf der reichsten Deutschen befinden sich Besitzer eines Discounters: Dieter Schwarz gehört Lidl. Die Frau an seiner Seite heißt Franziska - beide zeigen sich nur höchst selten der Öffentlichkeit. Quelle: dpa-dpaweb
Verschwiegen und äußerst öffentlichkeitsscheu ist die Familie Reimann, die Platz 6 der reichsten Deutschen belegt. Den Reimanns gehören elf Prozent am Konsumgütergiganten Reckitt Benckiser Chart (Calgon, Kukident, Clearasil), aber auch Anteile am Parfümriesen Coty sowie diverse Luxusmarken wie Jimmy Choo, Bally und Belstaff. Die mächtigste Frau im Reimann-Clan ist Renate Reimann-Haas (Jahrgang 1951). Quelle: REUTERS

Stellt sich die Frage, warum wir so wenig über das Vermögen der Reichsten wissen und warum die Angaben bisher so ungenau waren. Und: Sind die Daten jetzt besser?

Bisher haben Forscher versucht, die Ungleichheitsfrage beispielsweise mit Daten aus dem sogenannten Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zu beantworten, einer großen Umfrage unter rund 12.000 privaten Haushalten in Deutschland. Auch Vermögensdaten der Bundesbank sind in die Berechnungen eingeflossen.

Befragt werden beim SOEP allerdings regelmäßig die gleichen Haushalte. Die Wahrscheinlichkeit, einen Milliardär dabei zu erwischen, der auch noch etwas über seine Vermögenssituation preisgibt, sei sehr gering, erklärt DIW-Verteilungsexperte Markus Grabka.

Keine offiziellen Daten

Besser als Umfragedaten wären offizielle Daten. Diese sind in Deutschland aber nicht verfügbar, unter anderem weil es keine Vermögensteuer gibt. "Wir müssen die Top-Vermögen also schätzen", erklären die DIW-Forscher.

Deshalb beruhen die neuen Berechnungen nicht nur auf dem SOEP, sondern auch auf anderen Vermögensdaten wie dem bekannten Ranking des US-Magazins "Forbes". Dort werden Personen gelistet, die ein geschätztes Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen. 2013 waren 57 Deutsche auf der vom mexikanischen Milliardär Carlos Slim angeführten Liste, darunter die Erben der Aldi-Brüder und die BMW-Erbin Susanne Klatten.

Es wurden verschiedene Szenarien errechnet, um die Daten der Forbes-Liste nicht zu hoch zu bewerten. Die Unterschiede zu den ursprünglichen Daten seien aber in allen Szenerien erheblich, so die Forscher.

Die Szenarien-Lösung lässt allerdings bereits erkennen, dass auch die neuen Berechnungen letztlich nur auf Schätzungen beruhen. Das räumen auch die DIW-Forscher ein.

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Auch wenn es sich um Schätzungen handelt, dürften die Daten die Debatte um soziale Ungleichheit und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich erneut befeuern. Dazu gehört auch die Forderung nach einer Vermögensteuer, wie sie unter anderem auch der französische Ökonom Thomas Piketty stellte, der in seinem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" die Gründe für Ungleichheit in Industrieländern untersuchte.

Aber in Deutschland ist die Reichen-Steuer höchst umstritten, auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich mittlerweile von der Idee verabschiedet. Viele Experten befürchten, dass eine solche Steuer vor allem den in Deutschland so wichtigen Mittelstand treffen würde, da Firmen- und Privatvermögen nur schwer voneinander zu trennen seien. Zudem sei zu befürchten, dass das Vermögen der Superreichen längst außer Landes sei - die neue Schwarzgeldaffäre rund um die Schweizer Tochter der HSBC ("Swissleaks") unterstreicht diese These leider.

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