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Soziale Ungleichheit Wie reich sind die Reichen?

Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Reichen offenbar noch reicher sind als gedacht. Wie vermögend die Superreichen wirklich sind, weiß aber niemand. Braucht es offizielle Daten?

Menschen posieren auf der Amsterdamer Millionärsmesse neben einem Bugatti Veyron. Quelle: dpa

Die Vermögenden in Deutschland sind noch reicher als bisher angenommen. Wie reich sie aber genau sind, dass wissen wir nicht so genau. So lautet die Botschaft einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, welche im Auftrag der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung erstellt wurde.

Demnach ist das Vermögen in Deutschland noch ungleicher verteilt als es bisher den Anschein hatte. Den neuen DIW-Berechnungen zufolge besitzt das reichste Prozent der deutschen Bevölkerung sogar ein Drittel statt dem bisher angenommenen Fünftel des gesamten Privatvermögens.

Auch das gesamte Vermögen der Bundesbürger ist durch die neuen Schätzungen demnach von 6,3 auf bis zu 9,3 Billionen Euro 2012 gestiegen. Nach alten Schätzungen besaßen die reichsten 0,1 Prozent der deutschen Haushalte rund fünf Prozent des Gesamtvermögens, nun sind es sogar bis zu 16 Prozent.

Die zehn reichsten Frauen der Welt 2019
10. Platz Platz zehn der reichsten Frauen der Welt geht an Kwong Siu-hing. Die 89-Jährige ist die größte Aktionärin des Hongkonger Immobilienentwicklers Sin Hung Kai Properties, der von ihrem 1990 verstorbenen Mann Kwok Tak-seng mitgegründet wurde. Das Vermögen der Witwe beläuft sich auf 15,1 Milliarden Dollar. Damit ist sie im Forbes-Ranking der reichsten Menschen der Welt auf Platz 78. Quelle: AFP
9. Platz Mit einem Gesamtvermögen von 15,2 Milliarden Dollar landet die australische Bergbau-Unternehmerin Gina Rinehart auf dem neunten Platz der reichsten Frauen der Welt. Nach dem Tod ihres Vater 1992 erbte die heute 65-Jährige das familiäre Firmenimperium Hancock Prospecting. Im gesamten Ranking belegt sie Platz 75 der reichsten Menschen. Quelle: AFP
8. Platz Iris Fontbona erbte im Jahr 2005 von ihrem Mann Andrónico Luksic das chilenische Bergbauunternehmen Antofagasta. Ihr daraus resultierendes Vermögen plus ihr Immobilienvermögen in Kroatien beschert ihr ein Gesamtvermögen in Höhe von 15,4 Milliarden Dollar. Damit liegt die 76-Jährige im Forbes-Ranking der reichsten Menschen überhaupt auf Platz 74. Fontbona wohnt mit ihrer Familie in Santiago de Chile. Quelle: REUTERS
7. PlatzAbigail Johnson folgte 2014 ihrem Vater Edward "Ned" Johnson und übernahm den Chefposten von Fidelity Investments, einer der größten Fondgesellschaften der Welt. Mit einem Vermögen von 15,6 Milliarden Dollar belegt die 57-Jährige den siebten Platz. Damit ist sie auf Rang 71 in der Liste der reichsten Menschen der Welt. Quelle: AP
Witwe des Apple-Gründers Steve Jobs. Laurene Powell Jobs
Die Quandt-Erbin Susanne Klatten Quelle: AP
4. Platz Den vierten Platz im Ranking belegt Yang Huiyan. Sie ist die Tochter des Immobilienunternehmers Yeung Kwok Keung, der ihr bereits 1997 knapp 60 Prozent der Anteile am Immobilienunternehmen Country Garden überschrieb. Mit ihrem Vermögen von 22,4 Milliarden Dollar ist die 37-Jährige die reichste Frau in China. Im weltweiten Ranking belegt sie den 42. Platz. Quelle: dpa

Stellt sich die Frage, warum wir so wenig über das Vermögen der Reichsten wissen und warum die Angaben bisher so ungenau waren. Und: Sind die Daten jetzt besser?

Bisher haben Forscher versucht, die Ungleichheitsfrage beispielsweise mit Daten aus dem sogenannten Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zu beantworten, einer großen Umfrage unter rund 12.000 privaten Haushalten in Deutschland. Auch Vermögensdaten der Bundesbank sind in die Berechnungen eingeflossen.

Befragt werden beim SOEP allerdings regelmäßig die gleichen Haushalte. Die Wahrscheinlichkeit, einen Milliardär dabei zu erwischen, der auch noch etwas über seine Vermögenssituation preisgibt, sei sehr gering, erklärt DIW-Verteilungsexperte Markus Grabka.

Keine offiziellen Daten

Besser als Umfragedaten wären offizielle Daten. Diese sind in Deutschland aber nicht verfügbar, unter anderem weil es keine Vermögensteuer gibt. "Wir müssen die Top-Vermögen also schätzen", erklären die DIW-Forscher.

Deshalb beruhen die neuen Berechnungen nicht nur auf dem SOEP, sondern auch auf anderen Vermögensdaten wie dem bekannten Ranking des US-Magazins "Forbes". Dort werden Personen gelistet, die ein geschätztes Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen. 2013 waren 57 Deutsche auf der vom mexikanischen Milliardär Carlos Slim angeführten Liste, darunter die Erben der Aldi-Brüder und die BMW-Erbin Susanne Klatten.

Es wurden verschiedene Szenarien errechnet, um die Daten der Forbes-Liste nicht zu hoch zu bewerten. Die Unterschiede zu den ursprünglichen Daten seien aber in allen Szenerien erheblich, so die Forscher.

Die Szenarien-Lösung lässt allerdings bereits erkennen, dass auch die neuen Berechnungen letztlich nur auf Schätzungen beruhen. Das räumen auch die DIW-Forscher ein.

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Auch wenn es sich um Schätzungen handelt, dürften die Daten die Debatte um soziale Ungleichheit und die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich erneut befeuern. Dazu gehört auch die Forderung nach einer Vermögensteuer, wie sie unter anderem auch der französische Ökonom Thomas Piketty stellte, der in seinem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" die Gründe für Ungleichheit in Industrieländern untersuchte.

Aber in Deutschland ist die Reichen-Steuer höchst umstritten, auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich mittlerweile von der Idee verabschiedet. Viele Experten befürchten, dass eine solche Steuer vor allem den in Deutschland so wichtigen Mittelstand treffen würde, da Firmen- und Privatvermögen nur schwer voneinander zu trennen seien. Zudem sei zu befürchten, dass das Vermögen der Superreichen längst außer Landes sei - die neue Schwarzgeldaffäre rund um die Schweizer Tochter der HSBC ("Swissleaks") unterstreicht diese These leider.

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