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Sparverhalten Warum Deutsche auch ohne Zinsen sparen

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Kredit nur für Immobilien, Aktien eher ungern

Womit die Deutschen am liebsten zocken
Platz 15: RWEDer zweitgrößte Energieversorger Deutschlands RWE hat es derzeit nicht leicht. Zwar konnte RWE einen Rechtsstreit mit Gazprom gewinnen, hob seine Prognose aber nicht an - das enttäuschte die Anleger. Größtes Problem für die deutschen Versorger bleibt immer noch die Energiewende. Einige wetten bei der Aktie auf ein Comeback. Man kann aber auch mit Zertifikaten auf die RWE-Aktie wetten. Insgesamt handelten die Deutschen mit dem Basiswert RWE Zertifikate im Volumen von 80 Millionen Euro. Quelle: dpa-dpaweb
Platz 14: MDaxDer kleine Bruder des Dax schlägt den großen Index bei der Performance um Längen. Allerdings gilt der MDax als schwankungsanfälliger. Als Spekulationsobjekt ist der MDax jedoch nicht so beliebt wie der Dax. Die deutschen Investoren orderten Zertifikate auf den MDax in einem Gesamtvolumen von 87 Millionen Euro. Quelle: dpa
Bayer Logo Quelle: dpa
Platz 12: BMWDie Aktie des Premium-Autobauers hatte in den vergangenen Jahren eine tolle Performance. Gemeinsam mit Audi und Mercedes kämpfen BMW um das Premiumsegment, wobei Mercedes zuletzt deutlich abgehängt wurde. BMW ist auch ein beliebter Zockerwert für die Deutschen. Sie handelten Zertifikate im Volumen von 104 Millionen Euro. Quelle: dpa
Platz 11: GoldBei kaum einem Anlageprodukt scheiden sich die Geister so stark wie bei Gold. Während die einen die Goldrally für beendet erklären, schwören die anderen auf die gelben Barren in dem Glauben, die Euro-Krise werde sich verschärfen. Kein Wunder also, dass auf Gold auch viel spekuliert wird. Die Deutschen orderten Zertifikate im Wert von insgesamt 106 Millionen Euro. Den größten Teil mit 96 Millionen Euro bildeten die Index- und Partizipationsscheine. Quelle: dpa
Platz 10: Nikkei 225Die Geldflut der japanischen Notenbank hat die japanischen Aktien in die Höhe getrieben. Erste Anzeichen einer Besserung der Wirtschaftslage gab es auch. Die Notenbanken, einschließlich der Bank of Japan, rücken immer mehr in den Fokus der Marktteilnehmer. Japan wurde damit für deutsche Anleger wieder interessant. Sie handelten Zertifikate auf den Nikkei im Volumen von 110 Millionen Euro. Quelle: AP
Platz 9: EonDer Energieversorger Eon hat mit der Energiewende zu kämpfen. Versorger-Aktien sind für ihre hohen Dividenden bekannt, da der Kursverlauf der Aktien recht unspektakulär ist. Anleger wetten gerne mit der Eon-Aktie, und zwar in einem Volumen von 110 Millionen Euro. Am meisten handelten sie Discount- und Bonus-Zertifikate. Quelle: REUTERS

Auch das Verhältnis der Deutschen zum Kredit ist anders als etwa in den angelsächsischen Ländern. „Der Konsumentenkredit spielt bei uns eine sehr geringe Rolle und weist interessanterweise auch mit dem privaten Konsum keinen deutlichen Zusammenhang auf. Wir haben zumindest in unserer Untersuchung keine klare Antwort darauf gefunden, warum jemand einen Konsumkredit aufnimmt“, erklärt Forscher Schmidt. Das sei etwa in den USA ganz anders. „Dort werden die größeren Anschaffungen über Kredite finanziert. Dementsprechend besteht dort ein direkter Zusammenhang zwischen Kreditnachfrage und Konsum.“ In Deutschland wird ihm zufolge der weitaus größte Teil der Anschaffungen aus Ersparnissen finanziert. Dementsprechend niedrig sei die Verschuldungsquote. Konsum auf Pump ist offenbar auch dann unpopulär, wenn er finanzmathematisch sinnvoll ist, weil die Kreditzinsen niedrig sind und die Preise klettern.

Deutlich positiver sehen das die Deutschen offenbar beim Thema Immobilien. Sie gelten vielen als bleibender Sachwert, der vor Inflation schützt. Für die sicherheitsorientierten Deutschen sind Häuser und Wohnungen daher eine sinnvolle Alternative zum Sparen ohne Rendite. Vielmehr werden die Ersparnisse gerne dazu verwendet, die Kredithöhe zu drücken und so zu einer konservativen und entsprechend vorsichtigen Finanzierung zu gelangen. Auch die rekordniedrigen Bauzinsen verleiten deutsche Häuslebauer offenbar nicht dazu, ein höheres Finanzierungsrisiko einzugehen. Auch das überproportionale Wachstum im Geschäft mit Bausparverträgen spricht für die große Vorsicht deutscher Sparer. Das geht aus den Angaben von Finanzierungsvermittlern wie Dr. Klein oder Interhyp hervor. Wegen der großen Vorsicht der Deutschen konnte sich deshalb bislang auch noch keine Immobilienblase bilden wie etwa in den USA, den Niederlanden oder Belgien, wo die Immobilienpreise aufgrund der hohen Nachfrage über viele Jahre massiv gestiegen waren. Dort überstiegen oder übersteigen die Kreditpflichten der Immobilienbesitzer nicht selten den Wert der finanzierten Immobilie.

Rendite nur mit Wertpapierbeimischung

Wer für den Ernstfall Rücklagen bilden will ohne Verlustrisiken einzugehen, dem ist mit Aktien auch nicht geholfen. Wer jedoch Vermögen aufbauen will und somit Wert auf eine attraktive Verzinsung der Geldanlage legt, kommt kaum an Aktien vorbei. Denn an den niedrigen Zinsen auf Spareinlagen wird sich so schnell nichts ändern. Solide Aktien mit begrenzten Kursverlustrisiko und attraktiver Dividende sind daher auch für risikoscheue deutsche Sparer eine Alternative, die es abzuwägen gilt. Allerdings sollten Aktien bei risikoscheuen Anlegern nur einen Bruchteil der Ersparnisse ausmachen und der Anlagehorizont zumindest über mehrere Jahre reichen. Wer sein Geld zur Unzeit benötigt, läuft sonst Gefahr, verkaufen zu müssen, wenn die Papiere gerade im Minus stehen.

Die Sorge vor Verlusten mit Aktien ist bei den Deutschen besonders ausgeprägt. Wie kürzlich eine Umfrage der Online-Bank Comdirect ergab, hält etwa knapp die Hälfte der Briten, Polen und Schweden Aktieninvestments für eine geeignete Form der Altersvorsorge. In Deutschland glaubt das nicht einmal ein Drittel.

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Wesentlich entspannter als mit einzelnen Aktien lassen sich die Renditechancen mit Aktien- oder Fondssparplänen verbessern. Hier ist weniger das ideale Timing für Kauf und Verkauf entscheidend als Regelmäßigkeit und Ausdauer. Wird ein fester Betrag monatlich investiert, erhält der Sparer nämlich in Zeiten niedriger Kurse mehr Anteile und bei hohen Kursen entsprechend weniger. So werden heftige Kursschwankungen über die Jahre geglättet und das Verlustrisiko mit der Zeit gemindert. Nur beim Verkauf der Anteile sollte der Sparer einen möglichst guten Zeitpunkt erwischen.

Wem Rendite also nicht so wichtig ist, wie das Sparen als Vorsichtsmaßnahme, kann auch mit bescheidenen Mitteln seine Verzinsung verbessern. Dafür muss er allerdings das Risiko in seinen Anlagen erhöhen. Denn mehr Risiko ist im derzeitigen Zinsumfeld der einzige Weg, der „kalten Enteignung“ zu entgehen.

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