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SPD-Antrag Kommen die Bundesschatzbriefe zurück?

Seit dem 1. Januar 2013 werden keine Bundesschatzbriefe mehr verkauft. Der letzte wird am 1. September 2019 fällig. Doch nun will die SPD offenbar ein Comeback dieser Geldanlage ermöglichen.

Geht es nach dem Willen der SPD, nimmt die Bundesrepublik das Privatkundengeschäft wieder auf und gibt wieder Schatzbriefe aus. Quelle: dpa

Es war das Ende einer Geldanlage-Ära: Nach mehr als vier Jahrzehnten stellte der Staat am 1. Januar 2013 den Verkauf von Bundesschatzbriefen ein. Auch Bundesanleihen mussten Privatkunden seit Januar über ihre Hausbank erwerben und dafür Gebühren zahlen. "Die Kosten des Privatkundengeschäfts standen insbesondere in jüngerer Vergangenheit in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr zu seiner Bedeutung bei der Kreditaufnahme", rechtfertigte ein Sprecher der Finanzagentur den Schritt des Bundes. Noch im Januar 2011 schwärmte die Frankfurter Behörde von der "beachtlichen Erfolgsgeschichte, die der Bundesschatzbrief seit über 40 Jahren und mehr als 500 Ausgaben schreibt". Im Juli 2012 wurde dann der Beschluss zum Ausstieg verkündet.

In der jüngsten Krise büßten Bundeswertpapiere für Privatanleger an Attraktivität ein: Weil die Zinsen im Euroraum auf Rekordtief liegen, werfen solche Anlagen nur noch mickrige Renditen ab. Dagegen stürzen sich Banken, Versicherer und Fonds auf deutsche Schuldtitel, weil diese als einer der wenigen verbliebenen sicheren Häfen im Euroraum gelten. Investoren nahmen teils sogar Negativzinsen in Kauf.

Entwicklung der Staatanleihen in der Schuldenkrise
Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010 Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen USA Quelle: Bloomberg
Staatsanleihen Griechenland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Portugal Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Irland Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Italien Quelle: Bloomberg
Bundesanleihen Spanien Quelle: Bloomberg

Doch jetzt will die SPD offenbar die Rückkehr der Schatzbriefe. Im Koalitionsvertrag ist die Wiederaufnahme des Privatkundengeschäfts zwar kein Thema, allerdings habe die SPD einen entsprechenden Antrag eingereicht, wie ein Sprecher gegenüber dem Handelsblatt sagte. "Es gibt dazu einen Antrag der SPD, der weiterhin Gültigkeit hat", so Carsten Schneider. Dadurch, dass Schatzbriefe nicht mehr über die Schuldenverwalterin des Bundes vertrieben werde, verwehre der Bund den Bürgern eine sichere Anlageform und mache sich abhängig von den Launen des Kapitalmarkts.

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Die Schatzbriefe wurden 1968 erdacht und entwickelten sich ab 1969 zum Klassiker unter den Bundeswertpapieren. Die erste Geldanlage des deutschen Staates für die breite Masse wurde zur Institution - wie der Weltspartag oder das Sparbuch fürs Kind. Praktisch jedes Sparziel lasse sich mit einem solchen Investment verfolgen. Der niedrige Mindestanlagebetrag (zunächst 100 D-Mark, später 50 Euro) und lange Zeit üppige Zinsen - in der Spitze fast zehn Prozent - überzeugten tausende Anleger. Seit der ersten Auflage am 2. Januar 1969 gab es 574 Ausgaben der "Bundesschätzchen", 142 laufen noch. Der letzte Bundesschatzbrief wird am 1. September 2019 fällig. Anfang Dezember 2012 verwaltete die Finanzagentur noch rund 300 000 sogenannte Einzelschuldbuchkonten, auf denen Privatkunden rund 7,3 Milliarden Euro angelegt hatten. Viele Sparer halten vor allem die über sechs oder sieben Jahre laufenden Bundesschatzbriefe.

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