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Spielsucht in Deutschland "Glücksspielverhalten bietet Anlass zur Sorge"

Die Glücksspielbegeisterung der Deutschen lässt zwar nach. Allerdings wächst laut einer Studie der Anteil derer, die an Automaten zocken. Sorgen machen dabei vor allem die jungen Spieler.

Das Geschäft mit dem Glücksspiel
Was ist Glücksspiel?Ein Spiel mit Geldeinsatz, dessen Ausgang überwiegend vom Zufall bestimmt ist. Neben den klassischen Spielbanken gibt es in Deutschland zum Beispiel Lotto und Toto, Pferdewetten sowie die Klassen- und Fernsehlotterie. Mit Abstand am beliebtesten aber sind Geldspielautomaten - vor allem in Gaststätten und Spielhallen. Quelle: dpa
Was bedeutet Spielsucht?Dabei geht es um Kontrollverlust. Ein Spieler schafft es nicht mehr, sich gegen ein Glücksspiel zu entscheiden - er braucht den Kick. Spielsüchtige erfinden oft Lügen und Ausreden, um zu verbergen, dass sie ihr Einkommen „verzocken“. Viele häufen einen Schuldenberg auf. Sie sind häufig auch nicht mehr in der Lage, Freundschaften und Beziehungen aufrecht zu erhalten. Die Selbstmordrate unter langjährigen Spielsüchtigen ist nach Angaben von Beratungsstellen hoch. Pathologisches Glücksspiel ist in Deutschland seit 2001 als eigenständige Krankheit anerkannt. Quelle: dpa
Wer ist gefährdet?Deutlich mehr Männer als Frauen. Besonders häufig verlieren in Deutschland junge Migranten und Arbeitslose die Kontrolle über ihre Spielleidenschaft - vor allem an Geldspielautomaten. Als sehr verführerisch gelten auch Sportwetten und Internet-Glücksspiele. Quelle: dpa
Was tut der Staat für mehr Spielerschutz?Im Zuge der Föderalismusreform haben die Länder vom Bund das Recht erhalten, Gesetze für Spielhallen zu erlassen. Im Mai 2011 hat Berlin als erstes Land gehandelt und zum Beispiel einen Mindestabstand von einer Spielhalle bis zur nächsten festgelegt. Begrenzt sind auch die Anzahl der Automaten und Öffnungszeiten. Ein Abstand zu Schulen muss gewahrt bleiben. Inzwischen haben fast alle Bundesländer nachgezogen, die Vorschriften unterscheiden sich aber. Weiter beim Bund liegt zum Beispiel das Recht, über die Technik der Automaten zu bestimmen. Die Länder fordern über den Bundesrat seit längerem mehr Spielerschutz, zum Beispiel Obergrenzen für Geldeinsätze an Automaten oder die Abschaffung von Automatiktasten. Ein Kuriosum bleibt, dass Geldspielautomaten außerhalb von Spielbanken rechtlich nicht als Glücksspiel gelten. Sie werden seit ihren Anfängen als „Unterhaltung“ eingestuft und fallen damit trotz hoher Einsätze lediglich unter das Gewerberecht. Kritiker sehen das als Fehlentwicklung und werten sie Ergebnis einer erfolgreichen Lobbyarbeit der Spielautomaten-Branche. Quelle: dpa
Was verdient die deutsche Glücksspiel-Branche?Die Umsätze steigen seit Jahren und liegen nach den jüngsten Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen für 2011 bei 32,5 Milliarden Euro. Der Löwenanteil mit rund 18 Milliarden Euro entfiel dabei auf Geldspielautomaten. 6,6 Milliarden Euro Umsatz machte die Lotto-Toto-Branche, 6,1 Milliarden Euro verdienten Spielbanken. Quelle: dpa
Was verdient der Staat am Glücksspiel?2011 waren das nach Angaben des jüngsten Jahrbuchs Sucht rund drei Milliarden Euro - unter anderem über Rennwett- und Lotteriesteuer und die Spielbankabgabe. Geldspielautomaten brachten den deutschen Kommunen über die Vergnügungssteuer rund 479 Millionen Euro ein. Quelle: dpa
Wer hilft Spielsüchtigen?Bundesweit gab es nach den jüngsten Zahlen für 2011 rund 1320 ambulante Beratungsstellen. Rund 16 800 Spielsüchtige haben in diesem Zeitraum dort Angebote genutzt. In den 161 stationären Einrichtungen wurden 2011 mehr als 2500 Menschen wegen „pathologischem Spielverhaltens“ behandelt. Die Zahl der Selbsthilfegruppen für Glücksspieler hat sich zwischen 2001 und 2011 auf rund 200 verdoppelt. Quelle: dpa

Die Menschen in Deutschland werden dem klassischen Lotto, Toto und Co. untreu: Während 2011 insgesamt noch über die Hälfte der Bevölkerung spielte, so waren es 2013 nur noch gut 40 Prozent. Entgegen diesem Gesamttrend, den eine neue Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aufzeigt, wächst jedoch die Zahl derer, die ihr Bares in Geldspielautomaten stecken auf 3,7 Prozent. Sie stellen auch den höchsten Anteil der problematischen Vielspieler (28,6 Prozent). Gut 0,8 Prozent der Bevölkerung, also 438.000 Menschen, sind demnach sogar spielsüchtig. Vor zwei Jahren war ihre Zahl - allerdings vor allem durch eine andere Erhebungsmethode - noch deutlich geringer gewesen.

„Das Glücksspielverhalten in Deutschland bietet weiterhin Anlass zur Sorge“, betonte Peter Lang (BZgA) am Donnerstag in Berlin. Männer, Menschen mit Migrationshintergrund und mit niedrigem Bildungsniveau hätten nach wie vor ein erhöhtes Risiko für eine problematische Nutzung. „Bei den Geldspielautomaten macht uns vor allem der Anstieg bei den 18- bis 20-jährigen Spielern Sorge.“ Ihr Anteil habe sich seit 2007 vervierfacht: Fast jeder vierte Mann in diesem Alter daddelte 2013 demnach am Automaten.

Weil man die repräsentative Telefonbefragung der 16- bis 65-Jährigen Teilnehmer erstmalig auch auf Mobilfunknutzer ausgeweitet habe, sei diese Entwicklung nun besonders deutlich zutage getreten, sagte Lang. „Vermutlich war es auch vorher schon so, wir haben es nur nicht gesehen.“

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Problematisches oder gar krankhaftes Spielverhalten kommt demnach auch bei Sportwetten und Internet-Glücksspielen häufig vor. Lotterien hingegen sind weniger gefährlich - beim Lotto „6 aus 49“ liegt die Problemquote bei unter drei Prozent.

Nach wie vor gebe es Defizite bei der Bekämpfung illegaler Angebote, betonten die Bundeszentrale wie auch der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB). Noch mehr Prävention sei wichtig. Aber auch die bundesweite Spielverordnung müsse - in Ergänzung der Ländergesetze - endlich umgesetzt werden, forderte Michael Burkert, Federführer im DLTB. Die gewerbliche Glücksspielbranche in Deutschland machte 2011 einen Gesamtumsatz von 32 Milliarden Euro.

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