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Star-Investor Buffett liebäugelt mit Deals in Europa

Eine große Zeichnung von Berkshire-Hathaway-CEO Warren Buffett ist in Omaha zu sehen. Quelle: AP

„Egal, wie der Brexit ausgeht“: Warren Buffett ist interessiert an Deals in Großbritannien und Europa. Zugleich räumte er auf der Hauptversammlung seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway ein, „zu viel Geld“ für Kraft Heinz gezahlt zu haben.

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Alljährlich treffen sie sich zum „Woodstock der Kapitalisten“, wie CEO Warren Buffett es selbst nennt: Es ist die Hauptversammlung des Investment-Giganten Berkshire Hathaway. Zehntausende Anleger pilgern zum Aktionärstreffen in Omaha, Nebraska. Ihre 88-jährige Börsen-Legende hat sie nicht enttäuscht: Buffett präsentierte glänzende Zahlen und nahm sich gemeinsam mit seinem 95 Jahre alten Vize Charlie Munger sechs Stunden Zeit, um Fragen zu beantworten. Dabei ließ er es auch an Selbstkritik nicht mangeln.

Der Starinvestor streckt seine Fühler nach Großbritannien und Europa aus. „Wir hoffen auf einen Deal in Großbritannien und / oder in Europa, egal wie der Brexit ausgeht“, sagte der Milliardär auf der Hauptversammlung. „Ich möchte, dass Berkshire Hathaway in Großbritannien und Europa besser bekannt wird... Ich würde mir wünschen, dass sie öfter an Berkshire denken, wenn Unternehmen zum Verkauf stehen“, merkte Warren Buffett an. Das Gezerre um einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Unionen sieht er dabei nicht als Hindernis. „Ich habe das Gefühl, dass es ein Fehler war, abzustimmen, um zu gehen“, sagte er. Allerdings „zerstört es meinen Appetit nicht im Geringsten, eine sehr große Akquisition in Großbritannien zu tätigen.“

Auch zum Jahresauftakt liefen die Geschäfte für Buffett rund. Dank Kursgewinnen bei Aktienbeteiligungen konnte die Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway wieder einen satten Überschuss ausweisen. Dieser summierte sich im ersten Quartal auf 21,7 Milliarden Dollar. Im Vorquartal hatte noch ein Minus von 25,4 Milliarden in den Büchern gestanden, vor Jahresfrist ein Fehlbetrag von 1,1 Milliarden. Buffett merkte denn auch an, man möge den Zahlen nicht allzu viel Beachtung schenken. Seit Einführung einer neuen Bilanzierungsmethode, durch die der Marktwert nicht realisierter Investmentgewinne laufend ausgewiesen werden muss, schwankt das Ergebnis heftig und ist stark verzerrt. Das Betriebsergebnis von Berkshire Hathaway stieg um fünf Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar, lag damit jedoch knapp unter den Schätzungen der Analysten.

So sieht das neue Portfolio von Warren Buffett aus

Die Ergebnisse klammerten Kraft Heinz aus, weil der Ketchup-Hersteller seine eigenen Quartalszahlen noch nicht veröffentlicht hat, sagte Buffett. Berkshire musste im vierten Quartal 2018 eine Abschreibung von rund drei Milliarden Dollar auf ihren 26,7-prozentigen Anteil hinnehmen, da Kraft Heinz nicht in der Lage war, mit den sich rasch ändernden Konsumgewohnheiten Schritt zu halten. Weltweit setzen die Menschen zunehmend auf frische und regionale Lebensmittel und machen einen Bogen um Fertigprodukte. Buffett räumte ein, dass „wir zu viel Geld bezahlt haben“ für Kraft. Dennoch signalisierte er, sein Engagement beim US-Lebensmittelriesen fortzusetzen.

Zu Berkshire Hathaway gehören an die 90 Unternehmen, hinzu kommen diverse Aktienpakete. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Berkshire Hathaway erstmals mit Aktien des weltgrößten Online-Händlers Amazon eingedeckt. Buffett sagte, dass einer seiner Investmentmanager, Todd Combs oder Ted Weschler, in Amazon investiert habe.

Buffetts Kompagnon und Berkshire-Vize-Chairman Charlie Munger räumte unterdessen ein, es versäumt zu haben, bei Google einzusteigen. „Ich fühle mich wie der Arsch eines Pferdes, weil ich Google nicht früher identifiziert habe.“

Die Frage, über die sich die Aktionäre angesichts des hohen Alters der Berkshire-Chefs schon lange den Kopf zerbrechen: Wer soll einmal die Nachfolge Buffetts antreten?, blieb auch in diesem Jahr unbeantwortet. Die wegen ihres Gespürs für lukrative Geldanlagen „das Orakel von Omaha“ genannte Investmentlegende hält sich weiterhin bedeckt, auf die klare Nennung eines Nachfolgers müssen die Anhänger weiter warten. Zwar hatte das Unternehmen mit der Beförderung der Manager Greg Abel und Ajit Jain in den Verwaltungsrat schon vor einiger Zeit Weichen gestellt. Dennoch würden viele Berkshire-Anleger eine klare Benennung eines Thronfolgers begrüßen.

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