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Stelter strategisch

China darf nicht platzen

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Alles unter Kontrolle?

Namhafte Beobachter bestreiten nicht die für ein Schwellenland ungewöhnlich hohe Verschuldung, sehen jedoch darin im Falle Chinas kein sonderliches Problem. Zumeist wird mit den hohen Wachstumsraten des Landes argumentiert, welche generell eine höhere Verschuldung ermöglichen. Voraussetzung ist dann allerdings, dass es dem Land demnächst gelingt, wieder ohne die Schuldendroge zu wachsen, was angesichts des anstehenden deutlichen Rückgangs der Erwerbsbevölkerung unwahrscheinlich ist.

In einer neuen Studie mit dem Titel „Why we are bullish on China“ betont Morgan Stanley, dass China sehr gut gerüstet ist um mit der Schuldenlast umzugehen. Die wesentlichen Argumente dafür: China ist bei sich selbst verschuldet, verwendet also die eigenen Ersparnisse nur falsch, verfügt über Nettoauslandsvermögen und einen Handelsüberschuss und die Inflationsrate ist relativ gering, die Notenbank kann also mit einer deutlichen Ausweitung der Geldmenge – wie bei uns seit 2009 – auf eine mögliche Krise reagieren. Übersetzt bedeutet die Logik von Morgan Stanley nichts anderes als: China kann noch viel länger das Spiel fortsetzen, bevor es zu einem Problem wird. Die Schulden können noch jahrelang schneller wachsen als das BIP.

Oder doch nicht?

Übrigens war es 1990 in Japan ähnlich: das Land boomte, die Schulden wuchsen deutlich schneller als das BIP, die Erwerbsbevölkerung war am Höhepunkt, die Verschuldung bestand gegenüber dem Inland, das Auslandsvermögen war erheblich, das Land erzielte Außenhandelsüberschüsse und die Inflation war tief. Der Rest ist Geschichte.

Ein großer Teil der japanischen Neuverschuldung floss damals in den Immobilienmarkt und führte zu einer Blase mit erheblichen Überkapazitäten. Im Falle von China streiten sich die Geister. Einige sehen auch hier eine auffällige Parallele mit Blick auf die Geisterstädte die in den vergangenen Jahren errichtet wurden. Andere betonen, dass wenn überhaupt nur in den Metropolen wie Peking und Shanghai preisliche Übertreibungen zu sehen sind.

Entscheidend für die weitere Entwicklung in China dürfte die Frage sein, ob es dem Land gelingt, den absehbaren Rückgang der Erwerbsbevölkerung durch eine entsprechende Steigerung der Produktivität pro Kopf zu kompensieren. Die Politik scheint dieses Problem erkannt zu haben und setzt auf Roboter und Automatisierung. Laut IWF könnte China, wenn es entsprechende Reformen angeht, bis 2030 auf 40 Prozent des BIP pro Kopf der USA kommen. Ohne Reformen sind nur 25 Prozent realistisch. China liegt heute auf einem Niveau von 20 Prozent.

Hier kommt die Wohlstandsmauer ins Spiel. Dies ist die empirische Erfahrung, dass Staaten eine Entwicklung bis zu einem BIP/Kopf in der Größenordnung von 10-17.000 US-Dollar schaffen und danach nicht mehr weiter kommen. Nur Japan und Südkorea ist es von den größeren Staaten in den letzten 100 Jahren gelungen, diese magische Grenze nach oben zu durchbrechen und von einem Schwellenland zu einer Industrienation zu werden.

Treiber der Märkte

Für Weltwirtschaft und Weltfinanzmärkte hängt viel von China ab. Nicht nur werden dort 50 Prozent aller neuen Schulden gemacht. Auch über 50 Prozent des Weltwirtschaftswachstums dürfte direkt und indirekt an China hängen. Kommt das Land ins Straucheln dürfte es anders als im japanischen Fall erhebliche Auswirkungen haben, vor allem weil wir im Westen unser Schuldenpulver schon fast aufgebraucht haben.

Kurzfristig mag das kein Problem sein, weil die Chinesen noch genug Verschuldungskapazität haben. Langfristig auf jeden Fall. Damit dürfte aber auch weltweit die Bereitschaft wachsen, unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, um die Schulden aus der Welt zu bekommen: Stichworte Helikoptergeld oder globaler Reset, beides an dieser Stelle intensiv diskutiert. Die Tatsache, dass China und Russland vermehrt auf Gold setzen, könnte ein Indiz für letzteres sein. Immerhin gäbe es dann einen faktischen globalen Konsens.

Aus Sicht der Geldanlage sind die Konsequenzen so klar wie unerfreulich: wir tanzen weiter auf dem sprichwörtlichen Vulkan und wissen nicht, wie lange es noch gut geht. Es kann noch Jahre gut gehen. Entscheidend wird sein, was in China passiert. Es bleibt bei der globalen Streuung auf Aktien, Immobilen und Cash und einem Anteil von mindestens 15 Prozent in physischem Gold.

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