Stelter strategisch

Die japanische Krankheit - in der Sackgasse

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Der Ex-Chefvolkswirt der globalen Großbank HSBC warnt vor einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale. Neben Helikopter-Geld nennt Stephen King weitere Medizin gegen die Dauerkrise als Option – doch die ist bitter.

Helikopter-Geld Quelle: imago

Stephen King, bis 2015 Chefvolkswirt und jetzt Seniorberater der HSBC, hat mehrfach mit provokanten Aussagen auf sich aufmerksam gemacht. So warnte er im letzten Jahr vor einer neuen Rezession, der die Wirtschaftspolitik nichts mehr entgegensetzten könne. Die Geldpolitik wäre wirkungslos und von der Fiskalpolitik könnten angesichts hoher Schulden keine Impulse mehr gesetzt werden. Nur noch das sogenannte Helikopter-Geld bliebe als eine riskante Möglichkeit bestehen.

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Nun hat er seine Analysen aktualisiert. Immer mehr Ähnlichkeiten sieht er zwischen der Entwicklung in Japan seit 1990 und der Dauer-Krise, die die westliche Welt seit 2008 befallen hat. Dabei stellt er fest, dass wir bereits nach dem Platzen der New Economy Blase im Jahr 2000 auf dem Weg in eine große Depression waren. Der Aktiencrash war durchaus mit dem Einbruch von 1929 vergleichbar. Die Rezession war dennoch relativ mild, weil es deutliche Zins- und Steuersenkungen gab, die dann zur Immobilienblase in den USA geführt haben. Die Bekämpfung der damaligen Rezession hat so die Grundlage für die große Rezession von 2009 gelegt.

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Die nächste Krise in Vorbereitung

Und die Politik seither dürfte die Grundlage für eine noch größere Krise gelegt haben. Wie hier schon mehrfach festgestellt, geht es unseren Politikern wie Goethes Zauberlehrling: die Geister, die sie riefen, werden sie nicht mehr los. Hohe Schulden und schwaches Wirtschaftswachstum verstärken sich gegenseitig und führen in eine Abwärtsspirale.

Nur durch eine deutliche Reduktion der Schulden und/oder höheres Nominalwachstum ist es laut King überhaupt denkbar, dem japanischen Szenario, ich nenne es Eiszeit, zu entkommen. Doch welche Optionen haben wir noch, der Eiszeit zu entgehen? King diskutiert sechs Optionen. Keine davon ist wirklich erfreulich.

Option 1: Mehr Staatsausgaben

Von Vertretern wie Larry Summers schon lange gefordert, sollen die Staaten mit massiven Konjunkturprogrammen die „säkulare Stagnation“ überwinden und die unausgelasteten Kapazitäten („Output Gap“) auslasten. Im Prinzip eine gute Option, weil sie noch Hoffnung macht.

Allerdings hat sie in Japan nichts gebracht. Stattdessen wurden viele „Brücken ins Nichts“ gebaut und der ökonomische und soziale Nutzen vieler Projekte ist mehr als zweifelhaft. Außerdem haben die Regierungen der westlichen Welt bereits hohe Schulden, weshalb weitere Schulden nur begrenzt akzeptiert werden oder aber eine entsprechende Zurückhaltung der Privaten zur Folge haben. Der Konjunkturaufschwung nach dem New-Economy-Crash war das Ergebnis einer solchen Politik, hat aber nur die „deflationäre Stagnation“, die bereits im vollen Gange war, übertüncht. Die säkulare Stagnation begann also schon deutlich früher als die Vertreter dieser These erkennen. Deshalb sind die Instrumente auch ungeeignet, führen sie doch nur zu neuen Blasen, die irgendwann platzen.

Option 2: Helikopter-Geld

Helikopter-Geld ist bereits in aller Munde, insofern spare ich mir hier die ausführliche Erklärung. Letztlich geht es darum, dass von der Notenbank zusätzlich geschaffenes Geld zu mehr Nachfrage führt, was bei unausgelasteten Kapazitäten inflationsfrei funktionieren sollte. Zumindest in der Theorie.

King lakonisch: „ Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es wohl auch so.“

Tatsächlich würde Helikopter-Geld nur dann funktionieren, wenn es zu Inflation führt. Helikopter-Geld mit dem Ziel der Inflationserzeugung ist jedoch nichts anderes als umverteilende Fiskalpolitik im Mantel der Geldpolitik. Eine heimliche Vermögenssteuer, die zudem sehr ungerecht ist, weil sie nur jene trifft, die Geldvermögen halten. Das Risiko einer Panik hält King für groß. Träte ein Vertrauensverlust ein, würde die gewünschte in eine ungewünscht deutliche Inflation umschlagen. Für King ist es kein Zufall, dass die Begriffe „Helikopter-Geld“ und „Hyperinflation“ so oft gemeinsam vorkommen.

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