Stelter strategisch

Die neue Welt - eine Bedrohung für den Euro

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Die Anschläge von Paris sind mehr als ein Terrorakt. Sie können ein Wendepunkt für Politik und Wirtschaft in Europa sein. Mit erheblichen Konsequenzen für Ihr Vermögen. Eine Kolumne.

Der Eiffelturm in Paris, getaucht in die französischen Nationalfarben Quelle: dpa

In dieser Kolumne geht es nicht um das, was man sich wünscht, sondern um das, auf was man sich einstellen sollte. Denn nur wer einen nüchternen Blick auf die Welt hat, kann persönlich und finanziell durch die bevorstehenden Jahre navigieren. Die Anschläge von Paris, menschenverachtend und brutal, wirken dabei wie Brandbeschleuniger schon länger währender Prozesse. In einer unheilvollen Mixtur treffen verschiedene Entwicklungen aufeinander und verstärken sich gegenseitig:

  • Der vom Papst als „Dritter Weltkrieg“ beschriebene Konflikt mit dem radikalen Islam, der seit Jahren an Intensität zunimmt und dessen friedliche Überwindung immer mehr als eine Utopie erscheint.
  • Ein Ansturm von Flüchtlingen vor Krieg und Unterdrückung und auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa.
  • Eine vom Publizisten Mathias Döpfner beklemmend deutlich gemachte anhaltende Nachgiebigkeit der westlichen Kultur gegenüber dem Intoleranten. Eine Nachgiebigkeit, die von der anderen Seite als Schwäche und Einladung angesehen wird, noch intoleranter zu werden.
  • Eine Europäische Union, die zunehmend offenbart, dass sie keine Wertegemeinschaft, sondern ein Wohlfahrtsbündnis ist, welches nur dann funktioniert, wenn immer mehr Geld zu verteilen ist. Fällt der Treibstoff großzügiger Mittel weg, wird es für die nationalen Politiker immer schwerer, den Bevölkerungen den Nutzen von Brüssel zu verkaufen.

Zum Autor

  • Europäische Regierungen, die sich an Abmachungen nicht halten, Recht brechen und sich zugleich öffentlich außer Stande erklären, zum rechtsstaatlichen Zustand zurück zu kehren.
  • Staaten und Private, die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse gelebt haben und niemals in der Lage sein werden, ihre Verpflichtungen, seien es offizielle Schulden oder verdeckte Versprechen wie Renten und Pensionen, zu bezahlen.
  • Regierungschefs, die statt die durch die Eurokrise offensichtlich gewordenen Probleme anzugehen, auf Zeit gespielt haben. Ohne die Zeit für etwas zu nutzen.

Dies alles – und die Aufzählung ist keineswegs vollständig - trifft nun zusammen. Und verstärkt einander.

Der Krieg wird, wie jeder Krieg, teuer. Damit erhöhen sich die Schuldenlasten der Staaten, die ohnehin uneinbringlich sind. Eine Entwertung der Schulden über unpopuläre Schuldenschnitte wird damit noch unwahrscheinlicher. Naheliegender ist, den Weg zu gehen, den Staaten noch immer gegangen sind um Kriege zu finanzieren. Die Nutzung der Notenpresse, heute mit Helikoptergeld umschrieben. Die Helikopter wären so oder so aufgestiegen, um den Schuldnern zur Hilfe zu kommen.

Jetzt dürften sie schneller starten und mehr Ladung mitnehmen. Angenehmer Nebeneffekt: die Wirtschaft in Europa dürfte sich endlich deutlicher beleben, eine Scheinblüte zwar, aber eine willkommene. Wenn sie schon aufsteigen, kann man auf diesem Wege auch die Flüchtlingsausgaben besser bewältigen, wie in einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung in der vergangenen Woche angeregt.

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