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Stelter strategisch

Margin Call für die Weltwirtschaft

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Die Schmiermittel der Notenbanken

Das war in den letzten 30 Jahren ein sicheres Geschäft. Die Zinsen sanken von über 10 Prozent auf heute Null und die Banken gaben sich mit immer weniger Margin zufrieden. Alle Assetpreise haben davon profitiert: Aktien, Anleihen, Immobilien, Kunst. Die Kreditvergabe der Banken zum Kauf von vorhandenen Assets hat sich in diesem Zeitraum vervielfacht.

Das funktioniert aber nur so lange, wie die Papiere im Wert steigen und der Kreditgeber keinen Nachschuss auf das Eigenkapital („Margin Call“) verlangt. Kann man dann kein Geld nachschießen, muss nämlich verkauft werden. So war die Situation im Film.

Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

Eine solche Situation gab es in den letzten 20 Jahren schon mehrmals. Doch jedes Mal gelang es Notenbanken und Regierungen, einen Kollaps zu verhindern. Mit noch tieferen Zinsen, noch geringeren Eigenkapitalanforderungen, mit der Änderung der Rechnungslegung (Banken zeigen keine Verluste mehr) und schließlich dem direkten Aufkauf der Wertpapiere. Spekulanten hatten immer eine Versicherung, weil es immer Käufer gab, die das Rad am Laufen hielten: Die Notenbanken der Welt, die nach einer Studie der Deutschen Bank seit Anfang des Jahrtausends 10 Billionen US-Dollar in die Märkte gepumpt haben. Die Schwellen­­länder, die um die Exporte zu steigern jahrelang ihre eigene Währung geschwächt und dazu andere Währungen aufgekauft haben. Und die ölexportierenden Länder, die ihre Überschüsse verlässlich in die Kapitalmärkte des Westens investiert haben.

Das Schmiermittel könnte knapp werden

Diese Geldströme könnten allmählich versiegen. China wird seine Wirtschaft stabilisieren, dazu aber Währungsreserven abbauen. Vom Gipfel, der im ersten Quartal 2014 bei Währungsreserven von 4 Billionen Dollar lag, sind bislang bereits 300 Mrd Dollar abgeschmolzen. Weitere 510 Milliarden Euro, so schätzen die Analysten von Barclays, wird die People´s Bank of China bis Jahresende auf den Markt bringen.

Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

Ölexporteure wie Saudi Arabien knabbern ihre Ersparnisse an, um die laufenden Ausgaben zu finanzieren. Schwellenländer wie die Türkei leiden unter hohen Auslandsschulden und einer beginnenden Kapitalflucht und Rohstoffexporteure wie Chile durchlaufen eine schwere Rezession. Und die Zentralbank der USA, sucht nach dem richtigen Zeitpunkt, um ihr QE-Programm endgültig beenden.

In Anspielung darauf nennt die Deutsche Bank die vor uns stehende Zeitenwende „Quantitative Tightening“. Sie würde unser schönes Modell des schuldenfinanzierten Reichtums mächtig unter Druck bringen. Zum einen steigen die Finanzierungskosten, weil die Notenbanken vor allem Staatsanleihen aufgekauft haben. Das ist gefährlich, weil der Ertrag unseres oben geschilderten Leverage Modells schon jetzt kaum über den Finanzierungskosten liegt.

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