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Stelter strategisch

Gold – Totgesagte leben länger

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Kritische Stimmen am Goldpreis-Wendepunkt

Was uns dennoch zur aktuellen Situation führt. Taktisch gesehen spricht einiges dafür, dass wir vor einer deutlichen Rallye im Goldpreis stehen:

• Kritische Stimmen wohin man schaut: Wie immer in den Finanzmärkten kommentieren die Medien es, nachdem die Entwicklung stattgefunden hat. Bitcoin war in aller Munde, nachdem der Preis explodiert ist. Gold wird runtergeschrieben, nachdem der Preis gesunken ist. Beispielhaft sei hier der Artikel „Fünf bitteren Wahrheiten über Gold“ genannt. Die Punkte sind alle zutreffend, die in dem Text angeführt sind. Dennoch kann man davon ausgehen, so einen Artikel nicht bei neuen Spitzenkursen zu lesen, sondern eben nach einer Abwärtsbewegung.

• Gold ist billig im Vergleich zu Aktien: Mag es wenig sinnvoll sein, Gold in Papierwährungen zu bewerten, ist der Vergleich mit der Bewertung an der Börse durchaus aussagekräftig. Hier vergleicht man das zinslose Gold, welches nicht an der wirtschaftlichen Entwicklung partizipiert mit dem eigentlichen Produktivvermögen. Seit 2012 haben sich die Börsen besser entwickelt und man muss heute rund 20 Unzen Gold für den Dow Jones bezahlen. (Indexstand/Goldpreis). Das liegt über den historischen Höchstwerten für Gold von 1,94 Unzen (1933) und 1,29 Unzen (1980) und auch über den bisherigen Tiefstwerten von 42,19 (1999) und 27,45 (1965). Daraus alleine lässt sich nicht auf eine bevorstehende grundlegende Trendwende schließen. In Verbindung mit der rekordhohen Bewertung der US-Börse und der sich abzeichnenden Abschwächung der Ertragslage der US-Unternehmen, auch getrieben von steigenden Zinsen, liegt die Erwartung nahe, dass es in den kommenden Monaten zu einer relativen Outperformance von Gold gegenüber Aktien kommen könnte.

• Verkaufsdruck in den Schwellenländern: Gold wird vor allem aus den Schwellenländern nachgefragt, was oftmals mit den dortigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun hat. So ist Gold in Indien seit Jahrhunderten ein probates Mittel der Vermögenssicherung. In vielen Ländern mit Kapitalverkehrsbeschränkungen ist Gold eine der wenigen Möglichkeiten aus einer verfallenden Währung zu fliehen. Zudem bietet Gold einen Weg, Ersparnisse vor dem Zugriff der Machthabenden zu verstecken. Mit der sich abzeichnenden Krise in den Schwellenländern – die Türkei ist hier nur der sprichwörtliche Kanarienvogel in der Kohlegrube – kommt es zu mehr Verkäufen in der Region, weil sich Schuldner US-Dollar besorgen müssen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Verschärfen sich die Probleme, ist damit zu rechnen, dass die US-Fed – nach anfänglichem Zögern – vom Kurs der geldpolitischen Straffung abkehrt. Damit dürfte auch der Verkaufsdruck abnehmen.

• Korrektur des US-Dollars: Damit einhergehend dürfte eine Korrektur des US-Dollars bevorstehen. Je einseitiger die Märkte auf einen weiteren Kursanstieg setzen, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Trendwende. Daran dürften auch die jüngsten Aussagen von Donald Trump nichts ändern, dessen Forderung nach einem Stopp der Zinserhöhungen in der vergangenen Woche einige Wellen geschlagen hat.

• Massive Spekulation gegen Gold: Das Hauptargument für Gold kommt aus der massiven Spekulation, die derzeit gegen Gold läuft. In Erwartung steigender Zinsen wetten die Akteure in den Finanzmärkten mit erheblichem Einsatz auf fallende Kurse für US-Staatsanleihen (die nicht fallen, sondern im Gegenteil steigen) und auf weiter fallende Preise für Gold. In Summe waren Hedge-Fonds, Asset Manager und Händler seit 17 Jahren nicht mehr so negativ zu Gold positioniert. Damals begann bei 271 US-Dollar/Unze der Bullenmarkt in Gold, der den Preis bis September 2011 auf das Allzeithoch von 1920,65 US-Dollar trieb. Sehr gut möglich, dass die Spekulanten wie schon vor 17 Jahren falsch liegen.

Fazit: Taktisch und praktisch spricht einiges für Gold. Wer also spekulieren möchte oder noch beim Aufbau seines diversifizierten Portfolios ist, sollte über Gold nachdenken.

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