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Stelter strategisch
Geldanlage: Prognosen für 2019 Quelle: imago

Meine Top-Ten-Thesen für 2019

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Zeit für einen Rück- und Ausblick: 2018 war ein enttäuschendes Jahr für Kapitalanleger, leider sind viele düstere Prognosen eingetreten. Für 2019 dürfte es erst recht heißen: fest anschnallen! Cash und Gold helfen.

2018 war es fast unmöglich eine Anlageform zu finden, die einen positiven Ertrag erbracht hat. Über 90 Prozent der möglichen Geldanlagen, die die Deutsche Bank in ihrer jährlichen Studie über den langfristigen Ertrag verschiedener Vermögensklassen analysiert, haben 2018 zu Verlusten geführt. Das schlechteste je gemessene Ergebnis seit Jahr dem Jahr 1901. Das bis dato schlechteste Jahr war 1920 mit 84 Prozent. Nicht mal während der Großen Depression, der Weltkriege und der Finanzkrise war es an den Finanzmärkten so schwer, Geld zu verdienen, wie in diesem Jahr. 

Geringe Gewinne erbrachten (in lokaler Währung) noch High Yield Bonds in Großbritannien und den USA, deutsche, französische und spanische Staatsanleihen, die Börsen von Brasilien und Russland und der Dollar-Index, der die Aufwertung des US-Dollar gegen die Währungen der Haupthandelspartner abbildet. Nasdaq, S&P und Öl, die bis Ende Oktober nach der Analyse der Deutschen Bank noch im Plus lagen, haben mittlerweile auch ins Minus gedreht.

Niemand hat ein solches Ergebnis für das Jahr vorausgesagt. Zu groß war die Euphorie über das weltweit synchrone Wirtschaftswachstum, das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken und der Wunsch, den Politikern in Europa das Märchen von der gelungenen Eurorettung zu glauben. Einmal mehr wurde das Sprichwort bestätigt, wonach eine Prognose nur dazu da ist, den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen.

Ende des künstlichen Aufschwungs

Offensichtlich haben wir 2018 eine Trendwende erlebt. Der von den Notenbanken inszenierte und finanzierte künstliche Aufschwung an den Finanzmärkten und (deutlich schwächer!) in der Realwirtschaft nähert sich dem unvermeidlichen Ende. Ein Ende, welches schmerzhaft offenlegen wird, dass keine der Ursachen von Finanz- und Eurokrise bereinigt wurde. Im Gegenteil sind die Probleme heute noch größer als vor zehn Jahren. 2019 dürfte uns diesem Ende einen großen Schritt näherbringen.

Bevor wir uns dem Ausblick widmen, lohnt sich ein Blick auf meine Thesen zum Jahr 2018, die ich an dieser Stelle aufgestellt hatte. Als ich meine Top 10 Thesen formulierte habe ich mir eine Trefferquote von über 50 Prozent gewünscht und versprochen, nach einem Jahr zurückzuschauen: 

1. Bitcoin-Blase platzt: Die Einschätzung, dass sich Kryptowährungen trotz der unzweifelhaften Attraktivität der Technologie in einer Blase befanden, traf offensichtlich zu. Eine richtige Prognose: Ein Punkt.

2. Börsenboom und Crash: Meine These für 2018 war, dass es anfangs ein paar Monate bergan geht, bevor es zu einer deutlichen Korrektur kommt. Die Märkte würden unter dem Stand vom Jahresanfang schließen. Auch diese Prognose traf zu, wobei es in Deutschland deutlich früher bergab ging als in den USA. Letztere wurden noch länger von nur noch wenigen Einzelwerten gezogen. Obwohl es nicht zu einem ausgeprägten Crash gekommen ist, ist die Korrektur von den Höchstständen in den meisten Märkten mit über 20 Prozent sehr ausgeprägt. Ein Punkt. 

3. Hingegen wurde meine Erwartung, dass die Schwellenländer, Russland, Japan und Europa relativ besser abschneiden klar verfehlt. Die USA waren relativ die bessere Börse und Europa ist relativ zu den USA so billig wie lange nicht – die Ursachen werde ich in einer der ersten Kolumnen 2019 an dieser Stelle vertieft betrachten – und Japan bleibt eine der fundamental besten Märkte der Welt. Dennoch eindeutig Null Punkte.

4. Das ebenfalls erwartete Blutbad bei Unternehmensanleihen blieb aus. Bis jetzt. Es zeichnen sich immer deutlichere Probleme ab und es droht eine Rekordflut an Herabstufungen von Unternehmensanleihen in den USA und Europa wie an dieser Stelle vor vier Wochen diskutiert. Der Zinsaufschlag für Hochrisikoanleihen beginnt zwar zu steigen, dennoch lag ich mit dem Timing falsch. Null Punkte.

5. Hingegen war die Erwartung einer Erholung des US-Dollars vollkommen richtig. Der Konsens im Markt war der einer Dollarabschwächung und einer neuen Stärke des Euro. Im ersten Quartal sah es noch danach aus, seither hat der Dollar jedoch zu allen maßgeblichen Währungen aufgewertet und gerade in dieser Stärke des Dollars liegen einige Probleme der Schwellenländer begründet, vor allem von Ländern wie der Türkei, die sich in großem Stil in US-Dollar verschuldet haben. Ein Punkt.

6. Die Erwartung sinkender Ölpreise traf zunächst nicht zu. Im ersten Halbjahr stieg der Preis von Öl auch in Erwartung neuer Iran-Sanktionen deutlich. Mittlerweile mehren sich die Anzeichen für eine anhaltende Ölschwemme, aufgrund des Finanzbedarfs der Erdöl exportierenden Länder (Opec) und einer tendenziell schwächeren Nachfrage im Zuge der sich abschwächenden Weltkonjunktur. Wie erwartet sank der Ölpreis auf Jahressicht. Ein Punkt.

7. Obwohl ich ein Fan von Gold bin und jedem rate, einen gewissen Anteil physischen Goldes im Portfolio zu halten, war ich für die Preisentwicklung von Gold skeptisch. Es dürfte zwar besser abschneiden als die Aktienmärkte, absolut gesehen aber enttäuschen, war meine Erwartung. Auch dies traf zu. Ein Punkt.

8. In Italien erwartete ich einen Sieg der eurokritischen Parteien und eine erfolgreiche Erpressung der anderen Euroländer – allen voran Deutschlands.  Bis jetzt kam es noch nicht zu umfassenden Zugeständnissen der Europartner mit Blick auf Defizit und Schulden, die ersten Schritte in die Richtung sind jedoch unübersehbar. Vor allem auch deshalb, weil Frankreich erneut alle Regeln brechen wird. 0,5 Punkte.

9. Völlig zutreffend war die Erwartung, dass sich die neue deutsche Regierung als völlig kraftlos erweisen würde. Statt das Wohl des Landes im Blick zu haben, wird Energie und Fokus auf Nebenkriegsschauplätzen verschwendet und im Irrglauben, wir seien ein „reiches Land“ der Wohlstand verschleudert. Einen Punkt.

10. Ebenfalls zutreffend war die Erwartung, dass es nicht gelingt, eine Antwort auf die Migrationskrise zu finden. Obwohl immer deutlicher wird, dass die langfristigen Kosten der Zuwanderung überwiegend unqualifizierter Menschen die finanzielle Leistungsfähigkeit bei weitem übersteigt und den sozialen Frieden gefährdet, wurde nicht gehandelt. Die Antwort der Regierungen bleibt vor allem eine Verharmlosung und Leugnung der Probleme, was die radikalen Kräfte in ganz Europa weiter stärkt. Einen Punkt.

Womit wir beim Fazit wären: Im Unterschied zum Vorjahr, wo ich lediglich 5,5 von 10 möglichen Punkten erzielt habe, fällt das Resultat mit 7,5 Punkten für 2018 deutlich besser aus. Nimmt man die relativ sicheren Aussagen – Italien, Regierung in Deutschland und Migrationsfrage - aus, liegt die Quote bei 5 von 7.

Doch auch dieses Ergebnis sollte nicht darüber hinwegtäuschen: alle Arten von Prognosen für die Entwicklung von Wirtschaft und Kapitalmärkten auf die Sicht von zwölf Monaten sind pures Glückspiel. Wie schon der vielzitierte John Maynard Keynes wusste: Die Börsen können länger falsch liegen, als man Geld hat gegen sie zu wetten.

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