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Stelter strategisch

Trump könnte scheitern, bevor er richtig anfängt

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Quadratur des Kreises

Dieses Szenario zu verhindern und zugleich die US-Wirtschaft wie beabsichtigt zu reflationieren, gleicht einer Quadratur des Kreises. Es müsste gelingen, die Zinsen trotz Infrastrukturprogramm, Steuersenkungen und gestiegenen Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Wie in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, in denen strenge Kapitalmarktregulierungen tiefe Zinsen trotz hohem Nominalwachstum garantierten. Das wäre die von führenden Volkswirten seit Jahren herbei gesehnte „finanzielle Repression“, durch die die Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt gesenkt und die Gläubiger auf schleichende Weise enteignet werden.

In den 1950er Jahren haben Kapitalverkehrskontrollen und ein sehr limitiertes Angebot an Geldanlageinstrumenten die finanzielle Repression ermöglicht. Auch heute bedürfte es ähnlicher Instrumente. Dass die Regierenden bereit sind, in diese Richtung zu gehen, zeigt alleine schon die Diskussion zum Thema Bargeldverbot. Die Notenbanken müssten ebenfalls eine sehr aktive Rolle spielen und die Zusage machen, die Zinsen unter allen Umständen unten halten. Es ist umstritten, ob sie es könnten.

Ich denke mit der Zusage, alles zu einem bestimmten Preis zu kaufen, könnte es ihnen gelingen. Das wäre natürlich verbunden mit dem Verlust der Unabhängigkeit der Notenbanken. Aber, seien wir ehrlich: der ist schon jetzt absehbar. Zu sehr haben sie sich zu Erfüllungsgehilfen unwilliger und unfähiger Politiker gemacht, und nicht nur Donald Trump fordert mehr Einfluss. Dabei dürfte er, sobald im Amt, nicht mehr auf höhere Zinsen drängen, sondern auf die umfassende und nachhaltige Garantie tiefer Zinsen.

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    Diese Warnsignale sollten Anleger hellhörig machen
    Polizei registriert mehr Fälle von AnlagebetrugDie Zinsen im Keller, die Renditen sind mickrig, dividendenstarke Aktien vielfach schon teuer – das macht Anleger anfällig für unseriöse Anlageprodukte, die hohe Gewinne versprechen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die erfassten Betrugsdelikte im Bereich Kapitalanlage und bei Beteiligungsgeschäften 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,3 Prozent auf 7.895 Fälle gestiegen. Zwar gelang es den Behörden, nahezu alle erfassten Betrügereien im Bereich Geldanlage aufklären (98,8 Prozent), dennoch haben die meisten Geschädigten ihr Geld dabei verloren. Der Bundesverband deutscher Banken - der Spitzenverband der Privatbanken in Deutschland - warnt daher eindringlich vor allzu gut klingenden Angeboten zur Geldanlage. Die folgenden Warnhinweise sollten Anleger beachten. Quelle: Fotolia
    Warnhinweis Nr. 1: Hohe GewinnversprechenDie Aussicht auf attraktive Gewinne verleitet Anleger leicht zu unbedachten Entscheidungen. Zur Orientierung: Sichere Anlagen bringen derzeit nur zwischen null und ein Prozent Zinsen. Ohne Risiko gibt es keine höheren Renditen. Deutlich höhere Renditegarantien sind unseriös. Quelle: dpa
    Warnhinweis Nr. 2: Anlageangebote am Telefon Das unaufgeforderte „Cold Calling“ ist zwar gesetzlich verboten, dennoch versuchen viele unseriöse Anbieter erste Kundenkontakte per Telefon zu knüpfen. Hier gilt: Erst gar nicht auf ein Gespräch einlassen, stattdessen gleich auflegen. Quelle: dpa
    Warnhinweis Nr. 3: Hohe oder verschleierte ProvisionenÜberzogene Provisionsforderungen sprechen dafür, dass der „Anlagespezialist“ eher den eigenen Gewinn als den des Kunden im Sinn hat. Werden Provisionen gar verschleiert oder falsch ausgewiesen, unbedingt die Finger von dem Angebot lassen. Quelle: dpa
    Warnhinweis Nr. 4: AuslandsadressenBei Geschäftssitzen in exotischen Ländern sollten Anleger hellhörig werden, denn im Schadensfall sind rechtliche Ansprüche nur schwer durchzusetzen. Es besteht die Gefahr, dass sich hinter der Adresse nur eine Briefkastenfirma verbirgt, insbesondere in Ländern, die als Steueroase gelten. Quelle: dpa
    Warnhinweis Nr. 5: ZeitdruckLassen Sie sich von niemandem unter Zeitdruck setzen. Übereilte Entscheidungen werden oft bereut. Ein seriöser Anbieter wird immer Bedenkzeit gewähren. Quelle: dpa
    Warnhinweis Nr. 6: FolgegeschäfteUm potenzielle Anleger zu ködern, schütten die vermeintlichen Geldprofis aus einem ersten Kontakt mit geringem Kapitaleinsatz beachtliche Gewinne aus. Das soll die Kunden überzeugen und Ängste beiseite wischen. Meist wird dem Kunden sofort ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme. Hier gilt ebenfalls: Erst gar nicht auf solche Angebote einlassen. Quelle: AP

    Würde es funktionieren?

    Bleibt die Frage: würde es überhaupt etwas bringen? Schließlich kann auch Donald Trump an den grundlegenden Problemen Demografie und Produktivität nichts ändern. Seine Haltung zur Zuwanderung könnte das Problem verschärfen. Andererseits ist die Beschäftigungsquote der 25 bis 54jährigen Amerikaner in den letzten Jahren deutlich gefallen. Bringt er mehr von diesen Menschen wieder in den Arbeitsmarkt, hilft dies den Betroffenen – seiner Kernzielgruppe in den Wahlen – und dem kurz- und langfristigen Wachstumspotential der US-Wirtschaft. Die Produktivität der US-Wirtschaft würde von Investitionen in die Infrastruktur unzweifelhaft profitieren.

    Protektionismus wäre in diesem Szenario übrigens nur konsequent, würden doch sonst vor allem China und Deutschland von dem Programm profitieren. Statt darüber zu jammern, sollten wir in Europa eher darüber nachdenken, ein ähnliches Programm – Investitionen, tiefe Zinsen, finanzielle Repression – aufzulegen und der neuen US-Regierung so den Protektionismus ausreden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit des Trumpschen-Programms wäre umso höher, je mehr Regionen der Welt mitmachen.

    Gelänge dies in Verbindung mit tiefen Zinsen, könnte es also funktionieren. Höheres Nominalwachstum und damit ein „schöner Schuldenabbau“ („beautiful deleveraging“) wie es der Hedgefondsmanager Ray Dalio nennt, wäre die Folge.

    Aktienquote reduzieren

    Für unsere Assetallokation ändert diese Analyse grundsätzlich nichts. Wir können uns nicht einseitig auf eines der Szenarien ausrichten, stehen die Chancen doch bestenfalls 50:50. Wir brauchen Inflations- und Deflationsschutz. Cash, Gold, Aktien und Immobilien bleiben das Gebot der Strategie. Kurzfristig würde ich mich jedoch zu einer meiner seltenen taktischen Empfehlungen hinreißen lassen: Aktienquote reduzieren. Die Märkte haben die Reflation, die ich vor der Wahl skizziert hatte, bereits gespielt.

    Doch ist nicht nur der Erfolg, wie diskutiert, höchst unsicher. Auch die Realisierung steht noch in den Sternen. Angesichts der hohen Bewertung von (US-)Aktien ein guter Grund, Gewinne mitzunehmen. Viel Raum nach oben gibt es nicht mehr. Aber viel nach unten.

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