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Stelter strategisch

Langfristanleger gewinnen – das weiß doch jeder Depp

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Selbstkritische Analyse unseres Anlagehorizonts

Um wirklich die Früchte langfristigen Denkens zu ernten, muss nach den bisherigen Verläufen der Anlagehorizont schon sehr, sehr lange sein. Hier lohnt es, sich selbstkritisch zu hinterfragen, wie weit der eigene Blick reichen kann.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

Hinzu kommt, dass Analysten und Marketingabteilungen unter "langfristig" meistens zehn Jahre verstehen, am liebsten aber ab Anfang der 1980er Jahre beginnen. Verständlicherweise, denn damals setzte der US-Markt nach einem realen Verlust von 62 Prozent seit Mitte der 1960er Jahre zum größten Bullenmarkt der Geschichte an, und US-Staatsanleihen warfen 15 Prozent Rendite ab. Seither sind die Zinsen aber auf Null gesunken und die Bewertungen deutlich gestiegen. Real liegen die Märkte zwar unter den Rekordständen des Jahres 2000, die Bewertungen sind jedoch immer noch weit überdurchschnittlich, was mich zu dem angesprochenen Bild vom Berg führt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir von diesem Niveau ausgehend große Zuwächse erzielen, ist nun mal gering, Verluste weit wahrscheinlicher. Für alle, die nicht einen sehr langen Zeithorizont annehmen (können) bedeutet dies bestenfalls maue Renditen und schlimmsten Falls deutliche Verluste. Vor allem für jene, die für ihr Alter vorsorgen wollen und müssen, ist dies höchst relevant. Denn zu wenig Vorsorge heute kann man in späteren Jahren unmöglich wieder korrigieren. Wer das schreibt, ist kein Pessimist, sondern ein Realist.

Was zur Volatilität führt. Natürlich sind Kapitalmärkte volatil, sogar deutlich volatiler als es in den letzten Jahren der Fall war. Die massiven Interventionen der Notenbanken haben die Finanzmärkte betäubt und in eine Richtung getrieben. Dabei vergessen wir gerne, dass die Finanzmärkte nicht die eigentliche Zielgruppe für die Notenbanken sind, sondern die Belebung der Realwirtschaft und die Überwindung der Überschuldungs- und der Eurokrise. Beides gelingt den Notenbanken jedoch nicht. Je mehr dies deutlich wird – und die vergangenen Wochen deuten diesen Erkenntnisprozess an – desto größer die Wahrscheinlichkeit von starken Einbrüchen.

Zehn provokante Thesen für 2016
Saxo-Bank-Gebäude Quelle: Presse
Euromünze und Dollarschein Quelle: AP
Moskau Quelle: dpa-tmn
Smartphone Quelle: REUTERS
Maskottchen für die olympischen Sommerspiele in Brasilien Quelle: dpa
Hillary Clinton Quelle: REUTERS
Tankstelle Quelle: AP

Weil man viele kleine Brände gelöscht hat, droht nun ein ganz großer. Auch dieser ist nicht nur Risiko, sondern auch Chance, gar keine Frage. Nur muss man sie auch noch nutzen können, indem man über entsprechende Liquidität verfügt. Wer bei einem Großbrand an den Kapitalmärkten ungerührt dabei bleibt, wird auf lange Sicht ebenfalls sein Vermögen erhalten. Läuft aber Gefahr, dass diese lange Sicht die eigene Lebenserwartung deutlich übersteigt.

Dieses Dilemma können wir nur auflösen durch eine selbstkritische Analyse unseres eigenen Anlagehorizonts. Wirkliche Langfristanleger lesen keine Börsenmeldungen und schon gar keine Kolumnen wie diese. Sie kümmern sich nicht um Tipps, sondern befolgen eine wirklich langfristige, konsequente Strategie, die auf einfachen Regeln basiert: je 25 Prozent Immobilien, Aktien, Gold und Liquidität, jeweils einmal jährlich balanciert. Dies zu schreiben, ist langweilig und stellt auch den Kolumnisten vor eine schwere Aufgabe: die aktuellen Entwicklungen zu kommentieren ohne in operative Hektik zu verfallen und den Märkten hinterher zu laufen.

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