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Stelter strategisch

Eine Zinswende können wir uns nicht leisten

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Sinkende Nachfrage

Diesem Angebot an Kapital steht nach Einschätzung der Experten eine sinkende Nachfrage gegenüber:

- So sind in den vergangenen Jahren die Preise von Investitionsgütern deutlich gefallen, was unter anderem auf die digitale Revolution zurückzuführen ist. Deshalb benötigen Unternehmen weniger Kapital, um ihre Investitionen zu finanzieren. – Auch hier hat sich in den vorigen Wochen nichts geändert. Preissteigerungen sind (noch) nicht in Sicht.

- Derweil sind die Investitionen der Staaten deutlich zurückgegangen, was an der schon bestehenden hohen Schuldenlast der Staaten liegt. – Hier liegt die große Änderung gegenüber dem Zeitpunkt vor der Wahl, vorausgesetzt das Programm wird Wirklichkeit. Und selbst wenn Trump wie angekündigt eine Billion US-Dollar ausgibt, dürfte der Effekt über Jahre verteilt sein.

So sieht Warren Buffetts Portfolio aus

- Das geringere Wirtschaftswachstum, verursacht durch den Rückgang der Erwerbsbevölkerung und deutlich geringere Produktivitätszuwächse, wirkt zusätzlich dämpfend auf Investitionen. -  Die Entwicklung dieser beiden Faktoren hat sich in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht geändert. Wenn, dann dürfte die Politik von Trump diese Faktoren erst über Zeit verändern.

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    Es gibt folglich wenige Gründe, zu einer anderen Einschätzung zu kommen, als vor einigen Monaten. Das Wirtschaftswachstum mag etwas höher sein, die Inflation ebenfalls. Die Maßnahmen würden zudem vor allem in den USA wirken. Im optimistischsten Fall könnte Trump dort die Reflation gelingen.

    Korrektur im Abwärtstrend?

    Doch nicht nur die genannten Faktoren sprechen gegen eine Trendwende bei den Zinsen. Es gibt einen viel banaleren Grund, der für eine moderate Zinsentwicklung spricht. Wir können uns in der Weltwirtschaft schlichtweg keine höheren Zinsen leisten. Bekanntlich waren wir noch nie so hoch verschuldet wie heute. Eine beabsichtigte Folge der (Notenbank-)-Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte. Wir sind mit maximaler Hebelwirkung unterwegs und es darf nichts schiefgehen. Da das Umfeld sich nicht ändert und die Wachstumsaussichten sich angesichts der fundamentalen Faktoren nicht signifikant verändern lassen, sind steigende Zinsen genau das was schiefgeht.

    Gold aus Sternenstaub und Diamanten aus Seife
    Gold gehört zu den begehrtesten, weil edlen und raren Elementen. Die Gründe dafür liegen im Kosmos, denn dort entsteht das Edelmetall. Allerdings nicht wie etwa Kohlenstoff oder Eisen in normalen Sternen durch Kernfusion, sondern nur durch extrem energiereichere Vorgänge, etwa die Kollision zweier Neutronensterne. Quelle: dpa
    Bei diesen Fusionen verschmilzt neutronenreiches Material der Auswurfmasse, anschließend zerfallen die daraus hervorgegangenen Elemente wieder zu stabilen Kernen wie eben Gold. Bei einem solchen Ereignis, das Astronomen vor einigen Jahren beobachteten, entstand eine Menge Gold, die schätzungsweise zehnmal der Masse unseres Mondes entspricht. Quelle: dpa
    Die Weltproduktion an Diamanten reicht längst nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken: 80 bis 90 Prozent aller Diamanten werden daher mittlerweile künstlich erzeugt. Sie kommen meist in der Industrie zum Einsatz, Schmuck macht den kleinsten Teil aus. Die 20 Tonnen Naturmaterial stammen vor allem aus zwei Quellen: Zum einen aus den klassischen Minen, bei denen sogenannte Kimberlit-Schlote nahezu senkrecht in die Erde ausgebeutet werden – der Stein trägt die begehrten Diamanten. Quelle: dpa
    Die andere Quelle sind sogenannte Diamantseifen, die trotz ihres Namens nichts mit waschaktiven Substanzen zu tun haben. Vielmehr handelt es sich hier um eine besondere Form der Mineralanreicherung. Verwittert der Kimberlit, bleiben die Diamanten als extrem robuste Materialien übrig. An einigen Küsten wie in Namibia passiert dies auch in Strandnähe. Wenn ankommende Wellen Material auf den Strand verfrachten, nimmt das zurückströmende Wasser die leichteren Körner wieder mit, während die harten Brocken, eben die Diamanten, im Sand oder Kies zurückbleiben und sich dort zu Diamantseife anreichern. „Seife“ stammt übrigens aus dem geologischen Sprachgebrauch und bezeichnet jede Art sekundärer Mineralanreicherung in Sedimenten. Quelle: Lempertz, Köln
    Ein altes Flussbett bei Ratnapura, südöstlich von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, ist das Eldorado für Edelsteinsucher. Seit 2000 Jahren schätzen Glückssucher die Region wegen ihrer relativ leicht zugänglichen Vorkommen an Saphiren, Rubinen und Granaten. Ursprünglich stammen sie aus dem angrenzenden Hochland, wo ihr Ausgangsgestein erodiert und von Niederschlägen in die Flussläufe gespült wurde. Dort lagerten sich die edlen Steine ab und wurden von jüngeren Sedimenten überdeckt. (Foto: dpa)
    2016 wurde hier einer der bislang größten Saphire der Welt ausgegraben und der Öffentlichkeit vorgestellt: Er wiegt 1404 Karat und ist schätzungsweise 90 Millionen Euro wert. Bei dem hier abgebildeten Stein handelt es sich um ein anderes Exemplar, das bei einer Versteigerung im Jahr 2008 „nur“ knapp drei Millionen Euro erbrachte. (Foto: dpa)
    Bislang besteht die wirtschaftliche Bedeutung des bolivianischen Salar de Uyuni in seinem touristischen Wert. Der riesige Salzsee im Altiplano der Anden lockt jedes Jahr zehntausende Touristen an, die die bizarre Salzpfanne bewundern. Doch der Salar besitzt noch einen weiteren Schatz, und der weckt industrielle Begehrlichkeiten: Er umfasst das weltweit vielleicht größte Vorkommen an Lithium – einem Metall, das etwa für Akkumulatoren von Elektroautos oder Smartphones gebraucht wird. Quelle: dpa

    Wann immer die Zinsen in den vergangenen Jahrzehnten angezogen haben, kamen Schuldner unter Druck und die Aktienmärkte auch. So stiegen die Zinsen vor dem Crash 1987, vor der Asien- und der Russlandkrise, selbst vor der Subprime-Krise 2007. Warum sollte es heute anders sein? Wer jetzt denkt, es liegt an einer anderen Politik der Notenbanken, den erinnere ich nur an die Tatsache, dass diese letztlich den Märkten folgen und nicht wie vielfach angenommen die Trends setzen. Sie machen es zwar schlimmer – vor allem im Trend nach unten – doch alleine Schuld sind sie nicht.

    Unbestritten ist jedoch, dass die Zinsen immer wieder immer tiefer gesenkt wurden, um die neue Krise zu bekämpfen. So wird es auch bei der Krise sein, die sich durch die höheren Zinsen anbahnt. Mag der Dow Jones auch neue Rekorde feiern, billig ist er schon lange nicht mehr. Natürlich kann man den Markt nicht timen und ich würde auch dringend von einseitigen Wetten abraten. Dennoch spricht mehr denn je für unser ausgewogenes Portfolio aus Cash, Aktien, Immobilien und Gold. Letzteres ist gerade nicht sehr en vogue. Das dürfte sich im nächsten Krisendurchgang auf dem Weg in noch negativere Zinsen wieder ändern.

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