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Stelter strategisch

Trump könnte scheitern, bevor er richtig anfängt

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Gelingt dem baldigen US-Präsidenten Donald Trump der Ausbruch aus der Stagnation oder droht der Weltwirtschaft ein Zinsschock? Die Chancen stehen 50 zu 50 – bestenfalls.

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USA-Fahne Quelle: dpa

„Herr Stelter, nur selten habe ich Sie so inkonsistent argumentieren sehen“, schreibt mir ein Stammleser mit Blick auf meine Einschätzung vor der US-Wahl, dass es, sollte Trump gewinnen, zu einer Reflationierung kommen könnte, welche die säkulare Stagnation – die Eiszeit – überwindet. Ein anderer erinnerte daran, dass es in den letzten 30 Jahren auch in Japan mehr als ein Konjunkturprogramm gegeben habe. Ohne Erfolg. Was sei  da schon eine Billion Dollar, die Donald Trump ausgeben wolle?

Beide Einwände sind berechtigt. In der Tat lehrt die Erfahrung der letzten Jahre, dass es eben nicht so einfach ist, die ökonomische Stagnation zu überwinden. Dies liegt zum einen an den fundamentalen Faktoren, also der stagnierenden bzw. schrumpfenden Erwerbsbevölkerung und den schwachen Produktivitätszuwächsen. Zum anderen an den Folgen der Überschuldung, die ihrerseits wie ein Mühlstein auf der Realwirtschaft liegt: wenig Nachfrage, insolventes Bankensystem und nicht bereinigte Fehlinvestitionen und Überkapazitäten sind die Stichworte.

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    Hinzu kommen die aufgeblähten Vermögenswerte, die auf eben dieser Verschuldung basieren und eine Gerechtigkeitsdebatte befeuern. Alles Ingredienzen für wenig Wachstum, zunehmende politische Spannungen und perspektivisch erhebliche Vermögensverluste. Daran ändert auch die Wahl von Donald Trump zunächst nichts. Sie könnte – Betonung: könnte! – jedoch ein Game Changer sein.

    Am Scheideweg

    In der Tat stehen wir an einem Scheideweg: gelingt Trump die Reflationierung, höheres Wachstum und damit die Entwertung der Schulden (und damit auch der Vermögen) oder beschleunigt seine Politik den Niedergang, weil sie über steigende Zinsen den Schuldnern den Todesstoß gibt? Ein Szenario, welches schon vor Monaten als Margin Call für die Weltwirtschaft an dieser Stelle beschrieben wurde: Schuldner müssen Vermögenswerte verkaufen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, und diese Verkäufe bringen die Vermögenspreise und damit andere Schuldner unter Druck, was zu einer sich selbst beschleunigenden Abwärtsbewegung und letztlich zum Crash führt.

    Wie groß das Potential für einen Crash ist, ist ebenfalls bekannt. Alle Vermögenswerte sind zu Perfektion bepreist, weshalb die Fed auch so mit dem Zinsschritt zögert. Wenn überhaupt, sind auf Jahre nur maue Renditen drin, und zwar in dem optimistischen Fall, dass es keinen erneuten Crash gibt.

    So sieht Warren Buffetts Portfolio aus

    Steigen die Zinsen in den USA, haben wir diesen Margin Call nicht nur in den USA, sondern global. Alle Zinsen würden in einem solchen Umfeld nach oben gezogen werden, weil die USA nach wie vor der globale Trendsetter sind. Zu viele Länder und Unternehmen sind in US-Dollar verschuldet, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schätzte Ende 2015 den Betrag von Dollar-Krediten an Nicht-Banken außerhalb der USA auf 9,8 Billionen. Steigen die Dollar Zinsen und damit auch der Dollar, kommen diese Schuldner unter massiven Druck. Wehren sich die nationalen Notenbanken gegen die Dollaraufwertung, müssen sie ebenfalls die Zinsen deutlich erhöhen und bringen damit die Schuldner und die Realwirtschaft von anderer Seite unter Druck.

    Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen

    Auch bei uns in Europa würden die Zinsen steigen. Zwar könnte die EZB einer Dollaraufwertung entspannt zuschauen, weil die Fremdwährungsverschuldung kein so großes Problem ist, höhere Importpreise die Inflation befördern, und schließlich der Export befeuert würde. Ganz entziehen kann sich Europa einer von den USA ausgehenden Zinssteigerungstendenz, jedoch nicht, wie schon die Entwicklung der letzten Tage zeigt. Überall stiegen trotz der fortlaufenden Interventionen der EZB die Zinsen. Und nicht nur das: die Zinsaufschläge von Staatsanleihen von Krisenländern wie Italien gegenüber Bundesanleihen sind ebenfalls gestiegen. Immerhin auf das höchste Niveau seit 2014. Ein klares Zeichen für zunehmenden Stress im Finanzsystem, ein Symptom für einen Margin Call also.

    Käme es dazu, hätten wir nicht nur die nächste Phase der Eurokrise, sondern gleich eine weltweite deflationäre Depression im Stile der 1930er Jahre. Der Verfall des chinesischen Renmimbi in den letzten Tagen ist auch in dieser Hinsicht ein Stresssignal: er wirkt direkt deflationär auf die Welt wegen der fallenden Exportpreise und nährt zugleich protektionistische Instinkte. Nicht nur bei der neuen US-Administration.

    Quadratur des Kreises

    Dieses Szenario zu verhindern und zugleich die US-Wirtschaft wie beabsichtigt zu reflationieren, gleicht einer Quadratur des Kreises. Es müsste gelingen, die Zinsen trotz Infrastrukturprogramm, Steuersenkungen und gestiegenen Inflationserwartungen im Zaum zu halten. Wie in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, in denen strenge Kapitalmarktregulierungen tiefe Zinsen trotz hohem Nominalwachstum garantierten. Das wäre die von führenden Volkswirten seit Jahren herbei gesehnte „finanzielle Repression“, durch die die Schulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt gesenkt und die Gläubiger auf schleichende Weise enteignet werden.

    In den 1950er Jahren haben Kapitalverkehrskontrollen und ein sehr limitiertes Angebot an Geldanlageinstrumenten die finanzielle Repression ermöglicht. Auch heute bedürfte es ähnlicher Instrumente. Dass die Regierenden bereit sind, in diese Richtung zu gehen, zeigt alleine schon die Diskussion zum Thema Bargeldverbot. Die Notenbanken müssten ebenfalls eine sehr aktive Rolle spielen und die Zusage machen, die Zinsen unter allen Umständen unten halten. Es ist umstritten, ob sie es könnten.

    Ich denke mit der Zusage, alles zu einem bestimmten Preis zu kaufen, könnte es ihnen gelingen. Das wäre natürlich verbunden mit dem Verlust der Unabhängigkeit der Notenbanken. Aber, seien wir ehrlich: der ist schon jetzt absehbar. Zu sehr haben sie sich zu Erfüllungsgehilfen unwilliger und unfähiger Politiker gemacht, und nicht nur Donald Trump fordert mehr Einfluss. Dabei dürfte er, sobald im Amt, nicht mehr auf höhere Zinsen drängen, sondern auf die umfassende und nachhaltige Garantie tiefer Zinsen.

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      Diese Warnsignale sollten Anleger hellhörig machen
      Polizei registriert mehr Fälle von AnlagebetrugDie Zinsen im Keller, die Renditen sind mickrig, dividendenstarke Aktien vielfach schon teuer – das macht Anleger anfällig für unseriöse Anlageprodukte, die hohe Gewinne versprechen. Laut polizeilicher Kriminalstatistik sind die erfassten Betrugsdelikte im Bereich Kapitalanlage und bei Beteiligungsgeschäften 2015 gegenüber dem Vorjahr um 5,3 Prozent auf 7.895 Fälle gestiegen. Zwar gelang es den Behörden, nahezu alle erfassten Betrügereien im Bereich Geldanlage aufklären (98,8 Prozent), dennoch haben die meisten Geschädigten ihr Geld dabei verloren. Der Bundesverband deutscher Banken - der Spitzenverband der Privatbanken in Deutschland - warnt daher eindringlich vor allzu gut klingenden Angeboten zur Geldanlage. Die folgenden Warnhinweise sollten Anleger beachten. Quelle: Fotolia
      Warnhinweis Nr. 1: Hohe GewinnversprechenDie Aussicht auf attraktive Gewinne verleitet Anleger leicht zu unbedachten Entscheidungen. Zur Orientierung: Sichere Anlagen bringen derzeit nur zwischen null und ein Prozent Zinsen. Ohne Risiko gibt es keine höheren Renditen. Deutlich höhere Renditegarantien sind unseriös. Quelle: dpa
      Warnhinweis Nr. 2: Anlageangebote am Telefon Das unaufgeforderte „Cold Calling“ ist zwar gesetzlich verboten, dennoch versuchen viele unseriöse Anbieter erste Kundenkontakte per Telefon zu knüpfen. Hier gilt: Erst gar nicht auf ein Gespräch einlassen, stattdessen gleich auflegen. Quelle: dpa
      Warnhinweis Nr. 3: Hohe oder verschleierte ProvisionenÜberzogene Provisionsforderungen sprechen dafür, dass der „Anlagespezialist“ eher den eigenen Gewinn als den des Kunden im Sinn hat. Werden Provisionen gar verschleiert oder falsch ausgewiesen, unbedingt die Finger von dem Angebot lassen. Quelle: dpa
      Warnhinweis Nr. 4: AuslandsadressenBei Geschäftssitzen in exotischen Ländern sollten Anleger hellhörig werden, denn im Schadensfall sind rechtliche Ansprüche nur schwer durchzusetzen. Es besteht die Gefahr, dass sich hinter der Adresse nur eine Briefkastenfirma verbirgt, insbesondere in Ländern, die als Steueroase gelten. Quelle: dpa
      Warnhinweis Nr. 5: ZeitdruckLassen Sie sich von niemandem unter Zeitdruck setzen. Übereilte Entscheidungen werden oft bereut. Ein seriöser Anbieter wird immer Bedenkzeit gewähren. Quelle: dpa
      Warnhinweis Nr. 6: FolgegeschäfteUm potenzielle Anleger zu ködern, schütten die vermeintlichen Geldprofis aus einem ersten Kontakt mit geringem Kapitaleinsatz beachtliche Gewinne aus. Das soll die Kunden überzeugen und Ängste beiseite wischen. Meist wird dem Kunden sofort ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme. Hier gilt ebenfalls: Erst gar nicht auf solche Angebote einlassen. Quelle: AP

      Würde es funktionieren?

      Bleibt die Frage: würde es überhaupt etwas bringen? Schließlich kann auch Donald Trump an den grundlegenden Problemen Demografie und Produktivität nichts ändern. Seine Haltung zur Zuwanderung könnte das Problem verschärfen. Andererseits ist die Beschäftigungsquote der 25 bis 54jährigen Amerikaner in den letzten Jahren deutlich gefallen. Bringt er mehr von diesen Menschen wieder in den Arbeitsmarkt, hilft dies den Betroffenen – seiner Kernzielgruppe in den Wahlen – und dem kurz- und langfristigen Wachstumspotential der US-Wirtschaft. Die Produktivität der US-Wirtschaft würde von Investitionen in die Infrastruktur unzweifelhaft profitieren.

      Protektionismus wäre in diesem Szenario übrigens nur konsequent, würden doch sonst vor allem China und Deutschland von dem Programm profitieren. Statt darüber zu jammern, sollten wir in Europa eher darüber nachdenken, ein ähnliches Programm – Investitionen, tiefe Zinsen, finanzielle Repression – aufzulegen und der neuen US-Regierung so den Protektionismus ausreden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit des Trumpschen-Programms wäre umso höher, je mehr Regionen der Welt mitmachen.

      Gelänge dies in Verbindung mit tiefen Zinsen, könnte es also funktionieren. Höheres Nominalwachstum und damit ein „schöner Schuldenabbau“ („beautiful deleveraging“) wie es der Hedgefondsmanager Ray Dalio nennt, wäre die Folge.

      Aktienquote reduzieren

      Für unsere Assetallokation ändert diese Analyse grundsätzlich nichts. Wir können uns nicht einseitig auf eines der Szenarien ausrichten, stehen die Chancen doch bestenfalls 50:50. Wir brauchen Inflations- und Deflationsschutz. Cash, Gold, Aktien und Immobilien bleiben das Gebot der Strategie. Kurzfristig würde ich mich jedoch zu einer meiner seltenen taktischen Empfehlungen hinreißen lassen: Aktienquote reduzieren. Die Märkte haben die Reflation, die ich vor der Wahl skizziert hatte, bereits gespielt.

      Doch ist nicht nur der Erfolg, wie diskutiert, höchst unsicher. Auch die Realisierung steht noch in den Sternen. Angesichts der hohen Bewertung von (US-)Aktien ein guter Grund, Gewinne mitzunehmen. Viel Raum nach oben gibt es nicht mehr. Aber viel nach unten.

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