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Stelter strategisch

Ethik oder Sünde, welches Investment lohnt sich mehr?

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"Unethische" Investments dürften günstiger werden

Die mittelfristige Folge liegt auf der Hand. Unternehmen, deren Geschäftsmodell und -Gebaren nicht die Kriterien erfüllt, kommen unter Druck. In einigen Fällen wird dies eine Verbesserung der Unternehmensführung bewirken, was dann eine entsprechende Kaufgelegenheit darstellt. Investoren, die gezielt auf entsprechende Änderungen setzen, dürften sich schöne Potentiale bieten.

Doch was ist mit jenen Unternehmen, deren Zweck bis jetzt als nützlich angesehen wurde und die nun in die Kategorie der unerwünschten Investments fallen? Diese dürften mit zunehmendem Anteil ethischen Investments relativ günstiger werden. Und damit eine Gelegenheit für jene darstellen, die sich keine so hohen ethischen Standards stellen wollen oder aber diese im konkreten Fall nicht für angemessen halten.

Sünde lohnt sich

Ethisches investieren gibt es bei genauerer Betrachtung schon länger. Schon seit Jahrzehnten werden Investitionen im Bereich von Rüstungsgütern und Zigaretten von einigen Investoren grundlegend abgelehnt. Gleiches gilt für Alkohol und Sex. Damit haben wir die Basis um zu analysieren, was sich mehr lohnt: Ethik oder Sünde?

Spitzenquartett der Öl-Industrie für Anleger

Sünde läuft nicht schlecht. So zeigen Studien, dass Aktien, die gemieden werden, einen geringeren Besitzanteil von institutionellen Investoren haben und weniger von Analysten beobachtet werden, als vergleichbare Aktien. Die „sozialen Normen“ haben „erhebliche Folgen für den Preis.“ Klartext: Aktien von Unternehmen, die gemieden werden, sind günstiger zu haben. Und bekanntlich liegt im Einkauf der Gewinn.

Auch der norwegische Staatsfonds hat ähnliche Erfahrungen gemacht. So hat der Ausschluss von Firmen aufgrund unsauberer Geschäftspraktiken den Ertrag des Portfolios erhöht. Der Verzicht auf Unternehmen aus bestimmten Sektoren wie Kohle und Waffen hat hingegen den Ertrag geschmälert. Es bewahrheitet sich, dass die günstigere Bewertung von Aktien einer der Hauptwerttreiber für künftige Erträge darstellt. Die Dividendenrendite liegt höher und wenn diese reinvestiert werden kauft man günstig renditestarke Werte. Über die Zeit kommt es dann zu einem Zinseszinseffekt, der bekanntlich der wichtigste Treiber für künftige Erträge ist.

Tabak ist schon lange geächtet

Berühmtestes Beispiel ist die Aktie von Philip Morris, die über Jahrzehnte die Aktie mit der besten Performance an der Wall Street war. Jeremy Siegel rechnete 2007 in seinem Buch „Stocks for the long run“ vor, dass im Falle von Philip Morris zwischen 1925 und 2007 aus einem Anfangsinvestment von 1000 US-Dollar beeindruckende 380 Millionen US-Dollar wurden. Blickt man auf die Performance der letzten 10 Jahre der beiden aus Philip Morris hervorgegangen Aktien (Altria und Philip Morris) dürfte sich der Wert bald der 1000 Milliarden Grenze nähern. In einer Welt, wo Investoren immer auf der Suche nach der nächsten Wachstumsstory sind, stellt eine langweilige Zigarettenfirma alle in den Schatten.

Der wesentliche Grund für diese Performance liegt in der dauerhaft tieferen Bewertung der Aktien. Schon lange gab es Sorgen vor mehr Regulierung und Schadensersatzansprüchen wegen der gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Die billige Aktie wies eine hohe Dividendenrendite auf und unter der Annahme der ständigen Wiederanlage der Dividenden ergibt sich ein Zinseszinseffekt mit hohem Zinssatz. Da das Unternehmen zugleich immer weiter wuchs und die Ausschüttung steigerte, kam es zu dem beeindruckenden Ergebnis. Geholfen hat natürlich, dass die Strafen nicht so umfangreich ausfielen wie befürchtet.

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