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Stelter strategisch

Erst Krisen, dann Jahrzehnte des Aufschwungs

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Unterschätzte Trends

Lange Zeit haben die etablierten Anbieter die Gefahr unter- und die eigene Anpassungsfähigkeit überschätzt. Das dürfte weniger Ausnahme als die Regel sein, was wir bei der Geldanlage bedenken sollten. Eine Auswahl zeigt, vor welchen grundlegenden Umbrüchen wir stehen:

- Selbstfahrende Autos und der Umstieg auf Elektromobilität erschüttern das Geschäftsmodell traditioneller Anbieter. Viele technische Komponenten, die heute zur Differenzierung beitragen, fallen in Zukunft weg (z.B. Getriebe). Die Nutzung dürfte gegenüber dem Besitz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Damit schrumpft perspektivisch der Automobilmarkt und die Erfolgsfaktoren ändern sich grundlegend. Viele Zulieferer werden schlichtweg überflüssig und die Hersteller sitzen auf erheblichen Kapazitäten die sie so nicht mehr benötigen.

- Erneuerbare Energien sind schon heute trotz tiefer Ölpreise in weiten Teilen der Welt ohne Subventionen wettbewerbsfähig. Die Erfahrung lehrt, dass der Preisverfall der neuen Techniken sich weiter fortsetzen wird. Neue Speichertechnologien tragen das ihre dazu bei. Dezentrale Stromerzeugung macht eine andere Infrastruktur nötig und möglich. All dies sind schlechte Nachrichten für Unternehmen, die Kapazitäten in alten Technologien vorhalten, von Stromerzeugung bis Ölförderung. Wie stellte der frühere saudische Ölminister fest? Das Steinzeitalter endete lange, bevor die Steine verbraucht waren. Das gilt auch für Öl und erklärt, warum jeder versucht, so viel wie möglich noch zu verkaufen, bevor er auf Bodenschätzen sitzt, die keinen mehr interessieren.

Innenstädte im Umbruch
Menschen gehen in Köln (Nordrhein-Westfalen) durch die Fußgängerzone (Hohe Straße). Quelle: dpa
Der Leopoldsplatz in Baden-Baden (Baden-Württemberg) Quelle: dpa
Das Kaufhaus des Westens (KadeWe) in Berlin. Quelle: dpa
Blick in ein neu gestaltetes Ladenlokal von Aldi Nord am 20.09.2016 in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen). Quelle: dpa
Ein Schild weist am Mittwochabend in Düssseldorf auf die Öffnungszeiten eines Supermarktes hin. Quelle: dpa
Ein junger Mann hält eine gefüllte Einkaufstüte des Textildiscounters Primark. Quelle: dpa
 Ein Schild mit dem Schriftzug "Kaiser's" steht vor einer Filiale der Einzelhandelskette Kaiser's-Tengelmann in Berlin. Quelle: dpa

- 3D-Drucker und Automatisierung verschieben globale Wertschöpfungsketten. Die bisherige Regel, wonach man für günstige Kosten große Volumina und tiefe Lohnkosten braucht, gilt so nicht mehr. Es ist bald möglich, überall auf der Welt zu ähnlichen Kosten zu produzieren bzw. die Kostenunterschiede rechtfertigen nicht mehr lange Logistikketten. Die Stagnation des Welthandels trotz wachsender Weltwirtschaft dürfte einen Grund in dieser Entwicklung haben. Das sind sehr schlechte Nachrichten für die globalen Logistikkonzerne, vor allem wenn sie massiv in Kapazitäten wie Schiffe investiert haben.

- Ohnehin wird die Automatisierung und Digitalisierung die Spielregeln fast aller Industrien verändern. Qualität von Prozessen und Produkten wird immer mehr von den Zulieferern von Anlagen und Software definiert und damit für die nutzenden Unternehmen zu einem geringeren Differenzierungsfaktor. Geschwindigkeit bei der Anwendung der neuen Technologien wird noch wichtiger, was die kapitalkräftigen Anbieter begünstigt.

Diese Produkte werden in zehn Jahren unseren Alltag erleichtern
Speed-Dating in der virtuellen RealitätWarum nur Fotos anschauen wie bei Tinder? Wer auf der Suche nach einem neuen Partner ist, könnte sich künftig als Hologramm in der virtuellen Realität mit interessanten Menschen treffen. Wenn die Chemie dort stimmt, steht einem ganz realen Treffen nichts mehr im Wege. Quelle: REUTERS
Nie wieder durstigDie atmosphärische Luft besteht aus den verschiedensten Gasen. Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) gehören dazu. Eine Verbindung zwischen den beiden führt zu H2O (Wasser). Dementsprechend wäre es möglich, dass sich intelligente Trinkflaschen künftig über die Atmosphäre selbst befüllen. Quelle: dpa
Optimiert schlafenZimmertemperatur, Luftfeuchtigkeit, Lichtquellen: Eine angenehme Nachtruhe hängt mit vielen Faktoren zusammen. Heute greifen wir noch zur Wärmflasche. Doch das soll bald Geschichte sein. Ein elektronischer Schlafassistent wird die wichtigen Schlaffaktoren überprüfen, um sie dann auf unsere Bedürfnisse abzustimmen. Quelle: dpa
Nie wieder suchenWo sind nur meine Schuhe? Diese Frage soll bald überflüssig werden. Bald sollen wir unsere Schuhe über eine App rufen und finden können. Quelle: dpa
Medizin per KnopfdruckMüdigkeit, Unwohlsein oder Haarausfall können oft mit Mangelerscheinungen oder Krankheiten zusammenhängen. Die nötigen Nähstoffe bekommen wir meist in der Apotheke. Dabei gibt es allerdings ein paar Probleme: Die Auswahl der richtigen Tabletten, der Ausschluss von Wechselwirkungen oder auch die Menge der Pillen, die wir zu uns nehmen müssen. 3D-Pillendrucker könnten künftig Abhilfe schaffen. Sie sollen vollständig personalisierte Medikamente erstellen, die alles enthalten, was wir für unser Wohlbefinden brauchen, genau in der richtigen Dosierung. Quelle: dpa
AlltagshelferÜberquellende Müllcontainer? Wird es nicht mehr geben. Die Mülleimer könnten in den nächsten Jahren mit Sensoren ausgestattet werden, die die Müllabfuhr ab einem gewissen Füllstand kontaktieren. So bleibt die Nachbarschaft sauber. Quelle: dpa
Kluges GeschirrKalorienzählen ist durch Apps schon einfacher geworden. Der nächste Schritt: cleveres Geschirr, das die Nährwerte der Mahlzeiten automatisch berechnet, speichert und uns nach dem Essen mit der Daten konfrontiert. Quelle: dpa

- Neue Ansätze zur individualisierten Therapie von Krankheiten wie Krebs mittels Gentherapie und Impfungen revolutionieren die Pharmaindustrie und stellen die großen Vertriebsmaschinen und das Denken in Blockbustern zunehmend in Frage.

- Banken und Versicherungen stehen ebenfalls vor einer digitalen Revolution, die einen Großteil der vorhandenen Infrastruktur und auch der Mitarbeiter überflüssig macht. Der Vorteil der zahlreichen Fintechs liegt weniger in der überragenden Technologie als in der Tatsache, dass sie keine verkrusteten Strukturen mit sich herum schleppen.

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