Stelter strategisch
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Vermögenserhalt in Zeiten des Helikopter-Geldes

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Zu tiefe Zinsen gestern machen noch tiefere Zinsen heute erforderlich, die wiederum tiefere Zinsen morgen bedingen. Geld muss immer billiger und immer großzügiger ins System gepumpt werden. Jetzt kommen die Helikopter.

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Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago images
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent.Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

Spätestens seit dem Entscheid der Fed, die Zinsen nicht zu erhöhen, dürfte auch dem allerletzten Beobachter klar sein, dass wir in einer Falle stecken. Seit Jahrzehnten bekämpfen wir in der westlichen Welt jede potentielle Erkältung an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft mit immer billigerem Geld. Dabei hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sicherlich Recht, wenn sie diagnostiziert, dass die tiefen Zinsen von heute noch tiefere Zinsen morgen erforderlich machen, die dann noch tiefere Zinsen übermorgen bedingen. Ein Teufelskreislauf, der letztlich nur Vermögensbesitzern und dem Finanzsektor nutzt, die Realwirtschaft jedoch zunehmend mit Schulden erstickt.

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Wie hier in den vergangenen Wochen gezeigt, hängen unsere Wirtschaft und vor allem die Finanzmärkte am Tropf des billigen Geldes. Mit immer mehr Schulden haben wir die Illusion von Reichtum geschaffen und die Nachfrage gestützt. Dabei ist der Anteil der unproduktiven Schulden, die nicht dazu dienen neue Maschinen und Anlagen und Innovationen zu finanzieren sondern lediglich Konsum und Spekulation, explodiert.

Diesen Schulden ist jedoch inhärent, dass wir immer mehr Schulden brauchen, um keinen Kollaps zu erleiden. Nur durch noch mehr Schulden ist sichergestellt, dass die bisherigen Schuldner ihren Verpflichtungen nachkommen können. Deshalb blieb der Fed auch gar keine Wahl. Angesichts der rückläufigen Liquidität in den Finanzmärkten drohte der Welt ein „Margin Call“, der ohne Zweifel unseren Schuldenturm zum Einsturz gebracht hätte.

Damit ist aber auch klar, dass es nicht genügen wird, dass die Fed die Zinsen nicht erhöht. Es ändert sich nichts an der hier vor zwei Wochen gestellten Diagnose: die Liquidität in den Weltfinanzmärkten sinkt zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt dramatischen Wachstums. Nur durch eine weitere Runde nochmals aggressiverer Geldpolitik wird es möglich sein, das System nochmal eine Runde weiter zu bekommen. Heißt: noch tiefere Zinsen – also nicht mehr nur Null-Zins-Politik, sondern Negativ-Zins-Politik – und noch mehr Aufkäufe von Wertpapieren.

Nähern wir uns also dem „Endspiel“

Es dürfte kein Zufall sein, dass die EZB vernehmlich über weitere Maßnahmen nachdenkt, die Bank of England Negativzinsen diskutiert, und die Bank of Japan betont, „bei Bedarf“ ihr Programm noch auszuweiten. Die Notenbanken gehen konsequent den eingeschlagenen Weg weiter, obwohl es immer offensichtlicher wird, dass wir uns in einer Sackgasse befinden. Die bereits zitierte Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – immerhin eine Art Zentralbank der Zentralbanken – bleibt ungehört, wenn sie deutlich feststellt: wenn eine Medizin nicht wirkt, sollte man nicht die Dosis erhöhen, sondern fragen, ob es die richtige Medizin ist.

So nähern wir uns also dem „Endspiel“: dem Helikopter-Geld. Es zeigt sich, dass selbst die unkonventionelle Geldpolitik immer weniger Effekt auf die Realwirtschaft hat. Die Überschuldung hemmt das Wachstum, immer weniger potentielle Schuldner haben noch Verschuldungskapazität und –bereitschaft. Deshalb wird der Ruf nach den Helikoptern immer lauter – in Anspielung an den verstorbenen Nobelpreisträger Milton Friedman, der als allerletztes Mittel der Notenbank, um eine Krise zu bekämpfen, vorgeschlagen hat, Geld mit dem Helikopter abzuwerfen. In der Praxis sähe das selbstverständlich anders aus.

Die Notenbanken würden dazu übergehen, Staaten direkt zu finanzieren, damit sie Investitions- und Konjunkturprogramme starten. Geht es nach den Befürwortern dieser Idee, würden die Notenbanken das Geld den Staaten jedoch nicht leihen, sondern schenken. Idealerweise kombiniert mit einer Abschreibung der Staatsanleihen, die sich bereits im Besitz der Notenbanken befinden, auf Null. Nur so würde die volle Wirkung erreicht.

Wir Deutsche fühlen uns sogleich an die Weimarer Republik erinnert. Dabei ist es zunächst gar nicht so, dass die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken unmittelbar zu Inflation führen muss. Zu groß ist der deflationäre Druck von Überkapazitäten und Überschuldung. Zur Inflation dürfte es erst dann kommen, wenn die breite Bevölkerung das Vertrauen in Geld verliert. Der bekannte Inflationsforscher Peter Bernholz hat dies sehr schön analysiert. Die meisten Hyperinflationen spielen sich in sehr kurzer Zeit ab.

Deshalb müssen wir bei der Geldanlage weiterhin in Szenarien arbeiten. Sowohl Deflation wie auch hohe Inflation bleiben denkbar. Je aggressiver die Notenbanken werden, desto wahrscheinlicher ist der Umschlag in Inflation, wie bei der hier vor einigen Wochen beschriebenen Ketchup-Flasche. Bis dahin dürfte das Spiel weiter gehen wie bisher. Nochmals tiefere Zinsen bedeuten nochmals geringere Renditen für alle Vermögenswerte.

Der legendäre Bondinvestor Bill Gross stellte kürzlich fest: “Wann wird unser auf Schulden basierendes Finanzsystem kollabieren? Dann, wenn alle Vermögenswerte die man kaufen kann, zu wenig Rendite für zu viel Risiko bringen. Dann werden die Investoren beginnen, statt Anleihen und Aktien Bargeld unter dem Kopfkissen zu horten.”

Bevor wir das im großen Stil tun, kann man getrost davon ausgehen, dass wir uns mit massiven Eingriffen wie Bargeldverbot und Kapitalverkehrskontrollen herumschlagen müssen. Denn diese sind die logische Konsequenz der heutigen Wirtschaftspolitik. Deshalb: schon heute regional diversifizieren und am Portfolioansatz festhalten, für Deflation wie nachfolgende Inflation.

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