Stelter strategisch

Von Schafen und Wölfen

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Jack Bogle hatte vor mehr als 40 Jahren eine einfache, aber brillante Idee. Anleger sollten in den Index investieren, anstatt das Geld in Aktienfonds von aktiven Managern betreuen zu lassen. Doch Vorsicht ist geboten.

Jack Bogle, Gründer und ehemaliger CEO der Vanguard Group. Quelle: Reuters

Jack Bogle hatte vor mehr als 40 Jahren eine einfache, aber brillante Idee. Statt wie zuvor das Geld in Aktienfonds von aktiven Managern betreuen zu lassen, sollten die Anleger lieber in den Index investieren. Die Geldmanager wären zu teuer und meist zu schlecht. Nach Kosten wäre mit einfachen Indexfonds mehr zu verdienen.

Was dann begann, war der unaufhaltsame Aufstieg seines Unternehmens Vanguard zum globalen Marktführer in dem Segment. Mehr als drei Billionen US-Dollar verwaltet Vanguard heute, alleine in den USA flossen im vergangenen Jahr 215 Milliarden Dollar an neuen Mitteln zu – so viel wie noch nie in der Geschichte der Vermögensverwaltungsindustrie. Dabei ist die Idee schon lange nicht mehr auf Aktien beschränkt. Auch im Bereich der Anleihen hat Vanguard das Prinzip mit großem Erfolg umgesetzt und im letzten Jahr den bisherigen Markführer Pimco vom ersten Platz verdrängt.

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Wenn es noch eines Beweises für die Überlegenheit der Anlagestrategie bedurft hätte, so stammt er von niemand anderem als dem Superinvestor Warren Buffet. Dieser riet seiner Frau, nach seinem Tod 90 Prozent des Erbes in Indexfonds von Vanguard zu stecken.

Auch von akademischer Seite bekommt der passive Ansatz breite Unterstützung. Nur die wenigsten Fondsmanager sind in der Lage, den Aktienmarkt zu schlagen. Nimmt man noch die deutlich höheren Kosten hinzu, so ist die Underperformance eklatant. Zeit also, die Fondsindustrie abzuschaffen?

Wie bei allen Trends in den Finanzmärkten ist auch hier Vorsicht angesagt.

Die lukrativsten Märkte der letzten 20 Jahre
Platz 18: JapanDie Sutor Bank hat die 18 wichtigsten Aktienmärkte der Welt im Zeitraum von 20 Jahren untersucht, um herauszufinden, welcher Markt die stärkste Performance hatte. In der Auswertung der Hamburger Privatbank kommt Japan auf den letzten Platz. „Das war durchaus erwartbar“, kommentierte Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank, das schlechte Abschneiden Japans. Auf den anderen Plätzen fanden sich allerdings ein paar Überraschungen. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 0,19 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 17: ÖsterreichZiemlich oft bergab ging es auch für Anleger am österreichischen Aktienmarkt. Auf 20-Jahressicht schaffte der österreichische MSCI Austria Index immerhin doch noch ein Plus. Schlusslicht war Österreich unter anderem im Jahr 2014. Die Sanktionen gegen Russland belasteten österreichische Banken und Unternehmen, die stark in Russland engagiert sind. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 1,65 Prozent pro Jahr Quelle: dpa
Platz 16: ItalienDer MSCI Italy Index gehört im internationalen Vergleich der Sutor Bank ebenfalls zu den Schlusslichtern. Besonders schlecht lief es für den italienischen Aktienmarkt in den Jahren 2010 und 2011 als die europäische Schuldenkrise aufkam. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 3,99 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 15: SingapurSingapur ist ein beliebter Finanzplatz und verfügt über eine beeindruckende Skyline. Besonders hoch hinaus kamen hier Anleger jedoch nicht. Der MSCI Singapore Index gehört zu den schwächsten innerhalb der vergangenen 20 Jahre. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 5,35 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 14: BelgienIn der Gesamtwertung kommt Belgiens Aktienmarkt nur auf den vierzehnten Platz. Allerdings holte der MSCI Belgium Index in den vergangenen Jahren deutlich auf. 2014 schlug er alle anderen Indizes mit einem Plus von 37 Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 6,8 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 13: FrankreichDer Aktienmarkt der zweitgrößten europäischen Volkswirtschaft schaffte es innerhalb der letzten zwanzig Jahr nicht unter die Top 10 (im Schnitt). Besonders schlecht lief es in den Jahren 2001 (- 18 Prozent) und 2002 (- 33 Prozent). Lutz Neumann von der Sutor Bank betont, dass die Entwicklung eher zufällig erfolgt. Eine belastbare, seriöse Vorhersage sei unmöglich, erklärt die Privatbank. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): + 7,15 Prozent pro Jahr Quelle: imago
Platz 12: NorwegenDer norwegische Aktienmarkt erlebte einen legendären Boom im Jahr 2009: Der MSCI Norway Index stieg um sagenhafte 81 Prozent. 2014 gehörte er allerdings zu den schwächsten Märkten, mit einem Minus von elf Prozent. Durchschnittliche Performance (20 Jahre): 7,31 Prozent pro Jahr Quelle: Imago

Immer wenn sich ein breiter Konsens bildet, steht eine Trendwende bevor, und ich wage die These, dass dies auch für Indexfonds gilt. Wir stehen am Ende eines fast 40-jährigen Booms an den Finanzmärkten. Der Aufstieg von Vanguard & Co. fällt zusammen mit einem historisch einmaligen Aufschwung der Kapitalmärkte und des Finanzkapitalismus. Wenn alle Boote steigen, ist es schwer, deutlich schneller zu steigen als andere. Wenn die Ebbe kommt, zeigt sich jedoch, wer nackt schwimmt.

Indexfonds allokieren Kapital mechanistisch nach dem Anteil einer Aktie am Gesamtindex. Es erfolgt also keine Analyse der fundamentalen Wertveränderung sondern ein Nachlaufen: steigt die Aktie relativ zum Index, sind die passiven Produkte gezwungen, diese Aktie aufzustocken. Damit werden jene Werte gekauft, die bereits gut gelaufen sind – und umgekehrt. Da der Index auch für die aktiven Fondsmanager die Benchmark ist, orientieren sich diese am Index und weichen immer weniger davon ab – was dann wiederum erklärt, weshalb die Performance nach Kosten so unbefriedigend ist.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

Beispiel: im vergangenen Jahr hat der breite Russell 1000 Index der großen US-Aktien elf Prozent zugelegt. Die besten 200 dieser Aktien stiegen im Durchschnitt um 44,3 Prozent, während die schlechtesten 200 16 Prozent verloren. Diese gigantische Lücke offenbart den Spielraum, der sich für aktive Manager öffnet, mit der richtigen Auswahl von Titeln den Markt zu schlagen. Je näher sie jedoch am Index bleiben, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dies zu schaffen. Dabei war 2014 die Bandbreite der Performance im historischen Vergleich noch gering, dank der Politik der Notenbanken, die alle Boote steigen ließ.

Studien zeigen, dass Fonds mit einem hohen „active share“ gegenüber semi-aktiven Fonds deutlich besser abschneiden. Die Autoren verglichen die Performance von sehr aktiv gemanagten US Aktienfonds mit der von weniger aktiv gemanagten Fonds über zwanzig Jahre von 1990 bis 2009. Das Resultat: Erstere konnten letztere nach Gebühren und Transaktionskosten um jährlich 2,17 und auch den jeweiligen Index um 1,26 Prozent schlagen.

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