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Stelter strategisch

Warnsignale für die Märkte - die Profis steigen aus

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Das Marktumfeld ist nicht gerade gut. Wir befinden uns an der Spitze des Berges, von da geht es eher runter als hoch. Welche Warnsignale es gibt und warum einseitige Strategien jetzt so gefährlich sind.

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In der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle gezeigt, dass Privatanleger am besten fahren, wenn sie ein stabiles Portfolio aus Aktien, Anleihen, Liquidität in verschiedenen Währungen, Gold in physischer Form und Immobilien bauen. Dies mit einem klaren Fokus auf Kosten und möglichst wenig kurzfristig orientiertem Handel, weil dies die Kosten treibt und Timing ohnehin fast nie gelingt.

Nicht wenige Leser kamen mit der Frage zurück, wie das denn zu der Aussage aus meiner Auftaktkolumne passe, wonach alle Märkte nach einem 35-jährigen Bullenmarkt auf luftigen Höhen angekommen sind. Sollte man da nicht von der oben genannten Allokation abweichen? Die kurze Antwort ist, ja. Aber eben nicht radikal, sondern mit Bedacht.

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Grundsätzlich sollte einmal im Jahr eine Neuausrichtung des Portfolios stattfinden. Das richtige Ausbalancieren hängt jedoch vom Ausgangspunkt ab. Entspricht das Portfolio schon den Grundsätzen der Diversifizierung, braucht man nur noch regelmäßig den Anteil der Vermögenswerte zu reduzieren, der in der vergangenen Periode besonders gut gelaufen ist. Umgekehrt wird der Anteil der zurückgebliebenen Assets erhöht. Betrachten wir den Aufschwung seit 2009, so hätten wir also kontinuierlich den Anteil an Anleihen und Aktien reduziert, zugunsten von Gold – seit dem deutlichen Rückgang 2011 – Immobilien und vor allem Liquidität. Eine Strategie, die man auch heute so fortsetzen kann.

Krisenindikatoren sprechen gegen Einstieg

Anders sieht es aus, wenn das eigene Portfolio von dieser Grundallokation noch zu weit entfernt ist. Ist der Aktienanteil zu niedrig, stellt sich zum Beispiel die Frage nach dem Einstiegszeitpunkt.

Auch wenn es quält, den letzten Aufschwung verpasst zu haben, Angst zu haben, den Anschluss ganz zu verlieren, und den aktuell fallenden Aktienkursen nur zuzuschauen – die klare Antwort lautet: Jetzt ist kein guter Zeitpunkt für einen kräftigen Neueinstieg. Wieder ist Disziplin angesagt: eine vorsichtige Umschichtung in die Märkte für jene, die noch nicht dabei sind, und ein allmählicher Rückzug aus riskanten Vermögenswerten für jene, die weniger als 20 Prozent in Liquidität investiert sind.

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Der Nobelpreisträger Robert Shiller, berühmt geworden durch seine Warnungen vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 und der Immobilienblase 2007 hat da eine einfache Regel. Wenn man nur noch kauft, aus Angst etwas zu verpassen, dann ist die Blase schon da. Und in der Tat leuchtet eine lange Liste an Krisenindikatoren rot:

  • Da ist zunächst die Bewertung der Aktien. Vergleicht man Aktien mit Anleihen, so erscheinen Aktien billig. Selbes Ergebnis im sogenannten „Fed-Modell“, welches Anleihen- und Dividendenrenditen miteinander vergleicht. Solche Vergleiche – mit Verlaub – erinnern mich an einen Autofahrer, der sich mit 1,5 Promille noch für fahrtüchtig hält, nur weil der neben ihm Sitzende schon zwei Promille im Blut hat. Seriösere Analysen, wie das rollierende Shiller-PE, zeigen hingegen Bewertungen in den USA, die nur vor dem Platzen der Blase im Jahre 2000 noch höher waren. Verglichen damit sind die Bewertungen in Europa noch deutlich tiefer, wobei auch hier das bereits vor zwei Wochen gesagte gilt: relativ billiger zu sein ist keine Garantie dafür, dass sich das jemals ändert. Europa notiert seit Jahrzehnten mit einem Abschlag zu den USA.
  • Es waren die massiven Aktienrückkäufe, die den Markt in den USA in den vergangenen Jahren gestützt haben; die größten Nachfrager nach Aktien dürften die Unternehmen selbst gewesen sein. Hintergrund sind verfehlte Anreizsysteme für Manager, die den Gewinn pro Aktie in den Vordergrund stellen. Durch die Reduzierung des Aktienumlaufs werden so Ziele erreicht, ohne wirklich den Wert des Unternehmens zu steigern. Dabei lehrt die Geschichte, dass Manager prozyklisch handeln. In guten Zeiten kaufen sie Aktien zurück, meist zu überhöhten Preisen. In schlechten Zeiten sind sie die Verkäufer von Aktien. Waren es früher die sprichwörtlichen Milchmädchen, die das Ende des Aktienaufschwungs ankündigten – „Milchmädchen-Hausse“ – so sind es heute die Unternehmen selbst.
Inhalt
  • Warnsignale für die Märkte - die Profis steigen aus
  • Warnsignal M&A
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