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Stelter strategisch

Wie die Demografie-Falle Ihr Vermögen bedroht

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Die alternde Gesellschaft hat erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Vermögenswerte. Schon heute muss man das Portfolio darauf ausrichten.

Wie wird eine insgesamt ältere Gesellschaft die Wirtschaft beeinflussen? Und was ist die richtige Anlagestrategie dafür? Quelle: dpa

Kürzlich kam ich mit einem Freund auf das Thema Demografie zu sprechen. Beide waren wir uns einig, dass der derzeitige Flüchtlingszustrom die demografischen Probleme Deutschlands und Europas nicht wird lösen können. Zu gering dürfte der produktive Anteil der Zuwanderer sein, die einen nennenswerten Beitrag zum Erhalt unseres Wohlstands leisten. Vielmehr wächst mit jedem Tag die Gefahr von dauerhaft hohen Kosten und heftigen Verteilungskonflikten.

Also kam sehr schnell das „japanische Szenario“ auf den Tisch: schrumpfende Erwerbsbevölkerung, geringe Nachfrage, wenig Wachstum, fallende Preise, am Ende Deflation. Dennoch war mein Freund gerade dabei sein Immobilienportfolio in Deutschland auszubauen. Wo gäbe es schließlich dank günstiger Zinsen noch Renditen von sieben Prozent auf das Eigenkapital!

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Auf den ersten Blick einleuchtend. Aber hat nicht die Demografie auch Auswirkungen auf den Immobilienmarkt? Wie wird eine insgesamt ältere Gesellschaft die Wirtschaft insgesamt beeinflussen? Ist es wirklich das japanische Szenario? Und was ist die richtige Anlagestrategie dafür?

Konsumentenpreise in der Zange

Schauen wir uns zunächst die Wirkung auf das Konsumentenpreisniveau an. Unstrittig ist, dass die Konsumneigung mit dem Alter abnimmt. Der Höhepunkt der Ausgaben liegt meist im Alter zwischen 30 und 55 Jahren, wenn Familiengründung und steigende Einkommen den Konsum befeuern. Im Rentenalter hingegen sind die Leute sparsamer und fragen weniger nach. Diese Faustregel gilt immer noch, auch wenn Rentner heute aktiver leben als vor 30 Jahren. Insofern wird die Wirtschaft wohl weniger wachsen und die Preise werden tendenziell fallen – so, wie wir es in Japan gesehen haben. Selbst wenn das BIP pro Kopf wächst, wie in Japan, genügt dies nicht, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu kompensieren.

Was Investoren für die lukrativste Geldanlage halten

Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend. Das Arbeitskräfteangebot wird sinken. Dies spricht für eine Umkehrung eines Megatrends der letzten Jahrzehnte. Statt fallender Löhne, könnten wir es mit steigenden zu tun bekommen, die sich dann auch in steigenden Preisen niederschlagen. Zunehmende Automatisierung wird diesen Trend abschwächen, die erforderlichen Investitionen werden die Unternehmen sich allerdings auch bezahlen lassen. In Summe also ein Szenario, in dem vor allem nicht automatisierbare und nicht handelbare Güter und Dienstleistungen teurer werden. Dies betrifft aber einen großen Teil der Ausgaben der künftigen Rentner: Gesundheitsversorgung, Betreuung und Lebensmittel.

Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Lebenshaltung für die Babyboomer im Rentenalter deutlich teurer wird. Dafür vorzusorgen, erfordert angesichts des tiefen Zinsniveaus heute noch mehr Ersparnis. Dies auch, weil wir realistisch davon ausgehen müssen, dass der Staat Renten kürzt und mit Steuern und Abgaben gerade bei jenen Rentnern zugreift, die über Ersparnisse und andere Einkünfte verfügen. Die nachfolgende Generation ist gar nicht in der Lage, die ungedeckten Versprechen, die auf jenseits 300 Prozent des BIP geschätzt werden, zu erfüllen. Und sie wird sich auch weigern.

Zwischenfazit also: Selbst wenn eine schrumpfende und alternde Bevölkerung tendenziell weniger konsumiert, bedeutet das nicht automatisch, dass alle Preise fallen, und Rentner auch billiger leben können.

Steigende Zinsen, fallende Bewertungen

Damit kommen wir zur zweiten Frage: wie entwickeln sich die Vermögenswerte, wenn sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern dreht? Zunächst gibt es die naheliegende Überlegung, dass Rentner, die ihre Ersparnisse verbrauchen, und Unternehmen, die wieder mehr investieren müssen, in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung den Ersparnisüberhang reduzieren. Sind die Zinsen in den vergangenen Jahren unter anderem auch wegen einer Flut an Ersparnissen und zu wenigen Investitionen gesunken – ein Trend den die Notenbanken durch ihre asymmetrische Politik unheilvoll verstärkt haben – so droht nun eine Umkehrung dieses Trends. Die Analysten von Barclays haben analysiert, dass mit jedem Prozentpunkt, um den die Anzahl der Rentner steigt, der Zins um 1,15 Prozentpunkte steigt. Hinzu kommt die Folge der gestiegenen Inflation. Zinsen von 6 bis 8 Prozent wären dann nicht auszuschließen.

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