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Studium Die besten Auszahlpläne für sicheres Studieren

Entnahmepläne bringen zwar keine sagenhaften Renditen, bieten aber viel Sicherheit. Eltern oder Großeltern können damit beispielsweise das Studium des Nachwuchses unterstützen.

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Prallgefülltes Akademiker-Sparschwein Quelle: Getty Images

In ein paar Wochen fängt für viele Erstsemester in Deutschland endlich das Studium an. Eine zugegebenermaßen grandiose Zeit zum Ausprobieren, Feiern, Lernen, Reisen und vielem mehr. Doch spätestens bei der Suche nach einer bezahlbaren Bleibe stellt sich für viele angehende Studenten und ihre Eltern die Frage, wie das alles bezahlt werden soll.

Praktisch, wenn Mama, Papa, Oma oder Opa schon früh an die akademische Karriere des Sprösslings gedacht haben und ein wenig Geld beiseite gelegt haben. Zum Beispiel in eine Lebensversicherung, die zeitnah vor Studienbeginn ausbezahlt wird. Oder eben das Geld, welches die Großeltern monatlich für das Enkelkind angespart haben.

Ist nicht nur ein Bachelorabschluss geplant, sondern vielleicht auch noch ein Master hintendran, kommt schnell eine ziemlich große Summe zusammen, bei der Anleger auf Zinseinnahmen nicht verzichten möchten. Hilfreich ist dann ein sogenannter Auszahl- oder Entnahmeplan.

Beim klassischen Entnahmeplan zahlen Anleger einen größeren Betrag, beispielsweise 10.000 Euro, bei der Bank ein und bekommen dafür Zinsen. Gleichzeitig wird das Geld für einen selbst gewählten Zeitraum in monatlichen Raten ausgezahlt, etwa fünf oder zehn Jahre lang. Diese Art von Entnahmeplan mit Kapitalverzehr eignet sich eben für die Finanzierung des Studiums oder für eine selbstgebastelte monatliche Rente - eine Lebensversicherung, die gerade ausgezahlt wurde, kann anschließend in einen solchen Plan reinvestiert werden. „Besonders kurzläufige Auszahlpläne über fünf Jahre sind gut zur Studienfinanzierung geeignet“, sagt Max Herbst, Inhaber der Frankfurter FMH Finanzberatung.

IKB liegt vorn

Zusätzlich gibt es auch Varianten ohne diesen sogenannten Kapitalverzehr. Dann werden nur die Zinsen ausgezahlt, das Kapital bleibt erhalten. Das bietet sich beispielsweise an, wenn eine bestimmte Summe vererbt werden soll. Dann könnte dafür aber auch ein ausschüttender Sparbrief verwendet werden.

Der Vorteil der Auszahlpläne ist klar. „Ein Auszahlplan bietet Zinssicherheit, außerdem muss ich mich als Anleger nicht darum kümmern“, sagt Herbst. Allerdings sind die Zinsen, welche die Banken für das Geld zahlen, in der Regel nicht besonders hoch. Oft reicht es noch nicht einmal für den Inflationsausgleich.

Auszahlpläne fünf Jahre mit Kapitalverzehr

Einige Banken sind allerdings trotz Niedrigzinsen etwas großzügiger und liegen mit ihren Angeboten immerhin über den meisten Tagesgeldanbietern. Die FMH Finanzberatung hat für WirtschaftsWoche Online die Entnahmepläne mit den jeweils höchsten Zinsen herausgefiltert. Spitzenreiter bei den für Studium-Sparer relevanten Auszahlplänen mit fünf Jahren Laufzeit und Kapitalverzehr ist die IKB Deutsche Industriebank. Hier bekommen Anleger 1,3 Prozent Zinsen für ihr Geld, wer 50.000 Euro angelegt hat, kriegt monatlich immerhin 860 Euro ausbezahlt. Davon lässt sich auch in etwas teureren Uni-Städten ganz gut leben.

Die IKB teilt sich den ersten Platz bei den fünfjährigen Auszahlplänen mit der VTB Direktbank, der Online-Bank aus der VTB Gruppe. Auch dort bekommen Kunden 1,3 Prozent Zinsen für ihr Kapital im Auszahlplan, genau wie bei der IKB müssen mindestens 5.000 Euro eingezahlt werden. Auch die Degussa Bank liegt mit ihrem "Rentenplan" weit vorne, zahlt aber mit 0,9 Prozent einen spürbar geringeren Zins, genau wie die Santander Bank, bei der die Kunden 0,8 Prozent bekommen.

Höhere Zinsen bei längerer Laufzeit

Untersucht wurden nicht nur Auszahlpläne mit fünf Jahren Laufzeit, sondern auch zehnjährige. Dort kommen die besten Angebote ebenfalls von der VTB Direktbank und von der IKB. Der Zins liegt mit 1,9 Prozent für ein Modell mit Verbrauch des Kapitals schon deutlich höher als bei der fünfjährigen Variante. Dafür muss der Anleger allerdings auch eine deutlich längere Laufzeit hinnehmen.

Auszahlpläne zehn Jahre ohne Kapitalverzehr

„Länger laufende Auszahlpläne können eine gute Unterstützung zur monatlichen Rente sein“, erklärt Finanzexperte Herbst. Viele Sparer würden aus Angst vor zu viel Risiko nicht mehr in Aktien investieren wollen und suchten daher sichere Alternativen. „Über zehn Jahre hinaus sollte ein Entnahmeplan aber nicht abgeschlossen werden“, sagt Herbst. Das lohne sich nicht, die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen sei zu hoch.

„Der Vorteil eines Bankauszahlplans ist die Sicherheit und Planbarkeit“, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Das gelte insbesondere für den Zins. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase haben die Bank-Entnahmepläne deshalb auch einen gravierenden Nachteil: „Auch wenn die Zinsen wieder steigen, bleiben sie beim Bankauszahlplan konstant niedrig“, sagt Oelmann. Im Gegensatz zu Fondsentnahmeplänen, deren Rendite von aktuellen Kursen abhängt, bieten Bank-Entnahmepläne zwar eine sichere, aber auch konstant niedrige Rendite im Vergleich.

Auszahlpläne zehn Jahre mit Kapitalverzehr

„Weiterer Nachteil ist oft die mangelnde Flexibilität“, sagt Oelmann. Die Verbraucherschützerin rät Anlegern, sich im Vorfeld bei der Bank zu erkundigen, ob Auszahlraten verändert oder ausgesetzt werden können. „Auch eine vorzeitige Kündigung ist nicht immer möglich“, sagt Oelmann.

Warten auf die Zinswende

In Zukunft könnten die Zinsen auch bei Auszahlplänen schrittweise wieder attraktiver werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Fed endlich an der Zinsschraube dreht. Noch ist unklar, ob die US-Notenbank schon im September den Leitzins leicht erhöht, oder doch erst im Dezember oder noch später. Zuletzt zweifelten Beobachter, die Fed könne die aktuellen Turbulenzen rund um China und die Weltwirtschaft zum Anlass nehmen, die Zinswende nochmals zu verschieben. Zuletzt sprachen vergleichsweise positive Arbeitsmarktdaten aus den USA allerdings dafür, dass die Zinswende doch schon im September kommen könnte.

Dafür sprechen insbesondere die niedrige Arbeitslosenquote von offiziell 5,1 Prozent und die auch im August leicht gestiegenen Stundenlöhne. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte die Inflation zunehmen, spätestens das sollte die Fed zum Eingreifen bewegen.  

Auszahlpläne fünf Jahre ohne Kapitalverzehr

Allerdings: auch wenn die Fed den Zins erhöht, wird sie wohl vorerst keine großen Zinssprünge machen. Die Zinsen dürften also wenn nur langsam steigen, zumal die Europäische Zentralbank (EZB) weiter Anleihen kauft und damit noch weit von einer Zinserhöhung entfernt ist. Auch die chinesische Zentralbank hat mit den jüngsten Zinssenkungen eher in die entgegen gesetzte Richtung gearbeitet.

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Anleger müssen also weiterhin abwägen, ob sie ihr Geld über mehrere Jahre relativ sicher, aber eben auch vergleichsweise unrentabel in einen Auszahlplan investieren wollen, oder ob sie abwarten, bis die Zinsen wieder steigen. An diesem Punkt sind diejenigen, die eine Finanzierung für das Studium abschließen wollen, klar im Vorteil: der Semesterbeginn wird nicht auf die Zinswende warten.

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