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Suche nach Rendite Zinssenkung frustriert Anleger

Je weiter die EZB die Zinsen senkt, desto mutiger werden die Anleger - notgedrungen. Die Suche nach Anlageprodukten mit einer vernünftigen Rendite gleicht der nach der Nadel im Heuhaufen.

Europäische Investoren sind auf der Suche nach der richtigen Geldanlage. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Es herrscht Anlagenotstand: Seit dem die EZB den Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt hat, wissen Sparer nicht mehr, wohin mit ihrem Geld. 56 Prozent der Befragten machen sich Sorgen um ihre Altersvorsorge - denn die Inflation frisst die Zinsen auf. Sie macht es auch Lebensversicherern immer schwieriger, die Garantieverzinsung zu erwirtschaften. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hatte kürzlich vor einer Erosion der deutschen Spar- und Vorsorgekultur gewarnt, wenn die niedrigen Zinsen zum Dauerzustand werden.

Wegen dieses Zinsumfelds wird der deutsche Anleger notgedrungen mutig und greift zu risikoreicheren Anlageklassen als üblich. Trotz vieler Insolvenzen suchen Investoren ihr Heil derzeit sogar in Mittelstandsanleihen. Ist der Deutsche sonst eher ein vorsichtiger Investor und hat das Geld am liebsten im Strumpf unter dem Kopfkissen, setzt er plötzlich auf Anleihen und Devisen.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Im Jahre 2012 hatten die deutschen Bürger ein Gesamtvermögen von rund 4,94 Billionen Euro. Bis auf die Jahre 2002 und 2008 stieg das Vermögen der Deutschen stetig. Wie stark es zugenommen hat, zeigt ein Vergleich mit dem Jahr 1991. Zu dieser Zeit kumulierten die privaten Haushalte ein Kapital von gerade einmal 1,9 Billionen Euro. Die Übersicht zeigt, wo sich das Geld der Deutschen befindet. Quelle: dpa
In festverzinsliche Wertpapiere wurden im vergangenen Jahr nur 238 Milliarden Euro investiert. Zwar gelten zum Beispiel Staatsanleihen aus Deutschland als besonders sicher, doch die Rendite bewegt sich oft sogar unter dem Inflationsniveau. Staatsbonds aus den Euro-Krisenländern Spanien und Italien werfen hingegen recht hohe Zinsen ab, doch das Verlustrisiko ist dementsprechend hoch. Quelle: dpa
Seit 2007 nimmt das angelegte Geld in festverzinsliche Finanzprodukte ab. 2011 lagen noch 247,1 Milliarden Euro in Staats-, Wandel, und Indexanleihen, um nur einige festverzinsliche Anlagemöglichkeiten zu nenne. Indexanleihen werden in Deutschland bisher allerdings nur selten vergeben. Emissionen solcher Anleihen erfolgen nur unter Genehmigung der Bundesbank. Quelle: dpa
Rund 259 Milliarden Euro liegen in Aktien. In Relation zum Gesamtvermögen sind das gerade einmal fünf Prozent. Anfang der 1960er-Jahre betrug der Aktienanteil noch 20 Prozent. Die Scheu, Geld in Aktien anzulegen, kann nicht mit den Renditen erklärt werden. Denn 1987 notierte der Dax noch bei 1.000 Punkten, mittlerweile hat sich der Kurs, trotz mehrfacher Rückschläge, mehr als verachtfacht. Keine andere Analagemöglichkeit bietet langfristig so hohe Renditen. Quelle: dpa
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt aber, dass der Aktienanteil zyklischer Veränderung unterliegt. Je nach Börsengeschehen verändert sich der Anteil. Während 2007 knapp 371 Milliarden Euro in Aktien investiert waren, verringerte sich das Volumen im darauffolgenden Jahr auf 182 Milliarden Euro. Die Veränderung von 2011 auf 2012 hingegen war von 222 Milliarden auf 259 Milliarden Euro wieder eine positive. Quelle: dpa
Investmentfonds unterliegen den gleichen Schwankungen wie Aktien. Im vergangenen Jahr investierten die Deutschen rund 420 Milliarden Euro in solche Fonds und damit knapp 25 Milliarden mehr als noch 2011. Doch bereits 2007 lagerten die Bundesbürger über 467 Milliarden Euro in Investmentfonds. Quelle: dpa
Geldanlagen bei Versicherungen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs. Rund 1,5 Milliarden Euro des Geldvermögens liegen bei den Versicherungen. Besonders beliebt sind Lebensversicherung, Pensionskassen und Versorgungswerke. Quelle: dpa

So verzeichneten beispielsweise KfW-Anleihen in Fremdwährungen einen hohen Zuwachs. Zu Recht - betrachtet man die Rendite. Besonders viel Mittelzuflüsse gibt es bei Währungsanleihen auf norwegische Kronen, australische Dollar oder brasilianische Real. Auch türkische Lira lohnen sich. Anleihen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die in türkischer Lira notieren und im Februar 2016 fällig werden (WKN: A1E8U5), bringen eine Rendite von 7,82 Prozent. Auch spanische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit versprechen noch gut vier Prozent Rendite. Abzüglich der aktuellen Inflation von 1,6 Prozent bleibt immer noch ein Plus von 2,4 Prozent. Auf der Bank gibt es weniger.

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Von der Trüffelsuche nach der besten Anlage einmal ganz abgesehen, stellen die Menschen in Deutschland der europäischen Krisenpolitik ein verheerendes Zeugnis aus. Auch wenn sich die Finanzmärkte zuletzt beruhigt haben und Irland und Spanien den Euro-Rettungsschirm bald verlassen wollen: Nach einer repräsentativen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov misstrauen 72 Prozent der Bundesbürger der Krisenstrategie von Regierungen, EU und Europäischer Zentralbank. Nur 15 Prozent vertrauen Politik und Notenbank. Allerdings gibt es auch einen Vorteil der jüngsten Zinssenkung: Viele deutsche Banken wollen sie an ihre Kunden bei den Dispozinsen weiterreichen und künftig weniger Gebühren für die Überziehung des Kontos verlangen. Das ergab eine Umfrage des „Tagesspiegels“.

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