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S&K-Prozess Jonas Köller rechnet die Anklagesumme klein

Nach monatelanger Verlesung der Anklage sagt im S&K-Prozess mit Jonas Köller nun endlich einer der Hauptangeklagten aus. Für die Anklage der Staatsanwaltschaft zeigt er wenig Verständnis.

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S&K: Seit Ende September 2015 wird am Frankfurter Landgericht der Fall S&K verhandelt Quelle: dpa

Zeit für die Vorbereitung seiner Aussage hatten er und seine Anwälte genug: Seit rund drei Jahren sitzt Jonas Köller, der zusammen mit seinem Kumpel Stephan Schäfer die Frankfurter Immobiliengruppe S&K gründete, nun in Untersuchungshaft. Entsprechend strukturiert wirkt Köllers erster großer Auftritt vor dem Frankfurter Landgericht. Der Angeklagte, so scheint es, möchte die Figur eines seriösen Unternehmers abgeben. Fast jede seiner Aussagen unterlegte er mit einem Aktenzeichen, präsentierte reihenweise Dokumente, die seine angebliche Unschuld zeigen sollen.

"Das ganze Verfahren ist ein Konstrukt", erklärt Köller in seinen Vorbemerkungen. Die Staatsanwaltschaft, so die Sichtweise des angeklagten S&K-Gründers, sei mit ihrer Razzia an einem "Point of no return" angekommen und habe "unverhältnismäßig und übereilt" gehandelt.

Am 19. Februar 2013 hatten etwa 1200 Ermittler im Rahmen einer Großrazzia massenweise Akten und Sachgegenstände von S&K sichergestellt. Mehr noch: durch ihr vorschnelles Eingreifen, so die Auffassung Köllers, habe die Staatsanwaltschaft verhindert, dass die S&K-Gruppe große Gewinnsummen einfahren konnte. Reue ist bei Köller während seiner dreijährigen Untersuchungshaft offenbar nicht aufgekommen.

Bilder aus dem Leben der S&K-Chefs
Eine große weiße Limousine
S&K-Chef Jonas Köller posiert mit einer Waffe und einer unkenntlich gemachten Frau vor einer Tür, über der steht "Get rich or die tryin´"
Teure Autos
Ein Hubschrauber mit S&K-Logo
Einer der S&K-Chefs und Mark Medlock
Jürgen und S&K
Ein Elefant und eine unkenntlich gemacht junge Frau vor teuren Autos

Seine Aussage wurde mit Spannung erwartet. Bereits Ende September 2015 startete der Prozess gegen die Frankfurter Immobiliengruppe S&K. Mit einer Anklageschrift von rund 1780 Seiten ist es einer der umfangreichsten Wirtschaftsstrafprozesse der deutschen Geschichte.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet schwerer Betrug und Untreue: Die Angeklagten sollen rund 11.000 Anleger um ihre Fondsgelder in Höhe von 240 Millionen Euro geprellt haben. Statt das Geld wirksam einzusetzen, soll es in den exzessiven Lebensstil der Firmengründer geflossen sein. Teure Autos und Villen gehörten genauso dazu wie Partys mit Prominenten und Elefanten.

Die Möbel aus der S&K-Villa
An der S&K-Villa in der Kennedyallee hängt ein riesiger Banner, der auf die Online-Pfandversteigerung des S&K-Mobiliars aufmerksam macht. Noch bis zum kommenden Freitag können Kaufinteressenten für die Möbel der Frankfurter Immobiliengruppe Gebote abgeben.
Das alte Schiffs-Modell hat bei der Online-Auktion schon einige Gebote eingeheimst. Es soll für mindestens 30 Euro unter den Hammer.
Pompös und staatsmännisch, so war die Einrichtung von Stephan Schäfer und Jonas Köller. Nicht kleckern, sondern klotzen...
Ein Kunstwerk mit den Initialen wird genauso versteigert...
...wie ein Gemälde mit Dollar-Zeichen.
Bereits geöffnete Getränkedosen mit aufgedrucktem S&K-Logo - Überbleibsel der Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller.
Von solchen Sofas können Interessierte gleich mehrere ersteigern.

Allein die Verlesung der Anklage dauerte fast vier Monate, immer wieder verzögerten Anträge der Verteidigung den Ablauf. Nachdem im Februar bereits die beiden Angeklagten Thomas G. und Hauke B., Geschäftspartner von Schäfer und Köller, ausgesagt hatten, durfte nun Köller persönlich ans Mikrofon.

240 Millionen Euro sollen veruntreut worden sein

Die Staatsanwaltschaft, legte Köller los, bliebe bei ihrem Betrugsvorwurf und der angeblich veruntreuten Summe von 240 Millionen Euro. In der Folge versuchte Köller aufzuzeigen, warum es sich dabei um ein Irrtum handeln müsse.

Sein Jahresgehalt und das seines Kollegen Schäfer bezifferte Köller mit 1,2 Millionen Euro. Das sei hoch, so der Angeklagte. Im Vergleich zum Gehalt von Chefs börsengehandelter Unternehmen relativere es sich aber. Gleichzeitig erklärte Köller, den ihm angehängten teuren Lebensstil habe er lediglich aus seinen Bezügen bestritten, nicht mit dem Geld der Anleger. Dafür zeigt der Angeklagte Kreditkartenabrechnungen. Einzelne Posten sind feinsäuberlich mit dem Buchstaben J markiert, für Jonas. Das seien Privatausgaben, welche er zwar mit der Firmenkreditkarte bezahlt, aber später erstattet habe. "18 Prozent Zinsen" will Köller darauf gezahlt haben.

Reisen nach Mallorca oder Cannes rechtfertigt der S&K-Gründer dagegen mit Immobilien, die S&K dort besessen habe. Zudem habe es natürlich Incentive-Reisen für die Mitarbeiter gegeben, das sei ja im Kapitalmarktgeschäft so üblich, erklärt er und rezitiert dafür extra den zugehörigen Wikipedia-Artikel über Incentives. Es sei also völlig normal, das derartige Reisen mit Mitarbeitern aus dem Firmenbudget bezahlt worden seien.

"Wollten nicht auf Gewinnausschüttung warten"

Auch für Darlehen, welche sich die beiden Gesellschafter aus den Fondsgeldern gewährt haben, findet Köller eine ausführliche Begründung. "Das machten wir, wenn wir nicht auf die Gewinnausschüttung warten wollten", sagt Köller. Nach der Ausschüttung sei das dann aber verrechnet worden, Schäfer und Köller hätten für das Darlehen einen Zins gezahlt, der über dem Zins des Fonds lag.

Dass es die Kredite gegeben habe, sei also zutreffend. Er habe die aber stets mit Zinsen ausgeglichen, sagt Köller aus. Köller zeigt eine Auflistung der Darlehen. Allein, dass er darüber Buch führe, zeige ja, dass er das Geld zurückzahlen wollte, meint der Angeklagte.

Diese Rückzahlungen und Erstattungen habe die Staatsanwaltschaft unter den Tisch fallen lassen. Statt 120 Millionen Euro, also der Hälfte der Anklagesumme, beansprucht Köller für sich lediglich 6,5 Millionen Euro, die er aus dem Unternehmen erhalten hat. Diese Zahl ergebe sich aus drei Millionen Euro Gehaltszahlungen und 3,5 Millionen Euro Gewinnausschüttungen, die er erhalten habe.

Später erläutert Köller, wie es zur Gründung von S&K kam. Der Angeklagte erzählt, wie er, obwohl aus kleinen Verhältnissen stammend, einen guten Schulabschluss schaffte und Stephan Schäfer kennenlernte. 2003 kaufen die beiden zusammen ihre erste Immobilie, welche sie mit einer ordentlichen Marge wieder verkaufen. Der Aufkauf von Immobilien auf Zwangsversteigerungen zum späteren Wiederverkauf wird ihre Spezialität, S&K ist geboren. Köller erzählt, wann er seinen ersten Ferrari gekauft habe, und wie dieser das Geschäft noch einmal belebte.

Kein Schrott

Ausführlich erklärt Köller, wie es gelang, Immobilien deutlich unter ihrem Verkehrswert zu kaufen. Vom Begriff "Schrottimmobilien", welchen die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage verwendete, will er aber nichts wissen. "Keine einzige unserer Immobilien war beim Verkauf eine Schrottimmobilie", sagt Köller. Es habe allenfalls einen Renovierungsstau gegeben. Wenn es danach ginge, verhandele man auch gerade in einer solchen Schrottimmobilie, erklärt Köller und schaut an die Betondecke des Frankfurter Gerichtssaals.

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Etwas bizarr wird Köllers Aussage, als er zum Zeitpunkt der Razzia kommt. Mit ihrem Eingreifen habe die Staatsanwaltschaft verhindert, dass es bei S&K zu einem großen Gewinn gekommen sei. Man habe kurz vor dem Abschluss eines Verkaufs gestanden, so dass S&K 2013 alles hätte ausgleichen können. Einen 55-Millionen-Gewinn habe die Staatsanwaltschaft verhindert. Zudem habe man werthaltige Portfolien nicht mehr erwerben können.

Da Köller jeden Satz mit Dokumenten unterlegt, dürfte seine Aussage noch einige Verhandlungsstunden in Anspruch nehmen. Am Ende wird es spannend sein, welche Schlussfolgerungen die Richter aus Köllers Unschuldserklärung und der Anklage der Staatsanwaltschaft ziehen werden.

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